Autonomer ÖPNV: München sollte von diesen Städten lernen, sagt Experte
Bis Busse autonom fahren, dauert es keine zehn Jahre mehr, so ein Münchner Wissenschaftler. Christina Hertel | 23. Februar 2026 - 15:33 Uhr
Auch auf der IAA im September 2025 gehörte autonomes Fahren zu den großen Themen. Die Münchner legen 76 Prozent ihrer Wege zu Fuß, mit dem Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln zurück. "Das gehört zu den Spitzenwerten in ganz Deutschland", sagt Oliver May-Beckmann. Er ist Geschäftsführer von "MCube", einem Netzwerk von Wissenschaftlern, die Mobilität erforschen.
Wachstum erfordert Ausbau des ÖPNV
Weil München wächst, hält es May-Beckmann für wichtig, den ÖPNV auszubauen. "Denn je später München handelt, desto teurer wird es", sagt er. "Und man kann auch mit vergleichsweise weniger Geld Erfolge erzielen." Konkret denkt er da an die komplette Digitalisierung und Künstliche Intelligenz in der ÖPNV-Steuerung. Damit sei es möglich, in Echtzeit Fahrgastströme, aber auch Stau vorherzusagen. "Wenn man genau weiß, wann man die Tram oder die U-Bahn enger takten muss, hilft das, den Betrieb zu optimieren."
Hamburg investiert massiv in Digitalisierung
Hamburg steckt zum Beispiel fast 300 Millionen Euro in die Digitalisierung der S-Bahn. Oliver May-Beckmann befasst sich aus wissenschaftlicher Perspektive mit Innovationen im ÖPNV. Auch im autonomen Fahren sieht May-Beckmann ein großes Potenzial. Er geht davon aus, dass es keine zehn Jahre mehr dauern wird, bis in München autonom fahrende Busse unterwegs sind. Der große Vorteil für die Stadt: Sie bräuchte dann nicht mehr so viel Personal. Und schließlich tue sie sich gerade schwer damit, genug Fahrer zu finden.
Vorbilder: Paris, Kopenhagen und London
An Städten wie Paris, Kopenhagen und London sollte sich München ein Beispiel nehmen, fordert May-Beckmann. "Die sind alle mit uns auf Augenhöhe." Erst vor zwei Jahren wurde in London eine komplett neue U-Bahn-Linie eröffnet, die Elizabeth Line mit 41 Stationen und einer Länge von 117 Kilometern. 22,5 Milliarden Euro hat das Projekt gekostet. Das ist mehr als doppelt so viel, wie für die Zweite Stammstrecke in München eingeplant ist.
May-Beckmann betont, dass München durch solche Investitionen in Digitalisierung und autonome Technologien nicht nur den Verkehr effizienter gestalten, sondern auch den wachsenden Anforderungen einer Metropole gerecht werden kann. Die Kombination aus Echtzeit-Datenanalyse und autonomen Fahrzeugen könnte den ÖPNV revolutionieren und München zu einer Vorreiterstadt in Sachen nachhaltiger Mobilität machen.



