DSV-Chef Maier verteidigt Emma Aicher: Realistische Erwartungen im Kristallkugel-Kampf
Nach einem enttäuschenden zwölften Platz bei der zweiten Abfahrt in Val di Fassa hat DSV-Sportvorstand Wolfgang Maier eine energische Klarstellung zur Situation von Skistar Emma Aicher abgegeben. Die deutsche Athletin bleibt zwar im Rennen um die kleine Kristallkugel in der Abfahrts-Gesamtwertung, doch Maier fordert deutlich weniger Druck auf die junge Sportlerin.
Rückschlag in Val di Fassa verändert Ausgangslage
Während Italienerin Laura Pirovano den Wettbewerb in Val di Fassa gewann, musste sich Emma Aicher mit Platz zwölf begnügen. In der Gesamtwertung überholte Aicher zwar die amerikanische Legende Lindsey Vonn, wurde aber selbst von Pirovano überflügelt. Die Italienerin führt nun mit 436 Punkten vor Aicher (408 Punkte), während Kira Weidle-Winkelmann (351) und Cornelia Hütter (344) nur noch theoretische Chancen haben.
„Man muss bei der Emma mal wieder ein bisschen die Füße auf den Boden bringen“, betonte Maier im ZDF. Damit kritisiert der DSV-Chef nicht etwa Aichers Leistung, sondern die inzwischen extrem hohen Erwartungen an die 22-Jährige.
Maier plädiert für Geduld und realistische Einschätzung
Wolfgang Maier verwies darauf, dass Emma Aicher vor gerade einmal einem Jahr noch ein völlig unbeschriebenes Blatt in der Speed-Disziplin war. „Letztes Jahr um die Zeit hatte sie vor der WM keinen einzigen Abfahrts-Weltcuppunkt. Jetzt ist sie die Nummer zwei auf der Welt in der Abfahrt“, verdeutlichte der Sportvorstand die rasante Entwicklung.
Der DSV-Chef betonte die Besonderheiten im Speed-Bereich:
- Skifahrer erreichen ihren Zenit oft erst mit Ende zwanzig oder in den Dreißigern
- Die Top Ten der Abfahrtswertung sind im Schnitt sechs bis acht Jahre älter als Aicher
- Nur Pirovano und Kajsa Vickhoff Lie haben ebenfalls noch nicht die 30er-Marke erreicht
Jäger-Rolle als strategischer Vorteil
Dass Aicher nun nicht als Führende ins letzte Abfahrtsrennen am 21. März in Lillehammer geht, sieht Maier sogar als Vorteil. „Man muss sich im Kopf darüber im Klaren werden, dass sich jetzt die Rollen tauschen. Ich bin nicht mehr die Gejagte, sondern der Jäger“, analysierte er die veränderte Ausgangslage.
Für den Gewinn der kleinen Kristallkugel benötigt Aicher einen Sieg in Lillehammer, während Pirovano dabei maximal Platz zwei erreichen darf. Maier betonte jedoch: „Man kann die Kugel nicht erzwingen. Wir wollen sie schon gewinnen, das ist eine wertvolle Trophäe. Die Reaktionen von Emma sind gesund, weil sie einen gewissen Ehrgeiz hat.“
Aicher entwickelt sich zur Kultfigur
Unabhängig vom Ausgang der Kristallkugel-Entscheidung steht für Wolfgang Maier bereits fest, dass Deutschland mit Emma Aicher wieder eine absolute Weltklasse-Fahrerin hat. „Die Emma ist nicht nur für den deutschen Skiverband, sondern gesamt für den Skisport ein Glücksfall“, schwärmte der DSV-Chef.
Maier beobachtet eine deutlich gestiegene Popularität der Athletin: „Die Art und Weise, wie sie den Sport repräsentiert, trifft viele Menschen. Sie wird so langsam zu einer Kultfigur. Menschen, die am Anfang ein bisschen die Nase gerümpft haben, finden jetzt cool, was sie macht.“
Der Sportvorstand appelliert abschließend an Medien und Fans, der jungen Sportlerin den notwendigen Entwicklungsraum zu geben und den Erfolgsdruck nicht übermäßig zu erhöhen.



