Marcel Kittels Comeback: Rockets-Team mischt mit Social-Media-Power den Radsport auf
Kittels Comeback: Rockets-Team mischt Radsport auf

Marcel Kittels Comeback im Radsport: Mit Hype-Team Rockets zur Tour de France

Marcel Kittel balanciert seine Tochter auf dem Arm, brabbelt aufgeregt in Richtung Fernseher – und jubelt schließlich wie einst bei seinen legendären Tour-de-France-Etappensiegen. „Es ist immer noch derselbe Nervenkitzel. Auch die Kinder sind total aus dem Häuschen“, sagt der ehemals beste Sprinter der Welt. Der Grund für die Begeisterung: Der Sieg seines Schützlings Dylan Groenewegen bei einem Rennen in Belgien. Seit Jahresbeginn ist Deutschlands erfolgreichster Tour-de-France-Profi zurück im Rennzirkus – als Sprintcoach beim Team Unibet Rose Rockets.

Vom TV-Experten zum Coach im Begleitfahrzeug

Nach dem Ende seiner aktiven Karriere hatte Kittel den Radsport zunächst aus einer anderen Perspektive erlebt, unter anderem als Experte für TV-Sender. Nun sitzt er im Begleitfahrzeug direkt hinter dem Renngeschehen. „Es ist die letzte Perspektive, die mir noch gefehlt hat. So schließt sich der Kreis“, erklärt der 37-Jährige. Sein neuer Job ist jedoch nicht irgendeiner, denn um sein Team ist ein regelrechter Hype entbrannt.

Die einzigartige Entstehungsgeschichte der Rockets

Die Rockets sind derzeit eines der heißesten Themen abseits von Ergebnissen und Weltranglisten. Ihre Entstehungsgeschichte ist wohl einzigartig: Drei Freunde aus den Niederlanden, vereint durch ihre Leidenschaft für den Radsport, fuhren zur Tour de France, ließen sich verrückte Aktionen einfallen – und filmten alles. Sie riefen am Ruhetag Wettbewerbe unter Profis aus oder verteilten nach der Schlussetappe auf den Champs-Élysées in Paris Pizza an die Fahrer.

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Ihre Abenteuer veröffentlichten sie auf YouTube und gewannen schnell eine große Fangemeinde. Nur vier Jahre nach dem ersten YouTube-Video ging das Trio mit einem eigenen Team in der untersten Kategorie an den Start – mit dem großen Traum, einmal selbst bei der Tour de France zu fahren.

Vom YouTube-Kanal zur professionellen Mannschaft

Bas Tietema, das Gesicht des Teams, erinnert sich: „Im ersten Jahr gab es eigentlich nichts als die Idee und eine Powerpoint-Präsentation.“ Durch YouTube hatten sie zwar Bekanntheit, doch bei der Ansprache von Fahrern gab es Zweifel, ob es sich um ein ernsthaftes Projekt handle. Tietema und seine Mitstreiter organisierten selbst Trainingscamps und saßen als sportliche Leiter im Auto. Heute umfasst die Organisation etwa 100 Personen.

„Seit dem Beginn, seit dem ersten YouTube-Video waren wir in jeder Minute außerhalb unserer Komfortzone“, sagt Tietema. Das Wachstum verlief rasant: Nach einem Jahr stieg das Team von der dritten in die zweite Radsport-Liga, die ProTour, auf. Im vergangenen Jahr schafften es die Rockets unter die besten 26 Mannschaften der Welt und kamen damit in die Verlosung für Wildcards zu großen Rennen.

Pinke Helme und ein nachhaltiges Geschäftsmodell

Die Tour de France fühlte sich 2025 noch nicht bereit für das Team mit den auffälligen pinken Helmen. Stattdessen starteten die Rockets bei Klassikern wie Mailand-Sanremo, der Flandern-Rundfahrt und dem Giro d’Italia. Um sportlich voranzukommen, wurden gestandene Profis wie Dylan Groenewegen verpflichtet und Marcel Kittel als prominenter Coach geholt.

Kittel betont die Herausforderungen: „Die große Challenge ist die Organisation hinter dem Team. Das ist mit großen Wachstumsschmerzen verbunden, weil die Radsport-Saison lang ist und der Winter kurz.“ Noch könne man nicht die Stabilität großer Mannschaften haben, aber Profisport bedeute auch, sich von Jahr zu Jahr weiterzuentwickeln.

Was die Rockets von anderen Teams unterscheidet, ist ihr Geschäftsmodell. Während viele Teams nach ihren Hauptsponsoren benannt sind, bleibt die Marke Rockets erhalten. Tietema erklärt: „Kurzfristig bekommt man vielleicht mehr Geld, wenn man seine gesamte Identität verkauft. Auf lange Sicht sehen wir unseren Weg als nachhaltiger an.“

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Social-Media-Power und die Regeländerung

Ein wichtiger Einkommensstrang sind die Aktivitäten auf YouTube und anderen Plattformen. „Normalerweise basiert ein Sponsoring auf Leistung, Ergebnissen und Sichtbarkeit in den Rennen“, sagt Tietema. „Wir verändern das durch unseren eigenen Content und unsere eigenen Medien. Wir sind das ganze Jahr über sichtbar.“ Das Ziel ist es, die größte Fangemeinde im Radsport aufzubauen – ein endloses Ziel, wie Tietema es nennt.

Das nächste sportliche Ziel ist klar: 2027 soll die Teilnahme an der Tour de France klappen. Dabei hilft eine Regeländerung: Die drei besten ProTour-Teams dieses Jahres erhalten 2027 automatisch eine Einladung zu den Eliterennen der WorldTour, zu der auch die Tour de France zählt. Aktuell liegen die Rockets auf Platz vier, doch der Sprung in die Top 3 ist angesichts der starken Konkurrenz eine enorme Herausforderung.

Tietema bleibt optimistisch: „Wir greifen immer nach den Sternen. Und bisher haben wir immer geliefert.“ Mit Marcel Kittel an Bord, einer treuen YouTube-Community und einem innovativen Geschäftsmodell sind die Rockets bereit, den Radsport weiter aufzumischen.