Deutsche Kombinierer erleben Olympia-Enttäuschung in Predazzo
Vor den Augen von IOC-Präsidentin Kirsty Coventry mussten die deutschen Kombinierer bei den Winterspielen von Mailand und Cortina eine herbe Niederlage einstecken. Der zweifache Olympiasieger Vinzenz Geiger verpasste im Einzelwettbewerb von der Normalschanze deutlich eine Medaille und landete lediglich auf Rang zehn.
Oftebro setzt sich im packenden Finale durch
Während Geiger in der entscheidenden Schlussrunde die Luft ausging, feierte der Norweger Jens Luraas Oftebro einen triumphalen Sieg. In einem äußerst spannenden Finale setzte er sich mit einer Sekunde Vorsprung vor dem Österreicher Johannes Lamparter durch. Bronze sicherte sich der Finne Eero Hirvonen mit einem Rückstand von 2,5 Sekunden.
Bester Deutscher im Wettkampf war Johannes Rydzek, der den achten Platz belegte. Julian Schmid als 14. komplettierte das deutsche Trio. Rydzek lag am Ende 1:09,4 Minuten zurück, während Geiger sogar 1:52 Minuten und Schmid 2:56 Minuten Rückstand auf den Sieger kassierten.
Geigers Traum von erneutem Gold platzt
Nach einem soliden Sprung auf 98,0 Meter war Geiger als Siebter mit nur 29 Sekunden Rückstand auf den führenden Esten Kristjan Ilves in den 10-Kilometer-Langlauf gestartet. Der norwegische Topläufer Oftebro begann das Rennen direkt vor ihm. Nach 5 Kilometern schloss die Favoritengruppe um Geiger zu Ilves auf, doch in der letzten Runde brach die Leistung des Deutschen unerwartet ein.
Besonders bitter für Geiger, der am Vortag im Abschlusstraining wegen Knieproblemen vorsichtshalber auf Sprünge verzichtet hatte. Am Wettkampftag sprang er dann zwar weitgehend beschwerdefrei, konnte aber nicht an seine Glanzleistung von Peking 2022 anknüpfen. Damals hatte er von Platz elf aus nach dem Springen noch sensationell Gold im Einzel von der Normalschanze geholt.
Deutsche Dominanz in der Nordischen Kombination
Die kleine Bakken-Schanze gilt traditionell als deutsche Domäne bei Olympischen Spielen. Von den letzten fünf Siegern in dieser Disziplin stammten vier aus Deutschland: Georg Hettich (2006), Eric Frenzel (2014, 2018) und eben Vinzenz Geiger (2022). Vor 2002, als ausschließlich von der kleinen Schanze gesprungen wurde, sicherten sich Georg Thoma (1960), Franz Keller (1964) sowie DDR-Athlet Ulrich Wehling (1972, 1976, 1980) die Goldmedaillen.
Zukunft der Nordischen Kombination ungewiss
Für die Kombinierer markieren diese Winterspiele den Start in eine wegweisende Phase. Sie müssen mit reduzierten Starterfeldern antreten, während die Kombinierinnen gar nicht erst teilnehmen dürfen. Noch dramatischer: Für Olympia 2030 ist die Traditionssportart, die seit der Premiere 1924 in Chamonix zum olympischen Programm gehört, nicht gesetzt.
Das Internationale Olympische Komitee will die Wettbewerbe in Val di Fiemme genau beobachten, um auf dieser Grundlage über die Zukunft der Nordischen Kombination zu entscheiden. Ein erfreuliches Zeichen war jedoch die überraschend gute Zuschauerresonanz: Trotz des Schmuddelwetters fanden sich am Mittwochmorgen erstaunlich viele Fans im Skisprung-Stadion von Predazzo ein.



