Goldener Triumph in Cortina: Anna-Lena Forster siegt bei den Paralympics
Bei den Paralympics in Cortina d'Ampezzo hat die deutsche Monoski-Fahrerin Anna-Lena Forster einen beeindruckenden Erfolg gefeiert. Die 30-Jährige, die bereits im Februar den Gesamtweltcup gewann, holte auf der legendären Tofana-Piste Gold in der Abfahrt. Mit nur 0,05 Sekunden Vorsprung vor der spanischen Konkurrentin Pascual Seco Audrey sicherte sich Forster den Sieg und demonstrierte einmal mehr ihre herausragende Klasse.
Emotionale Momente und familiäre Unterstützung
Im Interview mit BILD zeigte sich Forster überglücklich über ihren ersten europäischen Paralympics-Sieg. „Das kann ich kaum in Worte fassen“, sagte die Athletin. Besonders bewegend war für sie die Anwesenheit von Familienmitgliedern, Freunden und Fans vor Ort. „Das gibt mir extrem viel Kraft“, betonte Forster, die zuvor bei Paralympics in anderen Teilen der Welt angetreten war.
Der Weg zum Monoski: Von anfänglicher Skepsis zur Freiheit
Anna-Lena Forster kam mit einer Behinderung zur Welt: Auf der rechten Seite hat sie einen kurzen Beinstumpf, links einen stark verkürzten Oberschenkel. Mit sechs Jahren setzten ihre Eltern sie erstmals auf einen Monoski. „Die Begeisterung hielt sich anfangs stark in Grenzen, weil ich das alles so umständlich fand“, erinnerte sich Forster. Doch bald entdeckte sie die Freiheit, die ihr der Monoski in den Bergen bot. „Beim Skifahren bin ich einfach nicht limitiert“, erklärte die Sportlerin, die von ihren Eltern nie in Watte gepackt wurde.
Technische Unterstützung und olympische Ambitionen
Forsters Monoski wird vom Berliner Forschungsinstitut FES hergestellt, mit dem sie seit drei Jahren zusammenarbeitet. „Sie haben nicht nur in diesem Winter enorm viel Arbeitszeit in meinen Monoski gesteckt“, berichtete die Athletin. Im Herbst waren sogar mehrere Mitarbeiter in Saas-Fee, um an ihrem Sportgerät zu arbeiten. Als Gesamtweltcup-Siegerin könnte Forster theoretisch bei den Paralympics fünfmal Gold holen.
Herausforderungen des Para-Sports und politische Dimensionen
Forster äußerte sich auch zur öffentlichen Wahrnehmung des Para-Sports. „Klar würde ich mir das anders wünschen“, sagte sie über die mangelnde Aufmerksamkeit außerhalb der Paralympics. Die Rückkehr russischer Athleten unter ihrer Flagge bewertete sie als schwieriges Thema. „Es hat einen faden Beigeschmack, weil man Sport und Politik nicht trennen kann“, so Forster, die betonte, dass das Kriegsthema im Wettkampfumfeld ausgeklammert werde.
Botschafterin für Inklusion und Vorbildfunktion
Anna-Lena Forster setzt sich für einen normalen Umgang zwischen behinderten und nicht behinderten Menschen ein. „Ich habe nicht selten das Gefühl, dass gerade Erwachsene nicht genau wissen, wie sie auf mich zugehen sollen“, erklärte sie. Unter Kindern sei es einfacher, Barrieren abzubauen. Als Botschafterin für den Para-Sport sieht sie sich in einer natürlichen Rolle. „Wenn andere Menschen aus meinen Leistungen Kraft für ihr Leben schöpfen, dann ist das für mich toll“, sagte Forster, die hofft, dass ihre Erfolge andere motivieren.



