Vom bitteren Sturz zum goldenen Triumph: Julia Taubitz‘ emotionale Reise
Mit einem ansteckenden Lächeln und dem Song „Die immer lacht“ von Kerstin Ott im Ohr tanzte Rodel-Königin Julia Taubitz durch das Spalier und feierte ihren größten Triumph. Die 29-jährige Sächsin aus Annaberg-Buchholz hat nach dem Sturz-Drama bei den Olympischen Winterspielen 2022 in Peking endlich ihre erträumte Goldmedaille gewonnen. „Ich habe viel gewinnt heute, vor Glück. Der Sturz damals hat mich viele Jahre begleitet, aber er hat mich stärker gemacht“, sagte die überglückliche Athletin nach ihrem Sieg in Cortina d'Ampezzo.
Die mentale Überwindung einer Niederlage
Vier Jahre nach den bitteren Tränen in Peking, wo sie als Topfavoritin im zweiten Lauf stürzte, strahlt Taubitz wieder. „Wenn man immer nur gewinnt, lernt man nichts dazu“, reflektierte die Weltmeisterin. Diese Erfahrung gab sie auch an ihre 22-jährige Trainingskollegin Merle Fräbel weiter, die nach einem folgenschweren Patzer die sicher geglaubte Medaille verlor. Taubitz sieht sich nun als Vorbild und kann sich sogar eine Mentorenrolle für die junge Rodlerin vorstellen, der sie die Zukunft des Sports zuspricht.
Feiern mit Familie, Fanclub und besonderer Playlist
Die Leidenschaft der passionierte Motorradfahrerin zeigte sich auch nach dem Rennen. Im proppenvollen Deutschen Haus ließ es Taubitz mit Familie und Fanclub bis nach Mitternacht krachen, wobei Olympiasieger Max Langenhan höchstpersönlich als Kellner aushalf. „Nur Halbgas wegen der Teamstaffel, danach können wir vielleicht Vollgas geben“, scherzte die Goldmedaillengewinnerin. Ihre Feier wurde von einer besonderen Playlist begleitet, die sie Anfang des Jahres für den Deutschlandfunk zusammengestellt hatte. Darin enthalten waren Hits wie:
- „I want it that way“ von den Backstreet Boys
- „Extreme“ von Roland Kaiser
- „Großer Bruder“ von Zlatko & Jürgen
- „Erfolg ist kein Glück“ von Kontra K
- Das „Steigerlied“ aus ihrem geliebten Erzgebirge
Nervenstärke und technische Unterstützung als Schlüssel zum Erfolg
Nach einer recht schlaflosen Nacht konnte Taubitz den Gold-Coup zunächst kaum glauben. Zu viele „Tage der Trauer und Zweifel“ musste sie verarbeiten. Der Patzer von Fräbel im dritten Durchgang ließ alle Erinnerungen hochkommen. „Vor dem vierten Lauf hatte ich die Hosen voll, echt Kopfkino. Man hat ja bei Merle gesehen, wie schnell alles gehen kann im Rodeln“, gestand die Athletin. Doch sie behielt die Nerven – unterstützt von ihrem „Raketen-Schlitten“, den Chefmechaniker Robert Eschrich bereitstellte. Die enge Zusammenarbeit mit Heimtrainer Andi Langenhan und dem Berliner Institut für Forschung und Entwicklung von Sportgeräten (FES) trug maßgeblich zum Erfolg bei.
Ein sportlicher Moment, der im Gedächtnis bleibt
Cheftrainer Patrik Leitner erinnerte sich inmitten der Feierlichkeiten an einen besonderen Moment nach Taubitz‘ größter Niederlage. „Als Natalie Geisenberger und Anna Berreiter vor vier Jahren ins olympische Dorf gekommen sind, ist sie draußen gestanden und hat geklatscht und sich für ihre Kolleginnen gefreut. Manch andere hätten sich, ich selber glaube auch, ins Zimmer eingesperrt und drei Tage geweint. Das fand ich wahnsinnig sportlich“, sagte Leitner voller Anerkennung. Für Julia Taubitz ist die Botschaft klar: „Man muss auch einfach mal auf die Fresse fallen. Dass es sich so ausgeht mit Gold, hatte ich mir erträumt. Aber dass es jetzt so gekommen ist, ist unreal“.



