Alpiner Weltcup: Krönt Emma Aicher ihr Wintermärchen mit der Kristallkugel?
Für Emma Aicher geht es im alpinen Skisport weiterhin Schlag auf Schlag. Nachdem die 22-jährige deutsche Skirennfahrerin bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo gleich zwei Silbermedaillen gewonnen hat, könnte sie nun im Saisonfinale noch einen weiteren großen Erfolg feiern. Im Abfahrts-Weltcup hat Aicher die Chance, den Gesamtsieg zu erringen und damit die begehrte Kristallkugel zu gewinnen.
Vonn zum Zuschauen gezwungen – Aichers große Chance
Derzeit liegt Emma Aicher im Abfahrts-Weltcup mit 144 Punkten hinter der führenden Lindsey Vonn. Doch die amerikanische Skistars kann nach ihrem schweren Sturz bei den Olympischen Spielen in Norditalien nicht mehr in den Kampf um die Kristallkugel eingreifen. Die dabei erlittene Beinverletzung zwingt Vonn zur Pause, was Aichers Chancen auf den Gesamtsieg deutlich erhöht.
„Ich bin es ja gewohnt, so viele Rennen zu fahren“, sagte Aicher nach ihrem Olympia-Abenteuer. „Ich fühle mich immer noch gut.“ Keine Spur von Müdigkeit ist bei der jungen Athletin zu erkennen, die sich nach den Spielen nur eine kurze Verschnaufpause am Meer in Barcelona gönnte, bevor es zurück auf die Piste ging.
Magische Momente in den Dolomiten
Bei den Olympischen Spielen ist Emma Aichers Stern endgültig aufgegangen. Fünf Jahre nach ihrem WM-Debüt in Cortina d'Ampezzo kehrte sie an denselben Ort zurück und überzeugte die Skiwelt mit herausragenden Leistungen. Neben den beiden Silbermedaillen in der Abfahrt und der Team-Kombination erreichte sie im Slalom einen weiteren Top-Ten-Platz.
„Ich glaube, ich kann mit den zwei Wochen sehr zufrieden sein“, sagte Aicher in ihrer gewohnt abgeklärten Art. „Zwei Medaillen hätte ich vorher sofort unterschrieben.“ Ihre Auftritte in den Dolomiten weckten Erinnerungen an die großen Zeiten des deutschen Skisports.
„Emma ist anders“ – DSV-Alpinchef voll des Lobes
Der Deutsche Skiverband (DSV) scheint mit Emma Aicher wieder eine Athletin gefunden zu haben, die langfristig in der Weltspitze mitmischen kann. „Emma ist anders“, sagte DSV-Alpinchef Andreas Ertl, als er nach Vergleichen mit früheren deutschen Ski-Stars gefragt wurde.
„Die Vielseitigkeit haben schon mehrere gehabt“, erklärte der 50-Jährige und nannte Namen wie Hilde Gerg, Martina Ertl oder Katja Seizinger. „Aber wie sie die Dinge angeht, das macht Aicher schon einzigartig. Diese Lockerheit, dieses Skigefühl.“ Ertl hofft, dass sich Aichers Olympia-Erfolge auch positiv auf den Skisport-Nachwuchs auswirken werden.
Auf den Spuren der deutschen Ski-Legenden
Die letzte deutsche Skirennfahrerin, die den Gesamtweltcup gewinnen konnte, war Maria Höfl-Riesch im Jahr 2011. Im Abfahrts-Weltcup setzte sie sich 2014 an die Spitze. Seit Viktoria Rebensburg, die in der Saison 2017/2018 beste Riesenslalomfahrerin war, hat keine deutsche Athletin mehr eine Kristallkugel gewonnen.
Emma Aicher könnte nun diese Tradition fortsetzen. Während sich Lindsey Vonn in ihrer Heimat von den Olympia-Strapazen erholt, will Deutschlands neuer Silber-Star den Schwung von den Spielen mitnehmen und im Weltcup für weiteren Glanz sorgen. In Soldeu in Andorra stehen ab Freitag eine Abfahrt und zwei Super-G-Rennen an, bei denen Aicher wichtige Punkte für den Gesamtsieg sammeln kann.
Mit bereits vier Weltcup-Siegen in ihrer Karriere und mehr als 100.000 Followern auf Instagram hat Aicher nicht nur sportlich, sondern auch medial und kommerziell an Bedeutung gewonnen. Ihre famosen Fahrten in den Dolomiten dürften ihr zusätzliche Sponsoren und finanzielle Einnahmen bringen. Bleibt sie von schweren Verletzungen verschont, ist der jungen Deutschen in den kommenden Jahren alles zuzutrauen.



