Franziska Preuß beendet ihre Biathlon-Karriere nach olympischem Massenstart
Für Franziska Preuß steht am Samstag der letzte Wettkampf ihrer beeindruckenden Biathlon-Karriere an. Die 31-jährige Athletin wird beim olympischen Massenstart der Frauen in Antholz zum finalen Mal die Loipe betreten und ihr Gewehr anlegen. Nach diesem Rennen wird die deutsche Sportlerin des Jahres ihr Sportgerät endgültig in die Ecke stellen und einen konsequenten Schlussstrich unter ihre aktive Laufbahn ziehen.
Ein vorgezogener Abschied mit klaren Worten
Bereits im Vorfeld der Olympischen Winterspiele 2026 hatte Preuß ihr bevorstehendes Karriereende angekündigt, den genauen Zeitpunkt jedoch offengelassen. Nun wurde Gewissheit daraus: Statt die noch ausstehenden Weltcup-Stationen in Estland, Finnland und Norwegen zu bestreiten, beendet die Bayerin ihre Karriere früher als von manchen erwartet. "Nach so vielen Jahren im Leistungssport ist jetzt der richtige Zeitpunkt gekommen, ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen", teilte Preuß über den Deutschen Skiverband mit.
Die Entscheidung fiel ihr nicht leicht, doch die Erkenntnis war klar: "Ich habe immer hundert Prozent gegeben. Aber im Moment merke ich, dass ich diese hundert Prozent für die letzten Weltcup-Stationen nicht mehr aufbringen würde." Damit verliert das deutsche Frauenteam mit sofortiger Wirkung sein langjähriges Aushängeschild und eine der prägendsten Persönlichkeiten des deutschen Biathlonsports.
Eine Karriere zwischen Triumph und Widerständen
Franziska Preuß blickt auf eine außergewöhnliche sportliche Laufbahn zurück, die 2013 mit ihrem Weltcup-Debüt begann und nun in Antholz ihren Abschluss findet. Ihre Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen:
- Gewinn des Gesamtweltcups in der vergangenen Saison
- Zweimaliger Sieg im Massenstart-Weltcup
- Einmaliger Triumph in der Sprint-Wertung
- Sechs Einzelerfolge im Weltcup
- Zwei olympische Bronzemedaillen mit der Staffel
- Elf WM-Medaillen, darunter zwei Weltmeistertitel
Doch Preuß' Weg war stets auch von Herausforderungen geprägt. Bereits bei ihren ersten Olympischen Spielen 2014 in Sotschi erlebte sie bittere Stunden. Nach enttäuschenden Platzierungen im Sprint und in der Verfolgung wollte sie ursprünglich auf einen Start im Einzel verzichten. Auf Drängen der Trainer trat sie dennoch an - ein Rennen, das sie nach fünf Schießfehlern und als Letztplatzierte unter Tränen abbrechen musste.
Gesundheitliche Rückschläge und mentale Kämpfe
Immer wieder bremsten gesundheitliche Probleme die ambitionierte Athletin aus. Weder bei Olympia 2022 noch bei der Weltmeisterschaft 2023 in Oberhof befand sie sich in ihrer Bestform. Zwischenzeitlich dachte Preuß sogar ans Aufhören, doch sie kämpfte sich zurück und wurde in der vergangenen Saison mit dem Gewinn des Gesamtweltcups belohnt.
Der Olympia-Winter 2026 begann jedoch erneut mit Widrigkeiten. Verletzungen an Schulter und Hand, gefolgt von einer Corona-Infektion im Dezember, durchkreuzten ihre Vorbereitungen. Zwar gewann Preuß zu Beginn der Spiele Bronze mit der Mixed-Staffel, doch in den Einzelrennen fehlte ihr im entscheidenden Moment die gewohnte Sicherheit im Stehendschießen. Mehrfach ließ sie Medaillenchancen liegen, jedes Mal spielte ihr die Psyche einen Streich.
Der letzte Tanz mit gemischten Gefühlen
Für ihren finalen olympischen Auftritt hat Preuß klare Vorstellungen: "Eigentlich möchte ich nur noch einmal das fühlen, warum ich damals mit 15 Jahren angefangen habe, Biathlon zu machen. Diese Freude, diese Leichtigkeit, locker ins Rennen zu gehen", erklärte sie im Gespräch mit der Sportschau. Ihr primäres Ziel ist nicht mehr der Gewinn von Edelmetall, sondern: "Es ist mein Ziel, egal wie es ausgeht, mit einem Lächeln über die Ziellinie zu fahren."
Doch die Frage bleibt, ob diese Klarheit befreiend wirkt oder den Druck im letzten Rennen noch erhöht. Freiwillig wird sich Preuß der Konkurrenz sicher nicht ergeben, und im Idealfall könnte ihr finaler Massenstart doch noch jene olympische Einzelmedaille bringen, die ihrer beeindruckenden Laufbahn bislang fehlt.
Der Rückhalt im Team ist trotz der mentalen Rückschläge der vergangenen Tage ungebrochen groß. Alle hoffen, dass das bislang bittere Drehbuch dieser Olympischen Spiele für Franziska Preuß doch noch ein versöhnliches Ende finden kann. Die Athletin selbst bemüht sich nun, "den Kopf frei zu bekommen", um am Samstag "mit einem Lächeln am Start" zu stehen und "die Freude am Biathlon wieder zu spüren".
Egal wie das Rennen ausgeht - an ihrem Vermächtnis als eine der größten deutschen Biathletinnen der letzten Jahre wird es nichts ändern. Franziska Preuß hat dem Sport unzählige unvergessliche Momente geschenkt und sich als wahre Kämpferin erwiesen, die sich von Rückschlägen nie dauerhaft aus der Bahn werfen ließ.



