Deutsche Langlauf-Staffel verpasst Olympia-Medaille nach turbulentem Rennen
Die deutschen Skilangläuferinnen haben bei den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina die erhoffte Medaille in der 4x7,5-Kilometer-Staffel verfehlt. In einem von Stürzen geprägten Rennen belegte das Quartett mit Laura Gimmler, Katharina Hennig Dotzler, Helen Hoffmann und Pia Fink am Ende den vierten Platz. Vier Jahre nach dem Silbererfolg von Peking reichte es diesmal nicht für einen Platz auf dem Podest.
Sturz-Festival unter schwierigen Bedingungen
Das Rennen in Val di Fiemme entwickelte sich unter regnerischen Bedingungen zu einem wahren Sturz-Festival. Startläuferin Laura Gimmler aus Oberstdorf musste am letzten langen Abstieg abreißen lassen und fiel dadurch weit zurück. Sie übergab den Staffelstab nur auf Platz zehn, was die deutsche Mannschaft früh in Rückstand brachte. "Die Bedingungen waren echt kriminell, wir sind hier schließlich immer noch bei Olympia. Immerhin war es für alle gleich", kommentierte Peking-Olympiasiegerin Katharina Hennig Dotzler die schwierigen Verhältnisse.
Obwohl die deutsche Mannschaft im Gegensatz zu vielen anderen Nationen ohne schweren Crash blieb, war der Rückstand nach dem ersten Wechsel bereits zu groß. Norwegen sicherte sich mit Schlussläuferin Heidi Weng den deutlichen Sieg, die mit 34 Jahren nach fünf WM-Titeln erstmals Olympia-Gold gewann. Die hochfavorisierten Schwedinnen erlebten ein Drama: Dreifach-Weltmeisterin Ebba Andersson stürzte auf dem zweiten Abschnitt gleich zweimal, verlor einen Ski und viel Zeit. Angeführt von Star-Läuferin Frida Karlsson kämpfte sich Schweden dennoch von Platz acht bis auf den Silberrang vor.
Aufholjagd reicht nicht für Podestplatz
Nach dem schwachen Start versuchten Hennig Dotzler, Helen Hoffmann aus Oberhof und Pia Fink aus Bremelau alles, um den Rückstand aufzuholen. Pia Fink als Schlussläuferin kam Finnlands Jasmi Jönsuu zwar nahe, konnte die Bronzemedaille aber nicht mehr erreichen. Deutschland lag am Ende 1:36,0 Minuten hinter den siegreichen Norwegerinnen zurück, die 50,9 Sekunden Vorsprung auf Schweden hatten. Bronze ging an Finnland mit 1:14,7 Minuten Rückstand.
Die deutsche Langlauf-Tradition bei Olympischen Spielen wurde damit vorläufig unterbrochen. Seit 2002 hatten die deutschen Frauen mit Ausnahme von 2018 stets eine Medaille in der Staffel gewonnen. Der sensationelle Olympiasieg 2002 mit Evi Sachenbacher-Stehle und Claudia Nystad bleibt damit vorerst der Höhepunkt. 2022 in Peking hatte das deutsche Quartett noch Silber geholt, damals mit Katherine Sauerbrey und Hennig Dotzler auf den Klassik-Strecken sowie Sofie Krehl und der derzeit wegen eines positiven Dopingtests suspendierten Victoria Carl im Freistil.
Ausblick auf die Männer-Staffel
Am kommenden Sonntag steht nun das Staffelrennen der Männer auf dem Programm. Das deutsche Quartett besitzt nach Einschätzung von Experten allerdings nur geringe Medaillenchancen. Die Übertragung beginnt um 12:00 Uhr bei ARD und ZDF. Die deutschen Langläuferinnen müssen sich nun auf die Einzelwettbewerbe konzentrieren, um doch noch Olympia-Edelmetall zu gewinnen.
Das Rennen in Val di Fiemme zeigte einmal mehr, wie unberechenbar Langlauf-Wettbewerbe unter schwierigen Wetterbedingungen sein können. Während Norwegen seine Favoritenrolle souverän bestätigte, mussten andere Nationen mit unerwarteten Rückschlägen kämpfen. Für das deutsche Team bleibt die Erkenntnis, dass trotz einer bemerkenswerten Aufholjagd der frühe Rückstand nach Gimmler's Sturz nicht mehr aufzuholen war.



