Google-KI löst voreilige Entwarnung bei Bombenfund in Dresden aus
Die Dresdner Innenstadt gleicht am 11. März 2026 einer Geisterstadt. Rund 18.000 Menschen wurden evakuiert, nachdem am Königsufer unterhalb der 2024 eingestürzten Carolabrücke ein Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entdeckt wurde. Während der Kampfmittelbeseitigungsdienst die 250 Kilogramm schwere Briten-Bombe entschärfte, verbreitete Googles KI-System Gemini jedoch eine gefährliche Falschmeldung.
KI behauptet fälschlich erfolgreiche Entschärfung
Am frühen Mittwochnachmittag gab der KI-Modus der Suchmaschine auf die Anfrage „bombe dresden“ bekannt: „Die heute, am 11. März 2026, an der Carolabrücke in der Dresdner Altstadt gefundene Weltkriegsbombe wurde erfolgreich entschärft. Rund 17.000 bis 18.000 betroffene Anwohner können wieder in ihre Wohnungen zurückkehren.“ Tatsächlich wurde der Blindgänger erst mehr als zwei Stunden später unschädlich gemacht.
Die Google-KI nannte als Quellen unter anderem BILD, den MDR und Focus – doch keines dieser Medien hatte zu diesem Zeitpunkt über eine Entschärfung berichtet. Zudem enthielt die KI-Meldung einen weiteren Fehler: Die Bombe war bereits am Dienstag entdeckt und identifiziert worden, nicht erst „heute“.
Polizei und Feuerwehr müssen korrigieren
Die falsche Entwarnung löste bei vielen Nutzern unberechtigte Erleichterung aus. Einige Evakuierte wollten daraufhin zurück in ihre Wohnungen, Touristen hofften, die Frauenkirche oder das Schloss doch noch besichtigen zu können.
Knapp eine Stunde nach Verbreitung der KI-Meldung reagierte die Polizei mit einer dringenden Richtigstellung. Sprecher Uwe Hofmann betonte: „Derzeit bekommen Menschen, die über eine KI-Suchmaschine im Internet nach dem Bombenfund in Dresden suchen, die Auskunft, dass die Entschärfung abgeschlossen wäre. Das ist falsch.“
Fast zeitgleich gab auch die Dresdner Feuerwehr eine ähnliche Korrektur heraus. Bemerkenswert: Auf dem Computer des Redakteurs beharrte die Google-KI auch zu diesem Zeitpunkt noch darauf, dass die Bombe bereits entschärft sei.
Größte Evakuierung seit Kriegsende
Der Bombenfund an der Elbe hatte die größte Evakuierung in Dresden seit Ende des Zweiten Weltkriegs notwendig gemacht. Neben Wohnungen mussten auch Ministerien, der Landtag, Museen und die historische Altstadt geräumt werden. Kitas, Schulen und Altenheime wurden geschlossen.
Erst nach dem Mittag war das Gebiet im Umkreis von einem Kilometer um die Bombe vollständig geräumt. Die eigentliche Entschärfung begann anschließend und dauerte mehrere Stunden.
Um 15.33 Uhr holte schließlich die Realität die KI ein: Die Dresdner Polizei meldete offiziell: „Die Entschärfung in Dresden ist geglückt.“ Die fast dreistündige Diskrepanz zwischen KI-Meldung und tatsächlichem Geschehen wirft jedoch ernste Fragen zur Verlässlichkeit automatisierter Informationssysteme in Krisensituationen auf.



