7,2 Millionen Jahre alter Knochen: Ältester Vorfahre des Menschen in Bulgarien entdeckt?
Ältester Menschenvorfahr? 7,2 Mio. Jahre alter Knochen in Bulgarien

7,2 Millionen Jahre alter Knochen: Ältester Vorfahre des Menschen in Bulgarien entdeckt?

Ein kleiner Knochen wirft große Fragen zur Herkunft der Menschheit auf. Ein internationales Forscherteam hat in Bulgarien einen rund 7,2 Millionen Jahre alten Oberschenkelknochen entdeckt, der möglicherweise zu den ältesten bekannten Vorfahren des Menschen gehört. Die Universität Tübingen war an der bedeutenden Entdeckung beteiligt.

Fundstelle Azmaka nahe Chirpan

Das Fossil wurde an der Fundstelle Azmaka in der Nähe der bulgarischen Kleinstadt Chirpan geborgen. Es stammt aus einem ehemaligen Flusslauf, der sich einst durch eine Savannenlandschaft schlängelte, die den heutigen Savannen Ostafrikas ähnelte. Der Oberschenkelknochen wird der Primatengattung Graecopithecus zugeschrieben und könnte ein sehr früher Vertreter der menschlichen Linie sein.

Hinweise auf zweibeinige Fortbewegung

Der bulgarische Paläontologe Nikolai Spassov erklärt, dass der Knochen mehrere äußere und innere Merkmale aufweist, die typisch für zweibeinig gehende Homininen sind. Dazu zählen:

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  • Ein verlängerter Oberschenkelhals, der nach oben zeigt
  • Spezielle Ansatzstellen für die Gesäßmuskulatur
  • Eine besondere Dicke der äußeren Knochenschicht

Diese Eigenschaften unterscheiden sich deutlich von den Oberschenkeln baumbewohnender Menschenaffen. Das geschätzte Körpergewicht des Individuums, bei dem es sich vermutlich um ein weibliches Exemplar handelt, lag bei etwa 24 Kilogramm.

Graecopithecus: Ein rätselhafter Vorfahr

Graecopithecus ist bisher nur aus wenigen, schwer zu deutenden Fossilien bekannt. Ein erster Unterkiefer aus der Nähe von Athen wurde bereits 1944 entdeckt. Im Jahr 2017 untersuchte ein internationales Team um die Paläontologin Madelaine Böhme diesen Fund mit modernen Methoden neu. Die Form der Zahnwurzeln deutete damals bereits auf eine Verwandtschaft mit frühen menschlichen Vorfahren hin.

Der nun beschriebene Oberschenkel aus Azmaka liefert erstmals unmittelbare Hinweise auf eine überwiegend zweibeinige Fortbewegung. David Begun von der Universität Toronto sagte: „Mit einem Alter von 7,2 Millionen Jahren könnte dieser Vorfahr, den wir der Gattung Graecopithecus zuordnen, der älteste bekannte Mensch sein.“

Übergangsstufe in der Evolution

Spassov betonte jedoch, dass sich Graecopithecus vermutlich noch nicht in derselben Weise bewegt habe wie der moderne Mensch. Der Azmaka-Oberschenkel vereint Merkmale afrikanischer Menschenaffen mit denen jüngerer Zweibeiner. Die Forscher interpretieren ihn daher als eine Übergangsstufe zwischen baumlebenden und bodenbewohnenden Vorfahren.

Nach der neuen Studie könnte Graecopithecus von acht bis neun Millionen Jahre alten Menschenaffen vom Balkan und aus Anatolien abstammen – etwa von Ouranopithecus und Anadoluvius. Diese sollen ihrerseits aus Vorläufern in West- und Mitteleuropa hervorgegangen sein. Denkbar ist, dass sich Graecopithecus vom Balkan nach Afrika ausbreitete, wo vor etwa sechs Millionen Jahren Vertreter der menschlichen Linie wie Orrorin auftraten, später auch Australopithecus afarensis, dessen bekanntestes Fossil unter dem Namen „Lucy“ bekannt ist.

Diese Entdeckung stellt bisherige Annahmen über die Herkunft des Menschen infrage und könnte die menschliche Evolutionsgeschichte neu schreiben. Die Forscher planen weitere Untersuchungen, um die genaue Stellung von Graecopithecus im Stammbaum der Homininen zu klären.

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