Deutsche Medaillenhoffnung im Schneetreiben von Bormio gedämpft
Die Olympischen Winterspiele in Norditalien drohen für die deutschen Skifahrer enttäuschend zu verlaufen. Im Slalom-Wettbewerb von Bormio hat Linus Straßer, Deutschlands größte Hoffnung in dieser Disziplin, im ersten Durchgang deutlichen Rückstand auf die Spitzenfahrer aufgebaut. Der Münchner liegt mit 1,41 Sekunden Abstand auf die Podestplätze nur auf Rang zwölf und muss im Finale um 13.30 Uhr (ZDF und Eurosport) einen spektakulären Aufholjagd starten.
Extrembedingungen fordern ihren Tribut
Bei dichtem Schneefall und schwierigen Sichtverhältnissen auf der Pista Stelvio in Bormio zeigte sich der Norweger Atle Lie McGrath mit Startnummer eins von seiner besten Seite. Der Skifahrer legte die Bestzeit vor und war ganze 2,35 Sekunden schneller als der deutsche Favorit Linus Straßer. Auf den weiteren Positionen platzierten sich der Schweizer Weltmeister Loic Meillard mit 0,59 Sekunden Rückstand und überraschend der Österreicher Fabio Gstrein mit 0,94 Sekunden Abstand.
„Es ist nicht einfach, Kurssetzung, Sicht, der Hang. Du könntest mich noch zehnmal runterfahren lassen, ich wüsste nicht, ob ich schneller fahren könnte. Es ist immer so ein bisschen frustrierend, solche Rennen“, gab Straßer im ZDF-Interview unumwunden zu. Der 33-Jährige, der im Sommer einen Materialwechsel vollzogen hat, sucht in dieser Saison noch nach der optimalen Abstimmung und konnte im Weltcup bisher nur einmal das Podest erreichen.
Topfahrer kämpfen mit den Bedingungen
Die schwierigen äußeren Umstände forderten zahlreiche prominente Opfer. Der für Brasilien startende Riesenslalom-Olympiasieger Lucas Pinheiro Braathen schied ebenso aus wie der Franzose Paco Rassat und der Finne Eduard Hallberg, zwei Entdeckungen der laufenden Saison. Selbst der französische Titelverteidiger Clement Noel liegt als Siebter bereits 1,96 Sekunden hinter dem führenden Norweger McGrath.
Die frühe Startnummer eins erwies sich für McGrath angesichts der sich kontinuierlich verschlechternden Bedingungen als entscheidender Vorteil. Während der Schneefall zunahm und die Sichtverhältnisse sich dramatisch verschlechterten, hatten nachfolgende Fahrer immer größere Probleme, die anspruchsvolle Strecke fehlerfrei zu bewältigen.
Deutsche Medaillenbilanz steht auf dem Spiel
Für das deutsche Team bedeuten die Ergebnisse von Bormio eine herbe Enttäuschung. Linus Straßer gilt seit Jahren als die größte deutsche Slalom-Hoffnung und hatte als WM-Dritte durchaus Medaillenchancen eingeräumt. Nun drohen die Winterspiele in Norditalien aus deutscher Sicht ohne eine einzige Männer-Einzelmedaille im alpinen Skisport zu enden.
Im Finale am Nachmittag muss der Münchner nicht nur den technisch anspruchsvollen zweiten Durchgang meistern, sondern auch psychologisch die entstandene Lücke überwinden. Die Konkurrenz um die Medaillenränge bleibt dennoch spannend: Neben den drei Halbzeit-Führenden McGrath, Meillard und Gstrein warten weitere starke Fahrer wie der Franzose Noel auf ihre Chance, im zweiten Lauf noch aufzuschließen.
Die schwierigen Bedingungen in Bormio haben den Wettbewerb zu einer Lotterie gemacht, bei der Erfahrung, Materialabstimmung und eine Portion Glück gleichermaßen gefragt sind. Für Linus Straßer bleibt nur die Hoffnung, dass sich im Finale noch einmal alles zum Guten wendet und die deutsche Medaillenhoffnung im alpinen Skisport doch nicht vollends zerstört wird.



