Emotionale Achterbahn: Deutsche Eiskunstläufer sichern sich Olympia-Bronze
Bei den Olympischen Winterspielen in Mailand erlebte das deutsche Eiskunstlauf-Duo Minerva Hase und Nikita Volodin eine emotionale Achterbahnfahrt. Nach einem beeindruckenden Kurzprogramm, das sie in Führung brachte, mussten sie sich in der Kür mit der Bronzemedaille begnügen – dennoch ein historischer Erfolg für den deutschen Eiskunstlauf.
Von Gold-Träumen zu bronzenem Glück
Das Paar aus Berlin zeigte zunächst eine makellose Leistung im Tango-Kurzprogramm und lag mit 4,55 Punkten Vorsprung auf die georgischen Konkurrenten Anastasia Metelkina und Luka Berulawa klar auf Goldkurs. Doch in der anspruchsvollen vier Minuten langen Kür unterliefen beiden Athleten entscheidende Fehler: Minerva Hase patzte sowohl in der Kombination als auch beim dreifachen Salchow, was die Goldhoffnungen zunichtemachte.
„Wir sind sehr glücklich über den ersten Part, aber die großen Emotionen sparen wir uns noch auf“, hatte Hase nach dem Kurzprogramm noch erklärt. Diese Emotionen zeigten sich dann bei der Siegerehrung, als beide strahlend ihre Bronzemedaillen entgegennahmen und ins Publikum winkten.
Japanisches Duo holt mit Weltrekord Gold
Den Olympiasieg sicherten sich überraschend die japanischen Weltmeister Riku Miura und Ryuichi Kihara mit einer Weltrekord-Kür von 231,24 Punkten. Nach einem enttäuschenden fünften Platz im Kurzprogramm legten sie eine beeindruckende Aufholjagd hin und verwiesen die Georgier Metelkina/Berulawa (221,75 Punkte) auf Platz zwei. Hase und Volodin erreichten mit 219,09 Punkten den dritten Rang.
Das zweite deutsche Paar Annika Hocke und Robert Kunkel landete mit 194,11 Punkten auf einem respektablen zehnten Platz und komplettierte damit das deutsche Ergebnis im olympischen Paarlauf.
Erstes deutsches Eiskunstlauf-Edelmetall seit acht Jahren
Die Bronzemedaille markiert einen bedeutenden Meilenstein für den deutschen Eiskunstlauf. Es ist das erste olympische Edelmetall für Deutschland in dieser Disziplin seit dem Golderfolg von Aljona Savchenko und Bruno Massot bei den Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Damals hatten die Deutschen mit einer Traum-Kür noch eine spektakuläre Aufholjagd hingelegt – eine Ausgangslage, die für Hase und Volodin in Mailand sogar noch besser war.
„Sie sind wie ein altes Ehepaar. Sie können gemeinsam kämpfen, sie können gemeinsam diskutieren, sie können gemeinsam lachen“, beschrieb Trainer Dmitri Sawin die besondere Chemie zwischen seinen Schützlingen. Diese Harmonie zahlte sich nun auf der größten Bühne des Sports aus.
Drei Jahre Vorbereitung für den olympischen Moment
Seit mehr als drei Jahren trainieren Hase und Volodin gemeinsam in Berlin. Obwohl sie abseits des Eises unterschiedlicher kaum sein könnten – Volodin als „Freigeist“ und Hase als Vertreterin der „deutschen Struktur“ – funktioniert die Zusammenarbeit auf dem Eis perfekt. Nach der Europameisterschaft 2025 und dem Vizeweltmeistertitel im selben Jahr erhielt der gebürtige Russe Volodin schließlich den deutschen Pass, wodurch der Olympia-Start möglich wurde.
Die Saison 2025/2026 verlief zunächst durchwachsen, mit einem zweiten Platz bei der EM in Sheffield hinter den georgischen Rivalen. Doch zum entscheidenden Zeitpunkt präsentierten sich Hase und Volodin in Mailand in Topform und bewiesen Nervenstärke, wenn auch nicht ganz perfekt.
Die Bronzemedaille bei den Olympischen Winterspielen stellt den bisher größten Karriereerfolg für beide Athleten dar und unterstreicht die Rückkehr des deutschen Eiskunstlaufs in die Weltspitze. Ein Erfolg, der nach mehr als drei Jahren harter Arbeit und intensivem Training endlich Früchte trägt.



