Vom Horrorsturz zum Doppel-Olympiasieg: Hermann Maiers legendäre Auferstehung
Freitag, der 13. gilt im Volksmund als Unglückstag – im Skisport ist dieses Datum untrennbar mit einem der spektakulärsten und folgenreichsten Stürze der Sportgeschichte verbunden. Es war genau dieser Tag, der 13. Februar 1998, als bei den Olympischen Winterspielen im japanischen Nagano die Zeit für einen Augenblick stillzustehen schien.
Der Jahrhundertsturz des "Herminators"
Hermann „Herminator“ Maier startete an diesem historischen Tag mit klaren Goldambitionen in den Abfahrtslauf. „Wenn ich noch schneller werd‘ und noch schneller werd‘, dann bin ich schneller unten“, erinnerte sich der Österreicher später an seine damalige Taktik. Die ersten 18 Sekunden verliefen tatsächlich nach Plan: Maier war extrem schnell unterwegs und führte das Rennen an.
Doch dann geschah das Unglaubliche: Sein linker Ski verlor plötzlich die Haftung, der Versuch, sich auf dem rechten Fuß abzustützen, missglückte katastrophal. Maier hob ab und stand horizontal in der Luft, bevor er rund 40 Meter über die Piste schoss, durch die Fangnetze schleuderte und schließlich im weichen japanischen Tiefschnee liegen blieb. Der Jahrhundertsturz ließ Zuschauer und Experten das Schlimmste befürchten.
Die unmittelbaren Folgen und eine ikonische Aufnahme
Als erster am Unglücksort war der US-Sportfotograf Carl Yarbrough, der sich – eigentlich regelwidrig – unterhalb des „Alpenjumps“ positioniert hatte. Als er sah, wie sich der gestürzte Österreicher eigenständig wieder aufrichtete, rief er spontan: „Great Shot!“ Diese ikonische Aufnahme landete später auf dem Cover der Sports Illustrated und dokumentierte den Moment für die Ewigkeit.
Medizinisch schien Maier zunächst Glück im Unglück gehabt zu haben. ÖSV-Arzt Andreas Lotz diagnostizierte nach dem Sturz lediglich „leichte Blessuren an Knien und Schulter“. Doch eine Teilnahme am Super-G am nächsten Tag erschien dennoch unmöglich.
Die olympische Auferstehung
Doch der Wettergott meinte es gut mit dem Österreicher. Nebelschwaden erzwangen eine zweitägige Verschiebung des Super-G-Starts – wertvolle Zeit, die Maier zur Regeneration nutzen konnte. Der als „Kraftmaier“ bekannte Athlet ließ sich nicht beirren und äußerte sich trotz des Schocks erstaunlich optimistisch: „Wenn ich jetzt noch Gold g’winn‘, bin ich unsterblich“.
Seine Worte sollten prophetischen Charakter erhalten. Im verschobenen Super-G-Rennen war Maier nicht mehr zu stoppen und holte sich den Olympiasieg. Nur drei Tage später krönte er sich im Riesenslalom zum Doppel-Olympiasieger. Diese eindrucksvolle Machtdemonstration festigte endgültig seinen Spitznamen „Herminator“ und schrieb ihn in die Geschichtsbücher des Wintersports ein.
Der unwahrscheinliche Aufstieg eines Ausnahmetalents
Dass Hermann Maier überhaupt auf der internationalen Skibühne landete, war keineswegs vorgezeichnet. Nachdem er an der Ski-Hauptschule abgelehnt und als körperlich ungeeignet eingestuft worden war, begann der damals 15-jährige Österreicher eine Maurerlehre. Der Skisport blieb zunächst nur ein Hobby.
Die Entdeckung seines versteckten Supertalents erfolgte fast zufällig – bei einem Vorlauf zum Weltcup-Riesentorlauf in Flachau im Januar 1996, obwohl Maier gar nicht offiziell am Turnier teilnahm. Der Hobby-Skifahrer beendete den Lauf als Zwölftschnellster und legte damit den Grundstein für seine spätere Karriere.
Noch im selben Jahr startete der Newcomer im Europacup und gewann den Titel gleich fünfmal in einer Saison. Die Qualifikation für die Weltmeisterschaft folgte nur ein Jahr nach seiner Entdeckung. In der Saison 1997/98 gewann Maier bereits zweimal die Weltcupabfahrt und siegte im deutschen Super-Riesenslalom.
Sein internationaler Durchbruch – und zugleich der Höhepunkt seiner Karriere – sollte trotz des spektakulären Sturzes bei den Olympischen Winterspielen 1998 kommen. Seitdem zählt Hermann Maier zu den größten Skistars der Jahrtausendwende, dessen legendäre Auferstehung in Nagano bis heute Skifans weltweit beeindruckt.



