Das abrupte Ende einer außergewöhnlichen Ski-Karriere
Vor genau zwölf Jahren, am 20. März 2014, setzte eine der erfolgreichsten deutschen Wintersportlerinnen aller Zeiten einen überraschenden und dramatischen Schlusspunkt unter ihre beeindruckende Laufbahn. Maria Höfl-Riesch verkündete an diesem Tag nach einem schweren Sturz während des Weltcup-Finales in Lenzerheide ihren sofortigen Rücktritt vom aktiven Skisport.
Ein Traum erfüllt sich – und zerbricht kurz darauf
Nur wenige Wochen zuvor hatte sich für die damals 29-jährige Bayerin noch ein großer Traum erfüllt: Bei den Olympischen Winterspielen in Sotschi triumphierte sie zum dritten Mal und holte Gold in der Super-Kombination sowie Silber im Super-G. „Der größte Traum hat sich für mich nochmal erfüllt“, erklärte Höfl-Riesch damals. Doch die Freude währte nur kurz.
Acht Tage nach ihrem Sturz in der Schweiz stand die dreifache Olympiasiegerin mit sichtlich bewegter Stimme auf einer Pressekonferenz am Münchner Flughafen. „Es fällt mir schwer, aber ich denke, es ist die richtige Entscheidung“, sagte sie unter Tränen. Die Verletzungen an Adduktoren, Ellenbogen und Schulter zwangen sie zu diesem Schritt.
Ein ungewolltes Finale im Fangnetz
Die Art des Karriereendes beschäftigt die heute 41-Jährige bis heute. In einem Podcast verriet sie später: „In dem Moment, wo ich im Netz lag, habe ich mit der Saison abgeschlossen, mit dem Gesamtweltcup und ein bisschen auch schon mit meiner Karriere. Ich hätte mir einen schöneren Abgang gewünscht.“
Besonders schmerzlich war für die Athletin, dass sie sich damals in einem packenden Duell mit der Österreicherin Anna Veith (geborene Fenninger) um den Gesamtweltcup befand. „Ich wollte nochmal den Gesamtweltcup gewinnen, weil ich mir dachte, dass es der perfekte Abschluss wäre“, erinnerte sich Höfl-Riesch. Doch nach Olympia fehlte ihr das letzte Quäntchen Durchhaltevermögen, während ihre Konkurrentin zum Saisonende noch einmal zulegte.
Trostpflaster und bittere Ironie
Immerhin gewann Höfl-Riesch trotz ihres vorzeitigen Ausscheidens erstmals die kleine Kristallkugel für den Abfahrtsweltcup. Eine bittere Ironie begleitete diesen Erfolg: „Dann standen Anna Fenninger und Tina Maze rechts und links auf dem Podium und oben war halt leer“, beschrieb sie den Moment, als der Helikopter sie ins Krankenhaus über den Zieleinlauf flog, wo gerade ihre Siegerehrung hätte stattfinden sollen.
Eine Karriere zwischen Triumph und Trauma
Die Laufbahn der deutschen Ski-Ikone war von extremen Kontrasten geprägt. Nach ihrem Weltcup-Debüt 2001 in Garmisch-Partenkirchen und ersten Erfolgen ab 2004 schien eine steile Karriere vorgezeichnet. Doch dann folgte eine schwere Verletzungsserie:
- Schulterfraktur im November 2004
- Kreuzbandriss im rechten Knie im Januar 2005
- Verletzung am Schienbeinkopf im September 2005
- Bruch des Mittelhandknochens im Oktober 2005
- Kreuzbandriss, Meniskusschaden und Knorpelverletzungen im linken Knie im Dezember 2005
Doch Höfl-Riesch kämpfte sich zurück. Ihr Comeback 2006/07 krönte sie mit einem Sieg in Lake Louise. In den folgenden Jahren sammelte sie bedeutende Titel:
- WM-Gold im Slalom 2009 in Val d'Isère
- Olympiagold in der Super-Kombination 2010 in Vancouver
- WM-Gold in der Super-Kombination 2013 in Schladming
- Olympiagold in der Super-Kombination 2014 in Sotschi
Stolz auf das Erreichte
Insgesamt 27 Weltcup-Siege stehen in ihrer Bilanz, der letzte am 24. Januar 2014 in Cortina d'Ampezzo. „Ich bin schon stolz, dass ich nach den schwersten Verletzungen meine größten Erfolge hatte“, resümierte die Sportlerin. „Eine traumhafte Karriere, wenn man sich das so anschaut.“
Die Anerkennung blieb nicht aus: Bereits zum zweiten Mal wurde sie im Dezember 2014 zur deutschen Sportlerin des Jahres gewählt. Heute, zwölf Jahre nach ihrem emotionalen Abschied, bleibt Maria Höfl-Riesch als eine der prägendsten Figuren des deutschen Skisports in Erinnerung – deren Karriere zwar ein unerwartetes, aber dennoch würdiges Ende fand.



