Dramatische Wende im Dopingfall Passler: Nutella-Löffel ermöglicht Olympia-Start
Was für eine spektakuläre Entwicklung im italienischen Biathlon! Die 24-jährige Rebecca Passler, die zunächst wegen eines positiven Dopingtests von den Olympischen Winterspielen ausgeschlossen worden war, darf nun doch antreten. Die Begründung des Berufungsgerichts klingt dabei beinahe unglaublich: Ein verunreinigter Nutella-Löffel soll für die Kontamination verantwortlich sein.
Medikament aus familiärem Umfeld als Auslöser
Im Januar war Passler bei einer Trainingskontrolle positiv auf Letrozol getestet worden. Dieses Medikament wird in der Brustkrebstherapie eingesetzt und steht auf der Verbotsliste des Antidoping-Kodex. Der Ursprung des verbotenen Stoffes liegt jedoch im persönlichen Umfeld der Sportlerin: Ihre Mutter wird aufgrund einer Krebserkrankung mit genau diesem Präparat behandelt.
Vor dem Berufungsgericht der italienischen Anti-Doping-Behörde Nado schilderte Passler detailliert, wie es zu der Verunreinigung gekommen sein könnte. Ein Löffel, der zuvor mit dem Medikament in Kontakt stand, wurde später beim Essen verwendet – unter anderem für Nutella. Auf diesem Weg könnten minimale Rückstände in ihren Organismus gelangt sein.
Richter akzeptieren ungewöhnliche Erklärung
Die Richter bewerteten diese Darstellung im Eilverfahren als glaubhaft und hoben die Suspendierung der Biathletin auf. Für Passler bedeutete diese Entscheidung die Rettung ihrer Olympia-Teilnahme im eigenen Land, die wegen winziger Spuren eines Medikaments, das sie nicht bewusst eingenommen hatte, zu platzen drohte.
„Es waren sehr schwierige Tage“, gab die erleichterte Sportlerin nach der positiven Nachricht zu Protokoll. „Jetzt kann ich mich endlich wieder voll auf Biathlon konzentrieren.“
Zeitplan für Olympia-Einsatz steht
Theoretisch hätte Passler bereits am Samstag im Sprint-Wettbewerb antreten können, doch der italienische Verband entschied sich für einen behutsameren Wiedereinstieg. Sie wird erst ab Montag wieder ins Teamtraining einsteigen. Realistisch erscheint jedoch ein Einsatz in der Frauen-Staffel am Mittwoch, bei der Italien mit Stars wie Dorothea Wierer und Lisa Vittozzi um Medaillen kämpfen wird.
Passler läuft seit Ende 2021 im Biathlon-Weltcup und konnte sich mit zwei elften Plätzen im Sprint von Oberhof sowie im Massenstart von Annecy bereits als vielversprechendes Talent positionieren. Ihre Olympia-Teilnahme schien jedoch durch die Dopingaffäre gefährdet, bis die ungewöhnliche Nutella-Geschichte für die entscheidende Wende sorgte.
Der Fall zeigt einmal mehr, wie komplex und sensibel Dopingkontrollen im Hochleistungssport sind. Minimale Verunreinigungen aus dem Alltag können schwerwiegende Konsequenzen haben, selbst wenn keine absichtliche Einnahme vorliegt. Für Rebecca Passler geht die olympische Reise nun doch weiter – dank eines Löffels, der sowohl für Medikamente als auch für Schokoladencreme verwendet wurde.



