Freestyle-Star Eileen Gu übt scharfe Kritik an Ski-Weltverband FIS
Die chinesische Freestyle-Superstar Eileen Gu hat den Ski-Weltverband (FIS) für eine gravierende Terminüberschneidung bei den Olympischen Winterspielen in Livigno scharf kritisiert. Die 22-jährige Athletin monierte auf ihrem Instagram-Kanal, dass das Big-Air-Finale am Montagabend um 19.30 Uhr zeitgleich mit einem offiziellen Halfpipe-Training angesetzt worden sei.
Trainingsausfall und abgelehnte Alternativvorschläge
Durch diese Terminüberschneidung fehle ihr eine komplette Trainingseinheit für die Halfpipe-Disziplin, was ihre Wettkampfvorbereitung erheblich beeinträchtige. Gu hatte laut eigener Aussage um "faire Optionen" gebeten, darunter die Teilnahme an einem Training mit den Snowboardern oder eine zusätzliche Stunde individuelles Training. Diese konstruktiven Vorschläge seien von der FIS jedoch kategorisch abgelehnt worden.
"Der Mut, als einzige Frau an drei Wettbewerben teilzunehmen, sollte nicht bestraft werden", schrieb die Athletin in ihrer emotionalen Stellungnahme. Sie betonte, dass das Erreichen eines Finals in einer Disziplin nicht zu einem Nachteil in einem anderen Wettbewerb führen dürfe.
FIS verteidigt Planung als "manchmal unvermeidbar"
FIS-Kommunikationsdirektor Bruno Sassi erklärte gegenüber "The Athletic" in einer offiziellen Stellungnahme: "Es wurden alle Anstrengungen unternommen, um den Athleten bei den zahlreichen FIS-Veranstaltungen einen bestmöglichen Trainings- und Wettkampfplan zu ermöglichen. Wie wir jedoch bei diesen Spielen bereits gesehen haben, können Konflikte für Athleten, die in mehreren Disziplinen und/oder mehreren Wettbewerben antreten, manchmal unvermeidbar sein."
Gu wies diese Argumentation entschieden zurück und betonte, dass sie die einzige Athletin im Halfpipe-Feld sei, die zusätzlich in einer weiteren Disziplin starte. "Keine andere Frau im Halfpipe-Bereich nimmt an einer anderen Disziplin teil, und das aus gutem Grund, denn Halfpipe unterscheidet sich von Slopestyle und Big Air und erfordert entsprechend eigene Trainingszeiten", erklärte sie.
Besondere Situation der Mehrfachstarterin
Die harte Haltung der FIS sei ihrer Ansicht nach ein "völlig vermeidbares Problem", das die besondere Situation von Athleten, die in mehreren Disziplinen antreten, nicht angemessen berücksichtige. Trotz der kontroversen Diskussion und der fehlenden Trainingsmöglichkeit betonte Gu, dass sie dennoch ihr Bestes geben werde.
Bislang konnte die Ausnahmeathletin in Italien bereits Silber im Slopestyle gewinnen und gilt im Big Air weiterhin als eine der Top-Medaillenkandidatinnen. Ihre Kritik wirft grundsätzliche Fragen zur Planung von Großveranstaltungen und der Berücksichtigung von Mehrfachstartern auf.



