Alexander Zverev übt scharfe Kritik am deutschen Fördersystem
Der deutsche Tennisprofi Alexander Zverev, aktuell auf Platz drei der Weltrangliste, hat sich in München deutlich zu den Nachwuchssorgen im deutschen Tennis geäußert. Der 28-jährige Olympiasieger von 2021 sieht grundlegende Probleme im deutschen Fördersystem, die nicht nur den Tennissport betreffen.
Systematische Hindernisse für den Profisport
„Das System steht dem Profisport in Deutschland so ein bisschen im Weg“, erklärte Zverev zu Beginn des ATP-Turniers in München. Der Spitzensportler betonte, dass diese Problematik keineswegs auf Tennis beschränkt sei, sondern sich durch zahlreiche andere Sportarten ziehe. Als Beleg verwies er auf das historisch schwache Abschneiden Deutschlands bei den Olympischen Spielen 2024 in Paris.
„Das spricht dafür, dass irgendwas im sportlichen Bereich nicht funktioniert in Deutschland“, so Zverev weiter. Der Titelverteidiger bei den BMW Open präzisierte seine Kritik zwar nicht im Detail, machte jedoch deutlich, dass er strukturelle Veränderungen für notwendig hält.
Besorgniserregende Situation im deutschen Tennis
„Ich finde das sehr schade“, sagte Zverev mit Blick auf die aktuelle Nachwuchssituation. „Deutschland war immer ein sehr reiches Land, was Spieler angeht. Wir haben immer viele Top-50 und Top-100-Spieler gehabt. Das haben wir jetzt leider nicht mehr.“
Die Zahlen bestätigen Zverevs Einschätzung: Aktuell ist er der einzige deutsche Tennisspieler in den Top 50 der Weltrangliste. In den erweiterten Top 100 finden sich lediglich drei weitere Deutsche:
- Yannick Hanfmann auf Position 51
- Daniel Altmaier auf Rang 56
- Jan-Lennard Struff auf Platz 81
Besonders alarmierend ist die Situation im Damenteam, das im Billie Jean King Cup kürzlich in die internationale Drittklassigkeit abgestiegen ist.
Zverev startet mit Selbstvertrauen in München
Der topgesetzte Zverev beginnt sein Turnier in München am Dienstag mit einer Partie gegen den Serben Miomir Kecmanovic. Gegen diesen Gegner hatte Zverev in diesem Jahr beim Turnier in Acapulco überraschend im Achtelfinale verloren.
Trotz dieser Niederlage blickt Zverev auf eine starke erste Saisonphase zurück. Sowohl bei den Australian Open als auch bei den drei Masters-1000-Turnieren in Indian Wells, Miami und Monte-Carlo erreichte er jeweils das Halbfinale. Dreimal musste er sich dabei dem neuen Weltranglistenersten Jannik Sinner geschlagen geben.
„Ich bin nicht der Einzige, der gegen den verloren hat“, kommentierte Zverev diese Ergebnisse. Diese Tatsache stimme ihn positiv – besonders im Vergleich zum Vorjahr. „Im letzten Jahr habe ich noch gefühlt gegen jeden verloren. Das ist so schon angenehmer.“
Die BMW Open in München bieten Zverev nun die Gelegenheit, seine gute Form unter Beweis zu stellen und gleichzeitig auf die strukturellen Probleme im deutschen Tennissport aufmerksam zu machen.



