Finn Sonnekalb: Deutschlands neues Eisschnelllauf-Wunderkind peilt Olympia-Medaille an
Nach einer langen Durststrecke hat Deutschland mit Finn Sonnekalb einen neuen Hoffnungsträger im Eisschnelllauf gefunden. Der erst 18-jährige Athlet schlägt in der Weltcup-Saison sofort ein und sichert sich beeindruckende Rekorde. Nun richtet er sein Ziel klar auf eine Medaille bei den Olympischen Spielen 2026 in Mailand.
Vom Junioren-Triple zur Olympia-Hoffnung
Das große Talent des jungen Deutschen war bereits länger offensichtlich, doch dass er nur zwei Jahre nach seinem Gold-Triple bei den Olympischen Jugendspielen in Gangwon, Südkorea, auch zu den ernsthaften Kandidaten für eine Medaille bei den „Großen“ Olympischen Spielen zählt, hat wohl selbst Sonnekalb überrascht. Ursprünglich war für ihn in dieser Saison kein Start bei den Erwachsenen-Wettkämpfen geplant, doch seine Dominanz im Juniorenbereich machte einen Wechsel unumgänglich.
„Da haben wir ganz schnell gemerkt, dass ich dort keine richtige Konkurrenz mehr habe“, erklärt Sonnekalb in einem exklusiven Interview. „Also habe ich dieses Jahr zu den Erwachsenen hochgeschnüffelt, und das lief erstaunlich gut.“
Weltcup-Erfolge und Rekorde
Der Deutsche Meistertitel im Oktober 2025 war dabei nur der Anfang. Gleich zu Saisonbeginn sprang Sonnekalb in Salt Lake City über 1.500 Meter mit Rang drei erstmals aufs Podest bei den Erwachsenen und beendete damit eine 24 Jahre andauernde deutsche Durststrecke über diese Distanz. Nebenbei verbesserte er den deutschen Rekord um über zwei Sekunden und stellte einen neuen Junioren-Weltrekord auf.
Weitere Podiumsplätze in Calgary und Heerenveen folgten und bescherten ihm schließlich das begehrte Olympia-Ticket. „Olympische Spiele sind für jeden Sportler das absolute Highlight. Das schaffen nicht viele“, sagt Sonnekalb, der bereits bei den Sommerspielen in Paris 2024 als Fackelträger olympische Luft schnuppern konnte.
Medaillenambitionen und Erwartungen
Nun wird der Youngster in Mailand selbst an der Startlinie stehen – und das mit großen Ambitionen. Auf die Frage nach seinen Zielen antwortet er klar: „Natürlich peile ich eine Medaille an. Wäre auch doof, wenn ich nur für die Teilnahme hinfahren würde. Ich erhoffe mir eine Platzierung weit oben.“
Diese Hoffnung teilen viele deutsche Eisschnelllauf-Fans, die sich nach den glorreichen Zeiten von Stars wie Gunda Niemann-Stirnemann, Claudia Pechstein und Anni Friesinger-Postma sehnen. Den letzten Podiumserfolg eines deutschen Herren bei Olympia gab es 2002 durch Jens Bode. Sonnekalb will diese Flaute nun beenden, lässt sich aber von außen „keinen Druck machen“.
Training und Leidenschaften
Im Winter bleibt für Hobbys wenig Zeit. Wenn keine Wettkämpfe anstehen, trainiert Sonnekalb „eigentlich jeden Tag zwei Mal“. Seine größte Motivation sind aktuell die anstehenden Olympia-Wettkämpfe. Um abzuschalten, zockt er ab und zu oder schwingt sich aufs Fahrrad – eine Leidenschaft, die ihn seit Kindheitstagen begleitet. „Als ich ein Jahr alt war, sind wir mit dem Fahrrad durch Skandinavien gefahren, und mit sechs Jahren komplett durch Europa“, erzählt er.
Showman auf der großen Bühne
Die Olympia-Bühne scheint wie gemacht für den selbsternannten „kleinen Showmensch“ Sonnekalb. In der Weltcupwertung über seine Paradedisziplin 1.500 Meter liegt er aktuell auf Rang vier. Zudem fehlt mit dem Niederländer Kjeld Nuis ein großer Konkurrent bei Olympia. Eine Medaille wäre die Belohnung für jahrelange harte Arbeit und Verzicht. „Ich habe von Anfang an auf vieles verzichtet, auch aufs Feierngehen“, sagt Sonnekalb.
Sollte er in Mailand erfolgreich sein, könnte sich das ändern. Falls nicht, bleibt ihm die nüchterne Analyse: „Dann muss man sich zwei Tage in die Eistonne legen und gucken, woran es gelegen hat.“ Dass ein Bad in der Eistonne später zu großen Titeln führen kann, wissen wir in Deutschland spätestens seit dem Fußball-WM-Titel 2014.



