Mit Werkzeugkoffer und Favoritenlast: Forster will Paralympics in Cortina genießen
Voller Vorfreude blickt Anna-Lena Forster auf ihre vierten Winter-Paralympics in Cortina d'Ampezzo. Die 30-jährige alpine Skirennfahrerin wurde zum zweiten Mal als deutsche Fahnenträgerin ausgewählt und berichtet über ihre besondere Vorbereitung und die ersten Eindrücke vom Athletendorf.
Campingplatz-Atmosphäre im Athletendorf
Anna-Lena Forster hat sich bereits auf dem sogenannten „Campingplatz“ in Cortina d'Ampezzo eingelebt. Einen Tag vor dem Start in ihre Paralympics mit der Abfahrtentscheidung genoss die viermalige Paralympicssiegerin noch einen trainingsfreien Tag. „Es ist ein bisschen wie auf dem Campingplatz mit den Mobile Homes, in denen wir wohnen. Aber es funktioniert alles reibungslos“, berichtete die Sportlerin. Die Eröffnungsfeier der 14. Winter-Paralympics am Abend wollte sie im Deutschen Haus verbringen – allerdings nur vor dem Fernseher.
Fahnenträgerin vor dem Bildschirm
Zum zweiten Mal nach Peking 2022 wurde Forster für die Aufgabe als Fahnenträgerin ausgewählt, doch zum ersten Mal nimmt sie nicht persönlich an der Auftaktshow teil. Wie alle Nationen schickt auch das deutsche Team wegen der weiten Wege und der Wettkämpfe am Samstag keine Sportler ins Amphitheater von Verona. So wird Forster schweren Herzens vor dem Fernseher miterleben, wie sie und ihr Co-Fahnenträger Jörg Wedde aus der Para-Eishockey-Mannschaft nur in einem eingespielten Video die Fahne schwenken.
Herausforderungen durch Tauwetter
Seit dem 1. März ist das Alpin-Team bereits in Cortina. Die Zeit nutzte Anna-Lena Forster, um die Strecken auf der Tofana-Piste kennenzulernen und ihren Monoski auf die Verhältnisse abzustimmen. Sorgen bereitet ihr allerdings das Tauwetter in den Dolomiten, wodurch das Training immer früh am Morgen stattfand. „Ich bin gespannt, wie sich die Piste entwickelt. Man hat von dem einen auf den anderen Tag beim Abfahrtstraining gemerkt, dass die Piste gelitten hat und es schlagig wurde. Ich glaube, es wird gehen, aber es ist schon grenzwertig mit den Temperaturen“, urteilte sie.
Vorfreude und Erwartungen
Trotz der Herausforderungen fühlt sich Forster bestens vorbereitet und strahlt Vorfreude aus. „Ich möchte Spaß haben und genießen, aber auch zeigen, was ich kann“, beschrieb sie das Gefühl. „Andererseits weiß ich natürlich auch um die Erwartungen, dass ich als Topfavoritin gehandelt werde“, gab sie zu. Die Gesamtweltcup-Siegerin hat sich während der Olympischen Spiele auch die alpinen Frauenrennen im Fernsehen angeschaut, um sich Details abzugucken.
Technische Optimierungen am Monoski
Erstmals gemeinsam mit der Forschungs- und Entwicklungsstelle für Sportgeräte (FES) wurde an ihrer eng anliegenden Carbon-Sitzschale für die beste Position getüftelt. Außerdem fährt sie nun mit einem verbesserten Dämpfungssystem. Durch den Rennsport-Dämpfer werde „die Kraft präzise auf den Ski“ gebracht, wie die FES mitteilte. Für Anna-Lena Forster ist das ein nicht zu unterschätzender Fortschritt.
Werkzeugkoffer als ständiger Begleiter
Wegen der ausgefeilten Technik an ihrem Renngerät gehört auch immer ein Werkzeugkoffer zu ihrem Reisegepäck. „Werkzeug und Ersatzteile – deswegen ist mein Skischuh-Rucksack auch immer so schwer. Man muss immer auf alles vorbereitet sein. Und meistens, wenn etwas kaputtgeht, hat man genau das Teil dann doch nicht dabei“, erzählte sie lachend. Weil nicht immer ein Mechaniker bei den Wettkämpfen dabei ist, muss sie auch selbst zu Inbus oder Schraubenzieher greifen.
„Gerade das Feder-Dämpfer-System habe ich in dieser Saison sehr gut kennengelernt. Ich habe mich damit vertraut gemacht und weiß jetzt auch, wo ich was drehen muss, damit ich eine Verbesserung bekomme“, sagte Forster. Mit dieser Vorbereitung und ihrer positiven Einstellung will sie die Paralympics in Cortina d'Ampezzo in vollen Zügen genießen und gleichzeitig ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis stellen.



