Skeletonpilot von Olympia verbannt: IOC bleibt im Helm-Streit mit Ukraine hart
Skeletonpilot von Olympia verbannt: IOC bleibt hart

Skeletonpilot von Olympia verbannt: Eskalation im Helm-Streit mit Ukraine

Der ukrainische Skeletonpilot Wladislaw Heraskewytsch darf wegen eines Helms mit Bildern getöteter Sportkollegen nicht bei den Olympischen Winterspielen starten. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) bleibt nach tagelangen, intensiven Debatten hart und hat den 27-Jährigen von den Wettkämpfen in Cortina d'Ampezzo verbannt. Die Entscheidung markiert eine dramatische Eskalation im Konflikt zwischen sportlicher Neutralität und politischem Protest.

„Es ist Leere“: Heraskewytsch reagiert geschockt auf Ausschluss

Im Schock über seinen Olympia-Ausschluss fühlte Wladislaw Heraskewytsch nach eigenen Worten einfach nur „Leere“. Trotz eines letzten Gesprächs mit IOC-Präsidentin Kirsty Coventry kurz vor dem ersten Durchgang ist es zur großen Konfrontation gekommen. Der Ukrainer weigerte sich, auf das Tragen des vom IOC verbotenen Kopfschutzes zu verzichten, der Bilder von rund 20 Athletinnen und Athleten zeigt, die bei russischen Anschlägen im Krieg ums Leben kamen.

„Es ist schwer, etwas zu sagen oder es in Worte zu fassen. Es ist Leere“, erklärte Heraskewytsch emotional. Die Entscheidung des IOC sei ein riesiger Fehler. „Ich glaube, dass ich keine Regeln verletzt habe“, beteuerte der Sportler und kündigte einen Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas an. Auch bei dem Treffen mit Coventry habe er keinen Kompromiss akzeptiert, wie das IOC mitteilte.

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IOC-Präsidentin unter Tränen: „Es geht nur um die Regeln“

In einem nicht-öffentlichen Bereich traf sich die Nachfolgerin von Thomas Bach, Kirsty Coventry, mit Heraskewytsch etwa eine Stunde vor dem Start des ersten Laufs. Danach verkündete sie sichtlich bewegt und unter Tränen, dass sie den Ukrainer nicht umstimmen konnte und der Ausschluss „unter Bedauern“ vollzogen werden müsse.

„Es geht nicht um die Botschaft, es geht nur um die Regeln und Vorgaben. In diesem Fall müssen wir in der Lage sein, ein sicheres Umfeld für alle sicherzustellen“, sagte Coventry entschlossen. „Traurigerweise heißt das, dass keine Botschaften erlaubt sind.“ Nach Angaben des IOC wurde Heraskewytsch die Akkreditierung für die Winterspiele entzogen, was seine Teilnahme an allen weiteren Veranstaltungen unmöglich macht.

Politische Botschaften streng untersagt: IOC bietet Kompromiss an

Politische Botschaften sind laut den strikten IOC-Regeln an den Wettkampfstätten untersagt. Die Dachorganisation hatte Heraskewytsch als Kompromiss angeboten, anstatt des umstrittenen Helms ausnahmsweise einen Trauerflor am Arm zu tragen. Dieses Angebot lehnte der Ukrainer jedoch entschieden ab. Noch kurz vor der endgültigen Entscheidung hatte Heraskewytsch via Instagram ein Einlenken des IOC und eine öffentliche Entschuldigung gefordert.

In mehreren Trainingsläufen war der Skeletonpilot bereits mit dem Helm gefahren, der seiner Aussage nach „eine Hommage an Athleten“ darstellt. „Einige von ihnen waren Medaillengewinner bei den Olympischen Jugendspielen. Das bedeutet, sie gehören zur olympischen Familie“, erklärte Heraskewytsch leidenschaftlich. Die Ukraine wehrt sich seit knapp vier Jahren gegen eine russische Invasion, und der Helm soll an den hohen Preis erinnern, den das Land in diesem Abwehrkampf zahlen muss.

IOC verweist auf abgestimmte Regeln: Sicherheit im Fokus

Das IOC lehnte ein offizielles Gesuch um Erlaubnis für den Kopfschutz unter Verweis auf die mit der Athletengemeinde abgestimmten Regeln für politische Botschaften ab. Es müsse allen Sportlerinnen und Sportlern möglich sein, sich in einem sicheren und neutralen Umfeld auf ihre Leistung zu konzentrieren, unbeeinflusst von den zahlreichen Konflikten auf der Welt, so die Argumentation. Heraskewytsch sei es jedoch erlaubt, in Interviews rund um den Wettkampf seine Meinung frei zu äußern.

Der Ukrainer gehörte für die Skeleton-Rennen nicht zum Kreis der Topfavoriten, hatte aber betont, dass eine Medaille „wertlos im Vergleich zu Menschenleben und der Erinnerung an diese Athleten“ sei. Zuspruch erhielt Heraskewytsch von anderen Mitgliedern der ukrainischen Olympia-Delegation und sogar vom ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der auf Telegram schrieb, eine solche Wahrheit könne nicht unbequem oder unangebracht sein.

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Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees der Ukraine, Wadym Gutzajt, hatte beim IOC vorher noch erfolglos interveniert, um eine Lösung zu finden. Die Eskalation zeigt die tiefen Gräben zwischen sportlichen Prinzipien und politischen Realitäten in einer von Konflikten geprägten Welt.