Paralympics-Drama: Deutsche Langläufer bestraft und gefeiert, Forster holt Silber
Paralympics: Drama und Medaillen für deutsche Athleten

Winter-Paralympics in Italien: Emotionale Achterbahn für deutsche Athleten

Die Winter-Paralympics in Tesero und Cortina d'Ampezzo boten eine emotionale Achterbahnfahrt für das deutsche Team. Während im Langlauf eine umstrittene Entscheidung für Enttäuschung sorgte, konnten andere Athleten mit starken Leistungen glänzen. Das Alpin-Ass Anna-Lena Forster setzte ihre Erfolgsserie fort und holte eine weitere Medaille.

Langlauf-Drama: Bestrafung überschattet Podestplatz

Im Klassik-Sprint der sehbehinderten Langläuferinnen entwickelte sich ein regelrechtes Drama. Eigentlich hätten zwei deutsche Athletinnen auf dem Siegerpodest stehen sollen, doch Leonie Walter wurde nachträglich wegen eines Regelverstoßes auf den letzten Platz gesetzt. Ihr Guide Christian Krasman hatte beim Umschauen zu seiner sehbehinderten Athletin mehrmals einen Seitenschritt gemacht, der als Skatingschritt gewertet wurde.

„Es ist super unglücklich. Die Jury meint es nicht böse mit uns, die folgt nur den Regeln“, kommentierte Bundestrainer Ralf Rombach die kontroverse Entscheidung. Durch die Disqualifikation rückte Linn Kazmaier auf den Silberrang vor, was die Situation jedoch nicht entschärfte.

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Unbehagen neben russischer Siegerin

Linn Kazmaier stand sichtlich unwohl neben der russischen Siegerin Anastasija Bagijan auf dem Podest. Die 19-jährige sehbehinderte Langläuferin senkte den Blick und hielt ihr Plüschmaskottchen fest, als die russische Flagge gehisst und die Hymne gespielt wurde. Beim Abschlussfoto hielten Kazmaier und ihr Guide deutlichen Abstand zum russischen Duo und den drittplatzierten Chinesen.

„Ich finde es total schwierig“, sagte Kazmaier trotz aller Freude über ihren Silberrang. „Auf der sportlichen Seite war sie heute die Stärkste und da kann man ihr auf der sportlichen Seite Respekt zollen. Aber vier Jahre keine Dopingkontrollen und dann auch der politische Hintergrund - da kann man Sport und Politik nicht trennen.“

Silber für Marburger trotz Krankheit

Im Trubel um das Langlauf-Drama ging fast unter, dass Sebastian Marburger bei seiner paralympischen Premiere im Zielsprint der stehenden Männer Silber holte. Der 28-Jährige musste sich nur dem belarussischen Sieger Raman Svirdydzenka geschlagen geben - obwohl er vor dem Wettkampf noch krank war. Eine bemerkenswerte Leistung, die jedoch im Schatten der kontroversen Entscheidung stand.

Historischer Start für Kathrin Marchand

Tränen flossen bei Kathrin Marchand, die bei ihrem historischen Start Vierte wurde. „Ich bin zufrieden mit dem vierten Platz, aber es ist immer noch der erste Verlierer. Ich werde halt immer Vierte“, sagte die 35-Jährige. Die Kölnerin schrieb dennoch Sportgeschichte als erste Athletin, die sowohl bei Olympischen Spielen als auch bei den Paralympischen Sommer- und Winterspielen gestartet ist.

Bereits als Ruderin hatte sie bei den Paralympics in Paris knapp eine Medaille verpasst und suchte aus Frust darüber im Langlauf neue Impulse. Trotz der Enttäuschung über den knapp verpassten Podestplatz bleibt ihre Leistung historisch bedeutsam.

Forster mit starkem Comeback zum Silber

Erneuten Grund zur Freude hatte Alpin-Ass Anna-Lena Forster. Drei Tage nach ihrem Abfahrtssieg jubelte die 30 Jahre alte Monoskifahrerin in Cortina d'Ampezzo über Silber in der Super-Kombination. Nach jeweils einem Lauf im Super-G und im Slalom hatte sie nur 0,46 Sekunden Rückstand auf Siegerin Audrey Pascual Seca aus Spanien.

Im Slalom gelang ihr dabei ein starkes Rennen, bei dem sie 2,36 Sekunden Rückstand aus dem Super-G noch aufholte. „So soll es sein. Dass es so spannend wird, ist wichtig für unseren Sport. Klar hätte ich es auch anders machen und im Super-G mehr Gas geben können. Aber jetzt mit dem Slalom bin ich einfach happy und kann selbstbewusst in die Technikrennen gehen“, sagte sie im Zielraum.

Russische Erfolge mit politischem Beigeschmack

Die russische Goldmedaillengewinnerin Anastasija Bagijan feierte ihren Triumph beim russischen Sender Match TV: „Ich freue mich sehr, dass zum ersten Mal seit vielen Jahren die russische Nationalhymne gespielt und die russische Flagge zu Ehren unseres Sieges gehisst wird. Ich möchte diese Goldmedaille meinem ganzen Land und allen, die uns angefeuert haben, widmen.“

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Am Alpin-Hang in Cortina d'Ampezzo blieb Russland in der Super-Kombination jedoch eine mögliche weitere Goldmedaille verwehrt. Alexej Bugajew schied als Führender nach dem Super-G im Slalom aus. Seine Teamkollegin Warwara Worontschichina, für die am Vortag erstmals seit 2014 wieder die russische Hymne bei Paralympics gespielt worden war, patzte bereits im Super-G und kam nicht ins Ziel.

Die Winter-Paralympics in Italien zeigen einmal mehr, wie Sport und Politik untrennbar miteinander verwoben sind, während die Athleten trotz aller Widrigkeiten Höchstleistungen erbringen. Für das deutsche Team bleibt die Bilanz gemischt: Enttäuschung über verlorene Chancen, aber auch Stolz auf historische Leistungen und weitere Medaillen.