Tragödie im Tahoe-Nationalwald: Acht Tote nach Lawinenabgang
Was als dreitägiges Ski-Abenteuer in der kalifornischen Bergwelt begann, endete in einer Katastrophe: Ein massiver Lawinenabgang nahe Castle Peak im Tahoe-Nationalwald hat acht Menschen das Leben gekostet. Ein weiterer Skifahrer wird vermisst und gilt angesichts der Wucht des Abgangs und der extremen Wetterbedingungen als wahrscheinlich tot. Sechs Personen überlebten das verheerende Unglück, das sich am Dienstag gegen 11.30 Uhr Ortszeit ereignete.
Automatische Notsignale lösten Rettungseinsatz aus
Die Notrufzentrale erhielt ein automatisches Notsignal, das sowohl durch Lawinen-Verschüttetensuchgeräte als auch über eine Satelliten-SOS-Funktion ausgelöst wurde. Die Gruppe bestand aus vier Bergführern und elf Gästen, die sich auf dem Rückweg einer geführten Skitour zu den Frog-Lake-Hütten befanden. Plötzlich löste sich ein Schneebrett – eine schwere Neuschneelast auf einer instabilen Schneeschicht.
Überlebende berichteten, dass jemand noch „Lawine!“ rief, bevor die Gruppe von der Schneemasse erfasst wurde. Die Lawine war etwa so lang wie ein Footballfeld, also gut 100 Meter. In der Gruppe waren neun Frauen und sechs Männer unterwegs.
Extreme Bedingungen erschweren Bergungsarbeiten
Mehr als 50 speziell ausgebildete Kräfte, darunter viele Freiwillige, arbeiteten sich bei Sturm, Schneetreiben und zeitweise schlechter Sicht ins unwegsame Gelände vor. Eine Pistenraupe kam nur bis auf etwa drei Kilometer an die Unglücksstelle heran. Von dort aus mussten die Einsatzkräfte auf Skiern weiter. Erst gegen 17.30 Uhr erreichte das erste Team die Überlebenden.
Das Sheriffbüro stand mit ihnen über einen Notfall-Satelliten-Nachrichtendienst in Kontakt, über den Textnachrichten gesendet werden konnten. Die sechs Überlebenden hatten sich in einem Wald in Sicherheit gebracht. Sie litten unter Verletzungen und medizinischen Problemen, zwei von ihnen konnten nicht mehr gehen. Drei Tote hatten sie bereits selbst im Lawinenfeld ausgemacht, während sie auf Hilfe warteten.
Bergung bleibt riskant bei anhaltender Gefahr
Von den sechs Geretteten ist einer ein Bergführer. Die fünf anderen Überlebenden sind Gäste – drei Männer und zwei Frauen. Zwei Verletzte wurden ins Krankenhaus gebracht; ihre Verletzungen seien nicht lebensbedrohlich. Die Toten konnten bislang nicht geborgen werden, da das Gelände steil ist, die Gefahr weiterer Lawinen hoch bleibt und der Einsatz für die Rettungskräfte äußerst schwierig ist.
Die Behörden warnten eindringlich vor weiteren Ausflügen ins Gebirge. Inzwischen sei knapp ein Meter weiterer Schnee gefallen, was die Lawinengehalt weiter erhöht. „Die Natur nimmt keine Rücksicht – egal, wie erfahren oder gut vorbereitet man ist“, sagte Sheriff Shannan Moon.
Historisches Unglück in einer bekannten Touristenregion
Der Tahoe National Forest liegt an der Grenze zum US-Bundesstaat Nevada und beherbergt den bei Touristen beliebten Lake Tahoe. Der Lawinenabgang ereignete sich nordwestlich des Sees. Die Region hat in der Vergangenheit bereits schwere Lawinen erlebt, doch das letzte Ereignis dieser Größenordnung liegt Jahrzehnte zurück: Im März 1982 kamen bei einem Lawinenunglück in einem alpinen Skiresort im Lake-Tahoe-Gebiet sieben Menschen ums Leben; eine Frau überlebte, nachdem sie fünf Tage lang unter Schnee begraben war.
Dieses jüngste Unglück gilt als das verheerendste Lawinenunglück im US-Bundesstaat Kalifornien seit mehr als 40 Jahren. Die Bergungsteams begeben sich bei ihren Einsätzen in Lebensgefahr, während die Natur ihre unberechenbare Kraft demonstriert.



