Deutsche Skifahrer enttäuscht von Olympia-Atmosphäre in Bormio
Nach mehr als der Hälfte der Wettkämpfe bei den Winterspielen äußern sich die deutschen alpinen Skifahrer schwer enttäuscht über die fehlende olympische Atmosphäre in Bormio. An dem italienischen Austragungsort finden ausschließlich die Männerrennen im alpinen Skisport statt, während parallel keine weiteren Sportarten vertreten sind. Diese isolierte Situation führt zu einem deutlichen Mangel an olympischem Flair.
Vergleich mit normalem Weltcup
Alexander Schmid, einer der deutschen Starter im Riesenslalom, brachte es vor dem Wettkampf am Samstag auf den Punkt: „So richtig Stimmung kommt leider nicht auf.“ Sein Teamkollege Anton Grammel ging sogar noch weiter und verglich die Atmosphäre mit der eines regulären Weltcups. „Vielleicht auch nicht eines der bestorganisierten Weltcups“, fügte er kritisch hinzu.
Die strukturellen Gegebenheiten in Bormio tragen wesentlich zu dieser Wahrnehmung bei. Anders als bei traditionellen Olympischen Spielen existiert hier kein zentrales olympisches Dorf. Stattdessen sind die Mannschaften – ähnlich wie bei Weltcup-Veranstaltungen – auf verschiedene Hotels verteilt. An rennfreien Tagen präsentieren sich die Straßen, Restaurants und Bars deutlich menschenleerer, während viele Hotels und Pensionen während der gesamten Spiele geschlossen blieben.
Chefcoach: „Olympia ist verloren gegangen“
Der deutsche Männer-Cheftrainer Christian Schwaiger äußerte fundamentale Kritik am Konzept der auf Norditalien verteilten Winterspiele. „Olympia ist, glaube ich, schon in einer gewissen Art und Weise verloren gegangen“, erklärte er mit Blick auf die Austragungsorte Mailand und Cortina.
Schwaiger, der bereits zahlreiche Olympische Spiele erlebt hat, betonte: „Einige richtig schöne, wo die Sportstätten sehr zentral waren, wo man einen Austausch mit anderen Sportlern hatte. Das macht dann das olympische Flair aus. Das gibt es hier nicht. Eigentlich ist es jetzt ruhiger als beim Weltcup.“ Der Coach zog dabei Parallelen zu den Winterspielen in Peking 2022, wo aufgrund der Corona-Pandemie kaum Zuschauer anwesend waren und die Athleten ebenfalls isoliert agieren mussten.
Enttäuschte Hoffnungen der Athleten
Riesenslalomfahrer Alexander Schmid hatte sich nach den isolierten Spielen in Peking bewusst vorgenommen, einmal Olympia in Europa als traditioneller Ski-Kernregion zu erleben. „Jetzt hier hat man sich dann doch ein bisschen mehr erhofft“, gestand er enttäuscht ein. Trotz der schwierigen Umstände bereiten sich Schmid, Grammel und der dritte deutsche Starter Fabian Gratz intensiv auf den Riesenslalom am Samstag vor.
Underdog-Chancen trotz widriger Bedingungen
Cheftrainer Schwaiger sieht durchaus Möglichkeiten für seine Schützlinge: „Als Underdog ist in Bormio vieles möglich“, erklärte er zuversichtlich. Alexander Schmid berichtete nach seiner kürzlichen Sprunggelenksverletzung erfreuliche Nachrichten: „Es geht mir ganz gut, ich habe keine Schmerzen mehr.“ Damit stehen die deutschen Skifahrer trotz der enttäuschenden Atmosphäre motiviert im Startblock, um im Riesenslalom zu überraschen.



