Skibergsteigen bei Olympia: DAV stellt Sportdirektor nach Vorwürfen über medizinische Tests frei
Die olympische Premiere des Skibergsteigens bei den Winterspielen in Italien hat viele Zuschauer begeistert, doch hinter den Kulissen des deutschen Verbandes rumort es erheblich. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat den Sportlichen Leiter Hermann Gruber nach heftigen Vorwürfen deutscher Skibergsteiger rund um mögliche Missstände bei medizinischen Tests freigestellt. Gruber ist einer von zwei Beschuldigten in dieser Causa, die während der Olympischen Winterspiele öffentlich wurde und für großes Aufsehen sorgte.
Staatsanwaltschaft leitet Ermittlungsverfahren ein
Die Staatsanwaltschaft Traunstein in Oberbayern hat unterdessen gegen zwei Personen ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Ein Sprecher der Strafverfolgungsbehörden teilte mit, dass eine entsprechende Anzeige geprüft worden sei und ein Anfangsverdacht bestehe, dass die Beschuldigten eine verfolgbare Straftat begangen haben. Für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung, doch die Ermittlungen werden voraussichtlich mehrere Wochen dauern.
Laut DAV bat Gruber, der zuletzt noch bei der Olympia-Premiere in Bormio anwesend war, selbst um die Freistellung. Diese erfolge im Interesse einer transparenten und ungestörten Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft Traunstein sowie im Sinne der Athletinnen und Athleten, hieß es in einer offiziellen Stellungnahme.
Vorwürfe von gefährlicher Körperverletzung bis Nötigung
In einem Bericht der ARD hatten die Skibergsteiger Felix Gramelsberger und Sophia Weßling die Anzeigen gegen Gruber und den ehemaligen Bundestrainer Maximilian Wittwer öffentlich gemacht. Laut Staatsanwaltschaft erstattete noch ein weiteres ehemaliges Mitglied des Nationalteams Skibergsteigen Strafanzeige. Es geht um die Tatvorwürfe gefährliche Körperverletzung, Beihilfe zur gefährlichen Körperverletzung, Nötigung und fahrlässige Körperverletzung.
Den Sportlern war laut des ARD-Berichts im April 2024 am Olympiastützpunkt Chiemgau in Ruhpolding bis zu 60 Mal innerhalb weniger Stunden Blut aus dem Ohrläppchen entnommen worden. Die Sportler kritisierten, dass Hygiene-Mindeststandards nicht beachtet worden seien. Die angeblich zum Teil ungeschulten Helfer sollen ihre Handschuhe zwischen den Blutabnahmen nicht gewechselt, sondern sie bei mehreren Athleten nacheinander benutzt haben. Gramelsberger sprach in dem Bericht von einer "wahnsinnigen Blutpanscherei".
Verband räumt Beanstandungen ein und verspricht Verbesserungen
Der Deutsche Alpenverein räumte ein, dass es nach dem Test Beanstandungen gegeben habe. Nach Rückmeldungen von Athleten seien Abläufe überprüft und organisatorisch weiterentwickelt worden, hieß es in einer Erklärung. Skibergsteigen feierte bei den Winterspielen in Italien seine Olympia-Premiere und hat viele Zuschauer begeistert. Weßling und Gramelsberger gehörten nicht zum deutschen Aufgebot und für die Saison 2025/2026 auch nicht zum Olympia-Kader, sondern offiziell aus sportlichen Gründen lediglich zum DAV-Kader.
Die Vorwürfe werfen ein Schlaglicht auf die Herausforderungen im Hintergrund einer neuen olympischen Sportart, die trotz ihrer Popularität mit internen Problemen zu kämpfen hat. Die Aufklärung durch die Staatsanwaltschaft und die Reaktion des Verbandes werden nun mit Spannung erwartet, um die Glaubwürdigkeit des Sports zu wahren.



