Olympia-Finale wird zum Alptraum: Lena Dürrs Karriereende im Slalom-Drama
Die deutschen Hoffnungen auf eine weitere Medaille bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo platzten auf schmerzhafte Weise. Lena Dürr, die als Zweitplatzierte ins Finale des Slaloms gegangen war, erlebte im zweiten Lauf ein Drama, das nach weniger als zwei Sekunden bereits beendet war. Die 34-jährige Münchnerin, die zuvor angekündigt hatte, dass dies ihr letzter Auftritt unter den olympischen Ringen sein würde, zeigte in diesem wohl bittersten Moment ihrer Karriere wahre sportliche Größe.
Katastrophaler Patzer am ersten Tor
„Das werde ich in meinem Leben nicht mehr sehen, deswegen musste ich schnell rennen“, sagte eine sichtlich enttäuschte Dürr nach dem Rennen. Trotz der tiefen Enttäuschung ließ sie sich die Siegerehrung nicht entgehen, bei der US-Superstar Mikaela Shiffrin mit klarem Vorsprung Gold gewann, gefolgt von der Schweizerin Camille Rast (Silber) und der Schwedin Anna Swenn Larsson (Bronze).
Der Patzer am ersten Tor des zweiten Laufs markierte das abrupte Ende aller Medaillenträume. „Aus am ersten Tor – das sei ihr zuletzt vor rund 15 Jahren bei einem unterklassigen Fis-Rennen passiert“, erklärte Dürr. In dem Moment selbst sei sie einfach „blank“ gewesen, ohne jeden Gedanken. Die schwedische Konkurrentin Sara Hector tröstete sie später mit den Worten: „Schade Lena, du hättest auch eine von denen sein können.“
Die komplette Ski-Familie leidet mit
Gefühlt die gesamte Ski-Welt schien mit der deutschen Athletin zu leiden. Emma Aicher, die nach zweimal Olympia-Silber diesmal Neunte geworden war, hockte mit Sonnenbrille im Ziel und drehte sich entsetzt von den Kameras weg. Ex-Skistar Felix Neureuther schlug die Hände über dem Kopf zusammen. Internationale Rivalinnen nahmen Dürr, nachdem sie den Hang hinuntergerutscht war, tröstend in Empfang.
Für Dürr setzte sich damit eine Serie olympischer Enttäuschungen fort. Vier Jahre nach dem Drama von Peking, wo sie als Führende in den zweiten Slalom-Lauf ging und noch auf Rang vier zurückfiel, erlebte sie in den Dolomiten gleich zwei weitere sportliche Tragödien. Zuvor hatte sie bereits im Riesenslalom gute Medaillenchancen verspielt.
Shiffrins triumphaler Rückkehr
Während Dürrs Alptraum sich entfaltete, feierte Mikaela Shiffrin ein triumphales Comeback. Die Amerikanerin, die 2022 in China bei sechs Starts ohne Medaille geblieben war, krönte sich mit 1,5 Sekunden Vorsprung zur olympischen Slalom-Königin. Damit holte sie ihr drittes Olympia-Gold und besiegte ein persönliches Trauma. Mit nun zwei Goldmedaillen bei Winterspielen, vier WM-Titeln und 71 gewonnenen Weltcup-Rennen im Slalom festigte die 30-Jährige ihren Status als beste Skirennfahrerin der Gegenwart.
Bilanz des deutschen Teams
Das deutsche Alpin-Team beendet die Spiele in Italien mit zwei Medaillen, die beide von den Frauen errungen wurden. Während die Damen mitunter famose Fahrten zeigten, gingen die Herren bei ihren Wettbewerben in Bormio erneut leer aus. Für Lena Dürr bleibt WM-Bronze von 2023 der bislang größte Einzelerfolg ihrer Karriere.
Trotz des schmerzhaften Endes will die Athletin des SV Germering positive Erkenntnisse mitnehmen: Dass sie nach schwachen Wochen im Weltcup wieder mit den Besten der Welt mithalten konnte – sogar im Riesenslalom. Doch Olympia 2030 wird sie nicht mehr erleben, wie sie selbst ankündigte. Ihr letzter Auftritt unter den Ringen endete, wie so oft in ihrer olympischen Laufbahn, im Drama.



