Vor 59 Jahren: Reinhold Bachlers Weltrekordflug ebnete Österreichs Weg zur Skisprung-Großmacht
Bachlers Weltrekordflug: Österreichs Skisprung-Aufstieg begann vor 59 Jahren

Ein historischer Flug verändert das Skispringen für immer

Vor genau 59 Jahren, am 12. März 1967, vollbrachte der österreichische Skispringer Reinhold Bachler eine Leistung, die nicht nur seinen eigenen Namen in die Geschichtsbücher eintrug, sondern den gesamten Sport nachhaltig veränderte. Auf der Flugschanze im norwegischen Vikersund segelte er zu damals unglaublichen 154 Metern und stellte damit einen neuen Weltrekord auf, der als wegweisender Meilenstein für die Entwicklung des Skispringens gilt.

Die Voraussetzungen: Eine andere Ära des Skisports

Die Umstände, unter denen Bachler seinen legendären Sprung absolvierte, unterschieden sich fundamental von den heutigen Bedingungen. Seine Ausrüstung bestand aus schweren Holzskiern mit einem Gewicht von knapp elf Kilogramm – fast das Dreifache moderner Hightech-Sprungski. Von ausgefeilten Sicherheitsbindungen oder aerodynamisch optimierter Bekleidung war damals keine Spur. Was zählte, waren ausschließlich Mut, natürliches Talent und ein unbezwingbarer Wille zum Erfolg.

Die Vikersundbakken-Schanze selbst befand sich noch in ihrer frühen Entwicklungsphase. Erst 1964 hatte der örtliche Skiclub unter der Leitung von Ottar Grotterud beschlossen, die Anlage zu einer echten Flugschanze umzubauen. Mit einem Investitionsvolumen von 445.000 norwegischen Kronen entstand eine imposante Sportstätte, die am 13. März 1966 offiziell eingeweiht wurde. Knapp ein Jahr später sollte sie Schauplatz eines wahrhaft historischen Moments werden.

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Der Sprung in die Geschichte: 154 Meter Sensation

Als der damals 22-jährige Reinhold Bachler, gebürtig aus Eisenerz in der Steiermark, am Schanzentisch Anlauf nahm, spürte er bereits, dass etwas Außergewöhnliches bevorstand. Mit einer beeindruckenden Kombination aus technischem Können und intuitivem Gespür segelte er durch die norwegische Luft – weiter und weiter, bis er schließlich bei der damals unfassbaren Marke von 154 Metern landete und damit den bisherigen Rekord um sensationelle vier Meter übertraf.

„Als ich unten abgeschwungen und auf den Aufsprung zurückgeschaut habe, ist der Weitenmesser hinein gelaufen“, erinnerte sich Bachler Jahre später. „Er hatte einen Hut auf, den Hut hat er abgenommen und ihn genau dort aufgelegt, wo ich aufgesprungen bin. Dann haben sie nachgemessen, und so ist die Marke 154 Meter entstanden. Das war wirklich eine tolle Sache.“

Vom Bergmann zum Nationalhelden: Ein steiniger Weg

Bachlers Weg in den Profisport verlief alles andere als geradlinig. Der am 26. Dezember 1944 geborene Eisenerzer entdeckte seine Leidenschaft für das Skispringen eher zufällig, als er in einer Wochenschau den österreichischen Skispringer Josef „Bubi“ Bradl im Kino sah. Fasziniert begann er, zunächst kleine Schanzen zu bauen, die mit der Zeit immer größer wurden.

Nach seiner Lehrausbildung im Untertagebau am Erzberg arbeitete Bachler zunächst als Bergmann – eine Doppelbelastung aus körperlich anstrengender Arbeit und intensivem Training, die heute undenkbar wäre. „Erst nach meinen Erfolgen in den Jahren 1967 und 1968 war die Voest Alpine so großzügig und hat mir den Lohn weiterbezahlt, wenn ich freigestellt werden musste“, erklärte der Österreicher später.

Karrierehöhepunkte und nachhaltiger Einfluss

Der Weltrekordflug in Vikersund katapultierte Bachler endgültig in die internationale Skisprung-Elite. Während seiner 14-jährigen Karriere auf höchstem Niveau erreichte er bemerkenswerte Erfolge:

  • 60 Podestplatzierungen bei internationalen Wettbewerben
  • 21 Siege bei FIS-Wettbewerben
  • Olympische Silbermedaille 1968 in Grenoble (gleichzeitig Weltmeisterschaftssilber)

In den 1970er Jahren spielte Bachler unter Trainer Baldur Preiml eine tragende Rolle bei der Einführung innovativer Trainingsmethoden und Materialverbesserungen, die Österreichs Skispringer endgültig in die Weltspitze brachten. Als erfahrener Veteran ebnete er den Weg für die nächste Generation um Toni Innauer.

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Ein Vermächtnis, das bis heute fortwirkt

Obwohl Bachlers Weltrekord längst gebrochen wurde – der aktuelle Rekord liegt bei 254,5 Metern, aufgestellt vom Slowenen Domen Prevc in der Saison 2024/25 in Planica – bleibt sein Vermächtnis im österreichischen Skispringen unvergessen. Zu seinem 80. Geburtstag am 26. Dezember 2024 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft seiner Heimatstadt Eisenerz verliehen, eine späte Würdigung seiner Pionierleistung.

Nach seiner aktiven Karriere blieb Bachler dem Sport weiterhin verbunden. Von 1982 bis zu seiner Pensionierung im Jahr 2000 arbeitete er als Trainer im Nordischen Ausbildungszentrum in Eisenerz, das auf seine Initiative hin gegründet worden war. Gemeinsam mit Trainerlegende Gerhard Niederhammer führte er zahlreiche Nachwuchssportler an die Weltspitze und sicherte so die Kontinuität des österreichischen Skisprung-Erfolgs.

Reinhold Bachlers historischer Sprung vor 59 Jahren markiert nicht nur einen persönlichen Triumph, sondern den Beginn einer Ära, in der sich Österreich zur unbestrittenen Skisprung-Großmacht entwickelte. Seine Leistung steht symbolisch für den Übergang von einer Ära des Pioniergeistes zur modernen Professionalisierung des Sports.