Herzoperation beendet Giacomels Traum von der Kristallkugel
Der italienische Biathlet Tommaso Giacomel hat nach seiner dramatischen Aufgabe beim olympischen Massenstart eine Herzoperation hinter sich bringen müssen. Der italienische Wintersportverband FISI bestätigte am Dienstag, dass bei dem 25-Jährigen eine Ablation durchgeführt wurde, nachdem bei einer elektrophysiologischen Untersuchung eine Anomalie der elektrischen Leitfähigkeit in den Vorhöfen festgestellt worden war.
Gesundheitliche Probleme bei Olympia als Auslöser
Die gesundheitlichen Schwierigkeiten traten erstmals am vergangenen Freitag während des abschließenden olympischen Massenstarts zutage. Giacomel, der zu diesem Zeitpunkt in Führung lag, musste nach dem zweiten Schießen zunächst sein Tempo reduzieren und schließlich das Rennen komplett aufgeben. „Gleich nach dem zweiten Liegendschießen funktionierte mein Körper irgendwie nicht mehr richtig, und ich hatte große Schwierigkeiten zu atmen und mich zu bewegen, deshalb musste ich aufhören“, schrieb der Athlet später auf Instagram. Er bezeichnete es als „das schlimmste Gefühl, das ich bisher in meinem Leben erlebt habe“.
Folgen für die laufende Saison
Die nun notwendige Operation hat schwerwiegende Konsequenzen für Giacomels weitere Saisonplanung:
- Eine mindestens zweiwöchige Trainingspause ist verordnet worden
- Der Weltcup in Kontiolahti vom 5. bis 8. März wird sicher verpasst
- Alle Chancen auf den Gewinn der großen Kristallkugel im Gesamtweltcup sind damit hinfällig
- Ein vorzeitiges Saisonende erscheint wahrscheinlich, da der letzte Weltcup bereits vom 19. bis 22. März in Oslo am Holmenkollen stattfindet
Besonders bitter für den Italiener: Vor dem letzten Trimester lag er im Gesamtweltcup lediglich 37 Punkte hinter dem führenden Franzosen Eric Perrot. Bei den Olympischen Spielen selbst blieb Giacomel – abgesehen von der Silbermedaille mit der Mixed-Staffel – hinter den Erwartungen zurück.
Erfolgreicher Eingriff und positive Prognose
Der italienische Verband gab in seiner Mitteilung jedoch auch Entwarnung: Die durchgeführte Ablation sei vollkommen erfolgreich verlaufen. Bei diesem minimalinvasiven Eingriff werden gezielt jene Bereiche im Herzgewebe verödet, die für die Herzrhythmusstörungen verantwortlich sind. Die Methode gilt als etabliertes Verfahren mit guten Erfolgsaussichten.
Für Giacomel bedeutet dies jedoch eine ungewollte Zwangspause in einer Saison, die bis zu den Olympischen Spielen äußerst erfolgreich verlaufen war. Als Gesamtweltcupzweiter gehörte er zu den prägenden Figuren der internationalen Biathlon-Szene und galt als ernsthafter Anwärter auf den Gesamtsieg.
Die Biathlon-Gemeinschaft blickt nun mit Sorge auf die weitere Entwicklung. Während die medizinische Prognose nach der erfolgreichen Operation positiv ausfällt, bleibt die Frage, ob der 25-Jährige noch in dieser Saison zurückkehren kann oder ob seine Winterkampagne bereits vorzeitig beendet ist.



