Frauen rodeln schneller als Männer: Olympiasieger erklärt überraschendes Phänomen
Frauen rodeln schneller als Männer: Olympiasieger erklärt

Frauen rodeln schneller als Männer: Olympiasieger erklärt überraschendes Phänomen

Ein überraschendes Phänomen im Rennrodelsport: Frauen sind auf der Bahn tatsächlich schneller unterwegs als ihre männlichen Kollegen. Dies bestätigte jetzt Olympiasieger Max Langenhan (26) im exklusiven Interview mit BILD. Der deutsche Spitzenrodler, der sich bei den Winterspielen in Cortina mit vier Traumläufen und viermal Bahnrekord die Goldmedaille sicherte, erklärte die physikalischen Hintergründe dieses unerwarteten Leistungsunterschieds.

Aerodynamik schlägt Gewichtsvorteil

Langenhan vergleicht die Unterschiede anschaulich: „Ich bin ein Bus und Julia ein Sportwagen.“ Gemeint ist seine Teamkollegin Julia Taubitz (29), die nach zwei von vier Läufen in Führung liegt und heute Abend ebenfalls um olympisches Gold für Deutschland kämpfen könnte. Der Gewichtsunterschied zwischen den Geschlechtern wirkt sich anders aus als zunächst vermutet. „Ich bin zwar schwerer, aber habe dadurch auch mehr Luftwiderstand“, so Langenhan. „Da kippt das Verhältnis: Aerodynamik übertrumpft den Vorteil der Hangabtriebskraft.“

Der Olympiasieger gibt unumwunden zu, dass er auf bestimmten Bahnen gegen Taubitz chancenlos ist: „In St. Moritz habe ich zum Beispiel gar keine Chance gegen sie. Da muss ich bis zur Mitte der Bahn eine Sekunde herausfahren, brauche einen guten Start, weil ich unten so eine Dresche von Julia kriege. Sie ist da vier, fünf Stundenkilometer schneller.“

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Frauenstart mit psychologischem Vorteil

Interessanterweise starten die Männer in der Regel von einer höheren Position auf der Bahn, was den Geschwindigkeitsvorteil der Frauen ausgleichen soll. Langenhan bestätigt: „Daher bin ich froh, dass wir vom höheren Herren-Start losfahren, dann fällt das nicht auf, dass die Frauen schneller fahren können als wir.“ Tatsächlich ist die Strecke bei den Frauen meist einige Kurven kürzer gestaltet.

Julia Taubitz ergänzt, dass auch der psychologische Aspekt eine Rolle spielt: „Die Männer riskieren auch noch mehr.“ Die erfahrene Rodlerin erklärt weiter: „Wenn du einmal vom Herren-Start losgefahren bist, dann gehst du ganz anders heran. Dann hast du die Respektschwelle schon einmal übersprungen. Daher tut es gut.“ Die Athleten nutzen gelegentlich den höheren Start auch im Training, besonders wenn die Bahn im Laufe der Wettkampftage langsamer wird.

Teamkollegen mit unterschiedlichen Stärken

Das Duo bildet ein erfolgreiches Team mit komplementären Eigenschaften. Langenhan beschreibt den direkten Vergleich: „Erst einmal wiege ich natürlich mehr. Das verändert die Dynamik des Schlittens. Jule könnte ja mal mit meinem Schlitten fahren. Da kann sie allerdings den Kopf ablegen, weil der so lang ist.“ Die unterschiedlichen physischen Voraussetzungen führen zu spezifischen Stärken auf verschiedenen Bahntypen.

Beide Athleten haben bei der WM in Whistler 2025 bereits im Mixed-Einzel bewiesen, dass sie zu den weltbesten Rodlern gehören. Während Langenhan seine olympische Goldmedaille bereits sicher hat, könnte Taubitz heute Abend ab 17 Uhr für das nächste Rodel-Gold für Deutschland sorgen. Die physikalischen Gesetze scheinen dabei auf ihrer Seite zu sein, wie die überraschende Erkenntnis der höheren Frauengeschwindigkeiten beweist.

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