Paralympische Winterspiele: 50 Jahre Geschichte, Rekorde und Herausforderungen der Athleten
Paralympische Winterspiele: 50 Jahre Geschichte und Herausforderungen

Paralympische Winterspiele: Ein historischer Rückblick auf 50 Jahre Sportgeschichte

Im Sommer des Jahres 1948, während London die Eröffnung der Olympischen Spiele feierte, fand im gut 50 Kilometer entfernten Stoke Mandeville ein wesentlich kleinerer Sportwettbewerb statt. Ludwig Guttmann, ein Neurologe und Leiter einer Abteilung des Stoke Mandeville Hospitals, veranstaltete einen Bogenschießen-Wettbewerb für 16 Kriegsversehrte. Was ursprünglich als Rehabilitationsmaßnahme gedacht war, gilt heute als die Geburtsstunde der Paralympics.

Die Entwicklung der Winter-Paralympics: Von den Anfängen bis heute

Zwölf Jahre später, im Jahr 1960, fanden in Rom die ersten offiziellen Paralympischen Sommerspiele statt. Noch einmal 16 Jahre später wurden in Schweden die ersten Winter-Paralympics ausgetragen. Knapp 200 Athletinnen und Athleten, darunter Menschen mit Amputationen und Sehbehinderungen, kämpften im Skilanglauf und Ski alpin um Medaillen. Insgesamt gab es 53 Events in verschiedenen Disziplinen und Behinderungskategorien.

Die Entwicklung der Winter-Paralympics verlief jedoch nicht linear. Die Spiele in Salt Lake City im Jahr 2002 fielen wesentlich kleiner aus als die von 1998. Das Eisschlittenrennen wurde aus dem Programm genommen, weil es zu wenige Teilnehmer gab. Gleichzeitig sank die Zahl der Athleten infolge eines Betrugs der spanischen Basketballmannschaft bei den vorherigen Sommerspielen. Nur zwei der zwölf Athleten waren tatsächlich geistig behindert. Daraufhin schloss das Internationale Paralympische Komitee (IPC) Athletinnen und Athleten mit geistiger Behinderung aus, die erst im Jahr 2012 zu den Paralympics zurückkehrten.

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Die aktuellen Paralympics in Italien: Neue Rekorde und Herausforderungen

Die anstehenden Paralympischen Winterspiele in Italien werden einen neuen Rekord aufstellen. Voraussichtlich nehmen 613 Athletinnen und Athleten an den Wettbewerben teil, das sind knapp 50 mehr als beim bisherigen Rekord der Winter-Paralympics in Pyeongchang 2018. Was dabei auffällt, ist die unausgeglichene Geschlechteraufteilung. Während bei den Olympischen Spielen in Mailand und Cortina 47 Prozent der Teilnehmenden weiblich waren, sind es bei den Paralympics nur 26 Prozent. Das Ungleichgewicht verringert sich zwar nach und nach, allerdings nur in sehr kleinen Schritten.

Die Klassifizierung im Behindertensport bestimmt, welche Athletinnen und Athleten gegeneinander antreten. Die übergeordneten Regeln dafür stellt das IPC auf. Die Behinderungen sind nach Seh-, geistiger und körperlicher Behinderung aufgeteilt, zurzeit gibt es insgesamt zehn Stück. Weil die verschiedenen Sportarten unterschiedliche Anforderungen an den Körper haben, erfolgt die Klassifizierung oft sportartspezifisch.

Sportarten und Hilfsmittel bei den Winter-Paralympics

Bei den Paralympischen Winterspielen in Mailand und Cortina treten die Athletinnen und Athleten in sechs Sportarten an. Rollstuhlcurling, Eishockey und Snowboard sind nur für bestimmte Behinderungen geöffnet, während die drei anderen Sportarten in jeweils drei Ausführungen stattfinden: sitzend, stehend und sehbehindert. Je nach Sportart und Behinderung nutzen die Athleten Hilfsmittel, etwa einen Sitzski oder einen sehenden Guide.

Finanzielle Herausforderungen für die Paralympics-Athleten

Neben der körperlichen Anstrengung stellt der Profi-Behindertensport für viele Athleten auch eine finanzielle Herausforderung dar. Mareike Miller, Rollstuhlbasketballerin und Gesamtaktivensprecherin des Deutschen Behindertensportverbands (DBS), beschreibt die Situation folgendermaßen: "So kämpfen viele von uns nicht nur um Medaillen, sondern auch darum, sich eine Karriere im Sport überhaupt leisten zu können. Für viele ist und bleibt die Nationalmannschaft im Parasport selbst bei Paralympics-Teilnehmern und Medaillengewinnern ein Hobby."

Zwar finanziert die Stiftung Deutsche Sporthilfe die Para-Athleten im Paralympics- und Perspektivkader mit derselben monatlichen Summe wie bei Olympia, der DBS kritisiert aber die deutlich geringere Zahl an Förderplätzen. In Deutschland fallen die Medaillenprämien der Deutschen Sporthilfe für paralympische und olympische Athleten gleich aus. 30.000 Euro gibt es für Gold, 20.000 für Silber und 10.000 für Bronze.

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Im internationalen Vergleich gehört Deutschland damit zur Minderheit. Einer CNN-Recherche zufolge zahlen nur rund 40 Prozent der Länder, die Prämien ausschütten, den paralympischen Medaillengewinnern dieselbe Summe wie ihren olympischen Mitstreitern. Diese Medaillenprämien dürften für das deutsche Paralympics-Team sehr relevant sein, denn besonders bei den Winterspielen schlägt sich Team Deutschland gut. In den vergangenen 50 Jahren landete es beim Ranking nach Goldmedaillen nur viermal nicht auf dem Siegertreppchen.

Vergleich zu den Sommerspielen und Ausblick

Im Vergleich zu den Winterspielen sind die Paralympischen Sommerspiele wesentlich größer. Wintersport ist weniger zugänglich, in vielen Ländern herrschen dafür nicht die richtigen Bedingungen. Zudem sind die Sommerspiele wesentlich älter – ihre Ursprünge liegen fast 30 Jahre vor den Winterspielen. Auch wenn die Paralympischen Winterspiele wachsen und in diesem Jahr gleich mehrere neue Rekorde aufstellen, stehen sie weiter im Schatten der Sommerspiele. Dennoch sind auch die Winterspiele attraktiv und bieten spannende Wettbewerbe – Team Deutschland erhofft sich dieses Jahr eine Platzierung in den Top 6.