Gold für Brasilien: Ski-Showman Pinheiro Braathen brilliert in Bormio
Lucas Pinheiro Braathen hat im Riesenslalom von Bormio Olympia-Geschichte geschrieben. Der 25-Jährige gewann die erste Medaille für ein südamerikanisches Land bei Winterspielen – und das gleich in Gold. Der extrovertierte Ski-Star, der sowohl auf als auch neben der Piste eine der schillerndsten Figuren der alpinen Ski-Welt ist, setzte sich gegen den Schweizer Weltcup-Dominator Marco Odermatt durch.
Emotionale Siegerehrung mit brasilianischer Hymne
Schon vor der offiziellen Siegerehrung zeigte Braathen ein kleines Tänzchen, während aus den Boxen im Schneeregen von Bormio Samba-Bässe wummerten. Als dann die brasilianische Hymne erklang, kamen dem gebürtigen Norweger die Tränen. „Es ist nicht möglich, zu sagen, was ich in meinem Herz fühle“, schilderte er im ORF. „Da sind so viele Emotionen. Ich bin so dankbar für alles, meiner Familie, meinen Freunden, meiner Mannschaft.“
Obwohl er nun Geschichte geschrieben habe, betonte Braathen: „Mein wichtigstes Ziel ist es, authentisch zu sein und Skifahren zu können als der Mensch, der ich bin.“ Auf dem Podest wippte er mit der Goldmedaille um den Hals zu den brasilianischen Klängen mit.
Famoser erster Lauf entscheidet das Rennen
Der große Traum erfüllte sich für Pinheiro Braathen vor allem dank eines famosen ersten Laufs, in dem er fast eine Sekunde Vorsprung auf Odermatt herausfuhr und die Konkurrenz ratlos zurückließ. Am Ende hatte er 0,58 Sekunden Vorsprung auf Odermatt, der auf Rang zwei landete, und 1,17 Sekunden auf den drittplatzierten Schweizer Loic Meillard.
Deutsche Starter mit gemischten Gefühlen
Während Braathen feierte, hatten die deutschen Starter das Stadion von Bormio bereits verlassen. Alexander Schmid wurde 13. und zeigte sich „sehr zufrieden“. Der Parallel-Weltmeister von 2023 hatte nach einem Kreuzbandriss in diesem Winter sein Comeback gegeben und sich Mitte Januar noch am Sprunggelenk verletzt.
Anton Grammel landete als 15. knapp dahinter. Fabian Gratz musste eine bittere Enttäuschung hinnehmen: Der 28-Jährige war nach dem ersten Lauf Zehnter, schied im Finale nach einem Fahrfehler aber aus. „Das tut sehr weh“, sagte er nach dem Rennen niedergeschlagen.
Spektakuläre Rückkehr auf den Spuren von James Bond
Der gebürtige Norweger ist ein echter „Showman“, wie er selbst schon mal über sich sagte. 2023 hatte er die Slalom-Gesamtwertung gewonnen, doch einen Winter später erklärte er infolge eines Streits um Vermarktungsrechte mit dem norwegischen Verband seinen Rücktritt – unter Tränen und unmittelbar vor dem Saisonauftakt in Österreich.
Doch schon im Oktober 2024 war der extravagante Edeltechniker zurück – und das „Team Pinheiro“ geboren. Er starte ab sofort für Brasilien, das Heimatland seiner Mutter, verkündete Pinheiro Braathen damals in einem Edelrestaurant oberhalb von Sölden am Gaislachkogl-Gipfel, wo einst der James-Bond-Film „Spectre“ gedreht wurde.
Belebung für die Ski-Welt auf und neben der Piste
„Ich fühle mich auf einer Mission“, erklärte Pinheiro Braathen. Er wolle junge Menschen inspirieren und ermutigen, so zu sein, wie sie sein wollen. „Ich habe lange gebraucht, um zu verstehen, dass ich nicht von jedem geliebt werden kann.“ Er sei stolz darauf, 200 Millionen Brasilianerinnen und Brasilianer zu repräsentieren.
Dennis Rodman im Basketball, Steve Jobs in der Technologie oder Ronaldinho im Fußball – das seien Idole für ihn gewesen, so Braathen. Der sechsmalige Weltcup-Sieger, der sich auch schon als Model versuchte, gern schrille Outfits trägt und sich mal die Fingernägel lackiert, belebt die Ski-Welt nicht nur abseits der Piste. Auch sportlich sorgte er zuletzt wieder regelmäßig für Aufsehen.
Vor Olympia fuhr er im Riesenslalom dreimal in Serie auf das Podest – jeweils als Zweiter. Als hätte er sich das i-Tüpfelchen bewusst für die größte Ski-Bühne überhaupt aufgehoben. „Ich hoffe, dass alle zuhause diesen Moment gesehen haben und wissen, dass alles möglich ist“, sagte er nach seinem Sieg. Dabei spiele keine Rolle, wie man aussehe oder welche Sprache man spreche. „Wichtig ist, was in deinem Herzen ist.“



