Stahlbau-Kündigung beim Radsportzentrum Schwerin: Neues Unternehmen gesucht
Beim ambitionierten Radsportzentrum am Lambrechtsgrund in Schwerin hat sich ein schwerwiegendes Problem aufgetan. Die beauftragte Stahlbaufirma kann das erforderliche Tragwerk nicht fristgerecht liefern und montieren, weshalb Stadt und Betriebsgesellschaft die Reißleine gezogen haben. Der Vertrag wurde fristlos gekündigt, wie am Freitag bekannt wurde.
Optimismus wich der harten Realität
Noch im Dezember des Vorjahres verbreitete Wieland Schaible, Geschäftsführer der Lambrechtsgrund Betriebsgesellschaft, bei einem Baustellenbesuch Optimismus. „Wir sind bis jetzt gut im Zeitplan“, sagte er damals und verwies lediglich auf eine leichte Verzögerung bei der Stahllieferung. Nun steht fest, dass die beauftragte Firma ihre Verpflichtungen nicht erfüllen kann.
Vize-Oberbürgermeister Bernd Nottebaum (CDU) betonte, dass Stadt und Betriebsgesellschaft um Schadensbegrenzung bemüht seien. Aus rechtlichen Gründen seien weder die von der Stahlbaufirma angebotene einvernehmliche Vertragsauflösung noch die Hinnahme der angekündigten Bauzeitverzögerung und zusätzlichen Kosten möglich. In diesem Zusammenhang war von einem Mehraufwand in Höhe von fünf Millionen Euro die Rede.
Neue Ausschreibung und Zeitplan-Verschiebung
„Wir werden den Stahlbau neu ausschreiben“, bestätigte auch Wieland Schaible die Entscheidung. Der Chef der Betriebsgesellschaft hofft darauf, kurzfristig ein anderes Unternehmen zu finden, das die anspruchsvolle Aufgabe übernehmen kann. Klar sei jedoch, dass sich der bisherige Zeitplan nicht mehr halten lasse.
Ursprünglich sollte das Radsportzentrum bereits Ende dieses Jahres eröffnet werden. „Dieses Ziel war ambitioniert, vielleicht ein bisschen zu ambitioniert“, räumte Schaible ein. Die Arbeit mit 1000 Tonnen Stahl stelle beim Hallenprojekt eine besonders herausfordernde Aufgabe dar. Für realistisch hält der Geschäftsführer nun einen Abschluss der Bauarbeiten Mitte des kommenden Jahres, „wenn es gelingt, den Stahlbau schnell wieder zu vergeben“.
Teilfertigstellungen und Finanzierungssicherheit
Trotz der Verzögerungen sollen in diesem Jahr noch Fortschritte erzielt werden. Nach den Worten von Schaible wird das Erdgeschoss der Halle mit Büros und Funktionsräumen fertiggestellt. Zum Sommer werde zudem das vorübergehend als Parkplatz genutzte Stadion am Lambrechtsgrund wieder für den Sport zur Verfügung stehen. Der Parkplatz rund um das künftige Radsportzentrum könne voraussichtlich ab Herbst genutzt werden.
Das 25-Millionen-Euro-Projekt wird unter anderem mit 16,5 Millionen Euro vom Land Mecklenburg-Vorpommern gefördert. Vize-Oberbürgermeister Nottebaum kündigte an, „die Fortsetzung der Baumaßnahme nun umgehend auch mit dem Fördermittelgeber abzustimmen“. Bislang sei kein finanzieller Schaden entstanden, und er bleibe zuversichtlich, dass das Hallenprojekt trotz der Probleme erfolgreich abgeschlossen werden könne.
Einzigartiges Prestigeobjekt für Mecklenburg-Vorpommern
Die Radsporthalle, die auf Betonstelzen ruht und architektonisch an die Allianz-Arena in München erinnert, gilt als bedeutendes Prestigeobjekt. Geplant ist eine Konstruktion auf Stelzen, auf die vorgefertigte Stahlbinder gesetzt werden. Das Herzstück bildet eine 250-Meter-Bahn aus acht Jahre gelagerter Fichte, ergänzt durch eine Zwei-Feld-Falle, die durch ein Netz abgetrennt werden kann. Damit ist das Vorhaben einzigartig in Mecklenburg-Vorpommern und unterstreicht die sportliche Bedeutung der Region.
Die aktuellen Herausforderungen zeigen, dass auch bei sorgfältiger Planung unvorhergesehene Schwierigkeiten auftreten können. Die Verantwortlichen betonen jedoch ihre Entschlossenheit, das Projekt zum Erfolg zu führen und Schwerin als Standort für den Radsport weiter zu stärken.



