„Kommst du in unsere Auto-WG? Wir suchen Menschen, die Lust haben, sich ein Auto zu teilen. Seit 2,5 Jahren funktioniert dieses Modell super. Jetzt ist unser Auto zu alt und wir suchen neue Leute für unsere Carsharing-Gruppe in der Werdervorstadt/Schelfstadt. Vielleicht hast du ein Auto, das du nicht so oft benutzt und dir vorstellen kannst, es zu teilen. Oder du brauchst ab und zu ein Auto und willst nicht teuer leihen?“ Diesen Aufruf postete vor wenigen Tagen der Schweriner Robert Sevecke auf einer Nachbarschaftsplattform. Er musste nicht lange auf Antwort warten.
Autoteiler zwischen 20 und 40 Jahren
„Ich bin gerne dabei.“ „Tolle Idee.“ „Ich hab auch Interesse.“ Robert, der selbst in der Werdervorstadt wohnt, freut sich über das Feedback. „Da werd ich mal einen Termin klarmachen, damit wir uns kennenlernen und schauen, ob es von den Interessen her passt“, sagt der 36-Jährige. Dass sich der Schweriner schon mit privatem, solidarischem Autoteilen auskennt, macht die Sache natürlich leichter. „Reingerutscht bin ich da über eine Freundin“, erzählt er. „Sie hatte ein relativ altes Auto geerbt und festgestellt, dass sie es nicht allein nutzen kann. Wir haben ein paar interessierte Leute aus dem Stadtteil gefunden und es einfach gemeinsam genutzt. Sieben Leute aus unterschiedlichen Haushalten. Zwischen 20 und 40 Jahre alt.“
Carsharing in MV: Lücken abseits der Großstädte
Weil immer mal jemand abspringt und das Auto einfach zu alt ist, planen Robert und die anderen Autoteiler gerade eine zweite Runde Auto-WG. „Klar könnte ich mir auch bei einem gewerblichen Carsharing-Anbieter ein Auto leihen“, sagt der Schweriner. „Aber das ist doch noch ziemlich teuer.“ Und weit laufen muss oft auch, wer solch einen Wagen buchen will. Während in Städten wie Berlin und Hamburg nicht nur am Bahnhof, sondern gefühlt in jeder Straße ein Auto steht, das man fix leihen kann, sind etliche Städte in MV davon noch Lichtjahre entfernt. Am besten sieht es zurzeit in Rostock und Greifswald aus, wo die Rostocker Firma Moin.Cars über das gesamte Stadtgebiet Fahrzeuge verteilt hat.
Kosten und Vorteile der Auto-WG
Autoteiler Robert setzt daher auf selbstorganisiertes Carsharing. „Wir sind als Auto-WG mit insgesamt 200 bis 300 Euro Ausgaben fürs Auto im Monat gut hingekommen“, erzählt er. „Bezahlt haben wir davon die Autoversicherung, den Parkausweis, neue Reifen und Reparaturen. Insgesamt hat jeder von uns also monatlich etwa 50 Euro fürs Auto bezahlt.“ 50 Euro im Monat für vier Räder unter dem Hintern? Robert freut sich natürlich darüber, Geld zu sparen. Jetzt ohnehin beim Blick auf die Benzinpreise. Er macht aber auch beim Autoteilen mit, weil er es für gut und richtig hält. Warum soll ich eine eigene Karre haben, die viel herumsteht?, denkt er. Die Städte sind vollgestopft damit. Viele Autos, auch Zweitwagen, werden tagelang nicht bewegt. Weil die Straßen verstopft sind und man kaum einen Parkplatz findet, lassen immer mehr ihre Autos inzwischen ohnehin stehen. Wegen der hohen Spritpreise dürfte die Zahl weiter steigen.
Autoteilen ist nicht für jeden geeignet
Doch wer in der Stadt wohnt, der kommt, im Gegensatz zu den Menschen auf dem Land, auch ohne Wagen relativ gut von A nach B. Zumindest tagsüber. „Ich finde es unnötig, ein eigenes Auto zu besitzen“, sagt Robert. „Ich nutze gern die öffentlichen Verkehrsmittel, fahre Fahrrad, bin zu Fuß unterwegs. Ein Auto brauche ich nur für Besorgungen, mal einen kurzen Ausflug oder eine Wochenendreise. Natürlich ist Autoteilen nichts für Leute, die einen Wagen täglich für den Weg zur Arbeit benötigen.“
So geht es weiter mit der Auto-WG
Und wie geht es weiter? Robert ist da ganz entspannt: „Wir treffen uns jetzt mit den Interessierten aus unserem Stadtteil und wenn klar ist, wer bei der Auto-WG mitmacht, überlegen wir, ob wir ein gebrauchtes Auto kaufen oder eins leasen. Vielleicht bringt auch jemand ein Auto mit, das er teilen möchte. Optimal in einer Carsharing-Gruppe sind übrigens sieben Leute, maximal acht. Damit haben wir gute Erfahrung gemacht. Dann wird das Auto nicht zu oft und nicht zu selten bewegt. Aber mal schauen, wenn es doch mehr Leute werden, könnten wir überlegen, ob wir uns zwei Fahrzeuge anschaffen, ein kleines und ein größeres.“ Wer darüber nachdenkt, in seinem Stadtteil oder auf dem Dorf selbst eine Carsharing-Gruppe aufzubauen – Robert Sevecke teilt seine Erfahrungen gern mit anderen. Einfach Kontakt aufnehmen unter E-Mail: [email protected]



