Tränen im Ziel: Laura Nolte verliert Olympia-Gold im Monobob um Haaresbreite
Im Ziel flossen dann doch die Tränen: Um die winzige Differenz von nur vier Hundertstelsekunden hat Laura Nolte das erste deutsche Olympia-Gold im Monobob im letzten Lauf aus der Hand gegeben. Die 27-Jährige, die über drei Durchgänge hinweg geführt hatte, leistete sich im abschließenden vierten Lauf als letzte Fahrerin zu viele Fehler und musste sich mit der Silbermedaille begnügen.
Traum vom zweiten Olympiasieg platzt in letzter Sekunde
Lange durfte Laura Nolte von ihrem zweiten Olympiasieg träumen, doch am Ende fehlte die entscheidende Winzigkeit. Damit verpasste es Nolte, vier Jahre nach ihrem Gold im Zweierbob, als erste Deutsche Olympiasiegerin in der Solo-Disziplin zu werden. Immerhin holte sie nach Rang vier bei den Spielen von Peking 2022 ihre erste Olympia-Medaille im erst vor vier Jahren eingeführten Einzelwettbewerb.
Erfahrung triumphiert: Meyers Taylor gewinnt mit 41 Jahren
Nolte war mit nur 0,15 Sekunden Vorsprung in den entscheidenden vierten Lauf gegangen, musste aber Elana Meyers Taylor aus den USA noch ganz knapp vorbeiziehen lassen. Für die 41 Jahre alte Mutter zweier Kinder war es nach langem Warten der erste Olympiasieg überhaupt. Bronze ging acht Hundertstel hinter Nolte an die 40 Jahre alte dreimalige Olympiasiegerin Kaillie Armbruster Humphries.
Die deutschen Konkurrentinnen Lisa Buckwitz und Kim Kalicki belegten die Plätze vier und fünfzehn. Im Ziel war Nolte die Enttäuschung deutlich anzusehen, als sie aus dem Bob stieg und sich eine Deutschland-Fahne geben ließ. Etwas später weinte sie dann in den Armen ihrer Eltern.
„Pink Lady“ unter Druck: Fehler im letzten Lauf
Rund dreißig Familienmitglieder und Freunde fieberten bei eisiger Kälte am Cortina Sliding Centre mit der „Pink Lady“ der Kufen-Szene mit. Alle waren an den pinkfarbenen Bommelmützen mit Laura-Nolte-Logo zu erkennen. Nach ihrem Bahnrekord im ersten Lauf wurde Nolte jedoch von den erfahrenen US-Pilotinnen gejagt.
Die 41 Jahre alte Meyers Taylor nahm Nolte im dritten Lauf vor den Augen von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry den Bahnrekord ab, und Armbruster Humphries konterte mit der exakt gleichen Zeit. So schmolz Noltes Vorsprung vor dem Finallauf bedrohlich zusammen.
Nervöser Finallauf kostet den Sieg
Im letzten Durchgang legte Armbruster Humphries vor, Meyers Taylor zog knapp vorbei und setzte Nolte unter enormen Druck. Die Weltcup-Gesamtsiegerin zeigte Nerven, touchierte schon nach dem Start mehrmals die Bande und büßte ihren Vorsprung rasch ein. Diese Fehler waren letztlich nicht mehr gutzumachen.
„Sie wird sich ärgern, aber wir haben ja noch eine zweite Disziplin, da werden wir auf jeden Fall angreifen“, sagte Noltes Zweierbob-Anschieberin Deborah Levi nach dem Rennen. Nolte selbst hatte vor dem Wettkampf betont: „Mit dieser Rolle als Favoritin kann ich mittlerweile umgehen. Das sind wir gewöhnt.“
Buckwitz hadert mit Materialwahl
Lisa Buckwitz, die im Vorfeld von Olympia mit ihrem „OnlyFans“-Sponsoring Aufmerksamkeit erregt hatte, haderte mit ihrer Material-Wahl. „Startrekord ist das Beste am ganzen Tag“, meinte die 31-Jährige nach dem ersten Tag und betonte: „Ich habe eine falsche Kufenwahl getroffen.“ Am zweiten Tag lief es dann besser, eine Medaille war aber nicht mehr in Reichweite.
Im Monobob werden Einheitsschlitten vom Weltverband IBSF gefahren. Nur die Kufen von einem beauftragten Edelstahl-Hersteller dürfen individuell wie die Sitzschale und die Lenkseile bearbeitet werden, was die Materialwahl zu einer entscheidenden strategischen Komponente macht.



