Walerij Gerassimow, der russische Generalstabschef und Oberbefehlshaber der Truppen in der Ukraine, gilt als einer der umstrittensten Militärführer des Kremls. Obwohl seine Strategien in der Ukraine wiederholt gescheitert sind und er bei der Truppe tiefe Unbeliebtheit genießt, hält Präsident Wladimir Putin unbeirrt an ihm fest. Warum ist dieser Mann, der die Lage schamlos schönt und dessen Erfolgsmeldungen oft nicht der Realität entsprechen, für Putin so unverzichtbar?
Die gescheiterte Offensive und die Lügen
Gerassimow, der seit 2012 an der Spitze des russischen Generalstabs steht, hat im Ukraine-Krieg eine Reihe von Rückschlägen erlitten. Die erhoffte Blitzoffensive auf Kiew scheiterte, der Vormarsch im Donbass stockt, und die ukrainischen Gegenoffensiven fügen der russischen Armee schwere Verluste zu. Dennoch verkündet Gerassimow regelmäßig Erfolge, die sich bei genauerer Betrachtung als übertrieben oder schlicht falsch erweisen. Diese Täuschung dient offenbar dazu, die Moral der Truppen aufrechtzuerhalten und die eigene Position zu sichern.
Unbeliebt bei der Truppe
Innerhalb der russischen Streitkräfte ist Gerassimow wenig geschätzt. Viele Soldaten und Offiziere werfen ihm vor, die Realität an der Front zu ignorieren und unrealistische Befehle zu erteilen. Die hohen Verluste und die mangelhafte Ausrüstung werden ihm angelastet. Dennoch hat er es bisher geschafft, seine Position zu behaupten, während andere Militärführer in Ungnade fielen.
Warum Putin an ihm festhält
Putin schätzt an Gerassimow offenbar dessen bedingungslose Loyalität und seine Fähigkeit, unangenehme Nachrichten zu filtern. Gerassimow liefert dem Präsidenten die gewünschten Erfolgsmeldungen und vermeidet es, die volle Wahrheit über die katastrophale Lage zu berichten. Zudem ist er ein erfahrener Stratege, der die militärischen Strukturen Russlands genau kennt. Ein Wechsel an der Spitze des Generalstabs könnte in der aktuellen Kriegsphase als Schwäche interpretiert werden, was Putin vermeiden will.
So bleibt Gerassimow trotz aller Misserfolge fest im Sattel – ein Symbol für die verzerrte Wahrnehmung des Kremls und die mangelnde Bereitschaft, Fehler einzugestehen. Die Frage ist nur, wie lange Putin sich diesen Luxus noch leisten kann, während die militärische Lage sich weiter zuspitzt.



