Biathlon-Enttäuschung in Antholz: Deutsche Staffel verpasst Olympia-Medaille trotz Klopp-Unterstützung
Für die deutschen Biathleten bleibt bei den Olympischen Winterspielen in Antholz die erhoffte Medaille erneut aus. Auch in der Staffel reichte es trotz der motivierenden Anwesenheit von Edelfan Jürgen Klopp nicht für einen Platz auf dem Podest. Das Quartett aus Justus Strelow, David Zobel, Philipp Nawrath und Philipp Horn musste sich nach insgesamt zu schwachen Schießleistungen mit dem enttäuschenden vierten Rang zufriedengeben.
Packender Kampf mit bitterem Ausgang für DSV-Team
Während sich die französische Staffel nach einem äußerst spannenden Rennen erstmals zum Olympiasieger krönen konnte, waren die deutschen Skijäger anschließend erneut nur in der Rolle der Gratulanten. „Die Enttäuschung ist sehr groß“, gestand Schlussläufer Philipp Horn im ARD-Interview. „Tobi hat gestern eine Ansprache gemacht, es war die beste Traineransprache, die ich bisher gehabt habe. Wir sind da rausgegangen und waren der festen Überzeugung, wir rocken das Ding hier heute.“
Nach insgesamt zwölf Nachladern kamen die Deutschen mit einem Rückstand von 1:48,3 Minuten auf Frankreich ins Ziel. Klopp hatte am Schießstand intensiv mitgefiebert, ehe er die Schlussrunde mit der traditionellen Glocke einleitete. Silber sicherte sich Norwegen, Bronze ging an Schweden.
Vorentscheidung fällt beim sechsten Schießen
Die entscheidende Wende im Rennen vollzog sich beim sechsten Schießen. Philipp Nawrath war mit einem Rückstand von 32 Sekunden als Sechster auf die Jagd nach dem Spitzentrio mit Frankreich, Finnland und Schweden gegangen. Im wohl vorentscheidenden Moment zeigte der 33-jährige Allgäuer im Stehendschießen jedoch Nerven: „Ich war im Zugzwang und habe versucht, die Lücke nach vorn zu schließen“, erklärte Nawrath. „Die letzte Runde kam der Mann mit dem Hammer und die drei Nachlader waren auch nicht förderlich.“
Weil die Konkurrenz vorn keine weiteren Fehler mehr machte, konnte der ebenfalls nicht fehlerfrei schießende Schlussläufer Horn nichts mehr gegen die nächste Enttäuschung ausrichten.
Starker Auftakt verpufft
Dabei hatte Startläufer Justus Strelow das Rennen für Deutschland äußerst vielversprechend begonnen. Nach schnellen fünf Liegendtreffern ging er in Führung und behielt diese Position bis zum zweiten Schießen. Doch im Stehendschießen benötigte der 29-Jährige zwei Nachlader, sodass er in einer größeren Gruppe hinter dem führenden Norweger Martin Uldal in seine Schlussrunde ging. „Der erste Nachlader war ärgerlich, aber wir hatten überragendes Material“, kommentierte Strelow seine Leistung.
David Zobel, der sich erst mit guten Leistungen im Saisonverlauf seine Olympia-Teilnahme gesichert hatte, blieb zunächst fehlerfrei im ersten Anschlag. Beim zweiten Schießen geriet der 29-Jährige jedoch ins Straucheln: Mit Mühe und Not vermied er mit drei Nachladern gerade so die Strafrunde. „Auf so was bereitet einen niemand vor“, gestand Zobel. „Bei den Nachladern habe ich alles gedacht, was man nicht denken soll. Ich habe gekämpft und hatte Glück.“
Historische Medaillenflaute setzt sich fort
Bereits vor vier Jahren bei den Olympischen Spielen in Peking hatte es für Deutschland auf dem vierten Platz keine Staffelmedaille gegeben. 2018 in Pyeongchang reichte es zu Bronze, 2014 im russischen Sotschi gab es nach der späten Disqualifikation Russlands sogar Gold. Schon in den vorangegangenen drei Einzelrennen hatte es für die Schützlinge von Bundestrainer Tobias Reiter in Antholz nicht für das Podest gereicht, lediglich zum Auftakt in der Mixed-Staffel gab es Bronze.
Die letzte Medaillenchance für die deutschen Biathleten in Südtirol bietet sich Philipp Nawrath und seinen Teamkollegen am Freitag im Massenstart.
Frauenstaffel mit neuer Aufstellung
Am Mittwoch kämpft die deutsche Frauenstaffel um die erhoffte nächste Medaille. Nach ihren gehäuften Problemen beim letzten Schießen ist Franziska Preuß dabei überraschend nicht mehr als Schlussläuferin im Einsatz. Die 31-Jährige läuft bereits an Position zwei an und will gemeinsam mit Julia Tannheimer, Janina Hettich-Walz und der neuen Schlussläuferin Vanessa Voigt über 4 x 6 Kilometer überzeugen. In bislang drei Einzelrennen waren auch die Frauen leer ausgegangen.



