Adam Ammour: Für Olympia-Medaille verschiebt Bob-Pilot den Ramadan
Die deutschen Bob-Helden dominieren die Saison und stehen bei Olympia im Zweier-Bob mit einem kompletten Medaillensatz auf dem Podest. Jetzt geht es um die Krone im Viererbob. Bob-Pilot Adam Ammour (24) verschiebt dafür sogar den Fastenmonat Ramadan, um seinen großen Traum von einer weiteren Olympia-Medaille zu verwirklichen.
Deutsche Dominanz im Bobsport
Die gesamte Saison über beherrschen Johannes Lochner (35), Francesco Friedrich (35) und Adam Ammour (24) den Weltcup und stehen regelmäßig auf dem Podest. Bei den Olympischen Spielen in Cortina d'Ampezzo gab es im Zweier-Bob bereits einen kompletten deutschen Medaillensatz. Die spannende Frage lautet nun: Wer holt sich im Viererbob die Goldmedaille? Die Läufe finden am Samstag und Sonntag jeweils um 10 Uhr statt.
„Natürlich sind die beiden extrem erfahren, wir sind alle das erste Mal bei Olympia. Aber wir werden alles geben, um sie zu ärgern. Das ist unser Anspruch“, erklärt Ammour kämpferisch. Der gebürtige Gießener startet mit seinem Bruder Issam (32), Alexander Schaller (23) und Joshua Tasche (30).
Religiöse Ausnahme für sportliche Höchstleistung
Ammour ist gläubiger Moslem und würde normalerweise am Mittwoch mit dem Fastenmonat Ramadan beginnen. Für die Olympischen Spiele holt er die Fastentage jedoch nach. Im Islam ist es unter bestimmten Umständen möglich, Fastentage zu einem späteren Zeitpunkt nachzuholen. Der Bob-Pilot benötigt für Höchstleistungen ausreichend Energie- und Flüssigkeitszufuhr.
„Die Bahn verzeiht aber keinen Fehler. Eine Unachtsamkeit und alles ist vermasselt“, betont Ammour. Wie seine Konkurrenten hat er die letzten beiden Trainingsfahrten ausgelassen: „Ausruhen und Kraft tanken ist gerade wichtiger.“
Erfolgreiche Saison und Teamgeist
In dieser Saison konnte Ammour zweimal triumphieren und holte den EM-Titel im Viererbob. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten, die zeitweise ins Trainingslager zurückkehrten, blieb er im Olympischen Dorf in Cortina d'Ampezzo. „Wir haben hier alles, was wir brauchen und die Eröffnungsfeier war unbeschreiblich schön.“
Unvergessen bleibt der Angler-Jubel seines Teams. „Das war eine Idee von einem Trainer. Wenn wir schon wie Angler aussehen, dann müssen wir das auch zeigen“, erzählt Ammour. Sein Anschieber Tasche legte sich auf den Boden, zuckte wie ein Fisch und wurde mit einer symbolischen Angel-Bewegung gezogen.
„Spaß muss sein“, sagt der für Eintracht Frankfurt startende Athlet, der sich nach seinem Bronze-Triumph über zahlreiche Glückwünsche aus der Bundesliga freute. „Das ist die Eintracht. Das ist schon außergewöhnlich, wenn die Fußball-Stars Bob schauen, mit einem jubeln und sich freuen. Wir sind eine große Familie.“
Familienunterstützung an der Bahn
Ammour hat neben Issam noch zwei weitere Brüder und könnte theoretisch einen kompletten Viererbob mit Familienmitgliedern stellen. „Nicht jeder ist für den Leistungssport geboren. Die sind aber alle mit meiner Schwester und unseren Eltern dabei an der Bahn“, erklärt er lachend. Sie alle werden an der Bahn sein, um eine mögliche zweite Medaille mit ihm zu feiern.
Die deutschen Bob-Helden bereiten sich nun auf die entscheidenden Viererbob-Wettkämpfe vor, bei denen Ammour und seine Crew zu den Medaillenfavoriten zählen. Die Kombination aus sportlichem Ehrgeiz, Teamgeist und flexibler Handhabung religiöser Praktiken macht diese Geschichte zu einem besonderen Olympia-Höhepunkt.



