Die Pionierleistung eines deutschen Ingenieurs: EVA revolutionierte die Navigation
Lange bevor GPS-Satelliten, Smartphones und digitale Kartendienste unseren Alltag bestimmten, arbeitete ein deutscher Ingenieur an einer bahnbrechenden Lösung für ein alltägliches Problem: die sichere und effiziente Zielführung im Straßenverkehr. Otmar Pilsak entwickelte in den 1970er-Jahren mit EVA das erste elektronische Navigationssystem für Autofahrer, das per Sprachausgabe ans Ziel führte und damit den Grundstein für moderne Navigationsgeräte legte.
Die Entstehung einer revolutionären Idee
Otmar Pilsak, der Nachrichtentechnik an der Technischen Hochschule Aachen studierte, forschte in der Arbeitsgruppe Verkehrsleittechnik. Dort reifte die Grundidee für EVA, die später in Zusammenarbeit mit Blaupunkt weiterentwickelt wurde. „Autofahrer standen damals schon vor dem Problem, wie sie möglichst zeitsparend von A nach B kommen“, erklärt Pilsak im Gespräch mit TECHBOOK. Herkömmliche Straßenkarten seien unpraktisch gewesen, besonders bei längeren Routen. „Deswegen hatte ich die Idee für eine Navigation, die Autofahrer per Sprachausgabe auf dem schnellsten Weg durch den Straßenverkehr lotst“, so der Ingenieur.
Technische Herausforderungen und innovative Lösungen
Ursprünglich war ein Leitsystem mit Technik am Straßenrand geplant, doch der Aufwand erwies sich als zu hoch. Pilsak erhielt daraufhin den Auftrag, ein rein fahrzeugbasiertes System zu entwickeln. Daraus entstand EVA, das 1979 als „Fahrzeuggerät zur Zielführung“ zum Patent angemeldet wurde. Getestet wurde das System in Hildesheim, wo ein Team von etwa 14 Personen sämtliche Straßen der Stadt digitalisierte. „Wir haben mit dem Stift sämtliche Straßen auf der Papierkarte nachgezeichnet“, erinnert sich Pilsak. Die Kosten des Projekts beliefen sich auf rund 6,1 Millionen D-Mark.
Die technischen Einschränkungen der damaligen Zeit waren erheblich:
- Die digitale Stadtkarte von Hildesheim benötigte 128 Kilobyte Speicherplatz
- Für ganz Westdeutschland wären etwa 500 Megabyte nötig gewesen
- Die Sprachausgabe war durch Speicherbeschränkungen beeinflusst
„Leider ist der Speicherbedarf bei hohen Frauenstimmen größer als bei tiefen männlichen Stimmen“, erklärt Pilsak. Aus diesem Grund erhielt EVA eine männliche Stimme – eine pragmatische Entscheidung angesichts der technischen Möglichkeiten der 1970er-Jahre.
Vom Prototyp zum Grundstein moderner Navigation
1983 stellte Blaupunkt den ersten funktionsfähigen Prototyp von EVA vor. Die mediale Resonanz war enorm: Presse, Radio und Fernsehen berichteten ausführlich über die innovative Technologie. Pilsak selbst betrachtet seine Erfindung jedoch nüchtern und zitiert das Bild von „Zwergen auf den Schultern von Riesen“. Er betont, dass jede technische Neuerung auf früheren Entwicklungen aufbaut.
Obwohl das Patent bereits 1979 angemeldet wurde, erfolgte die Erteilung erst 1987. Dennoch gilt EVA heute unbestritten als Grundstein moderner Navigationssysteme. Das System bewies, dass eine elektronische Zielführung im Fahrzeug möglich war – lange bevor GPS-Technologie verfügbar wurde.
Die Entwicklung von EVA markiert einen Meilenstein in der deutschen Technikgeschichte und zeigt, wie visionäre Ingenieursarbeit unseren Alltag nachhaltig verändern kann. Ohne die Pionierleistung von Otmar Pilsak und seinem Team wären die heutigen, allgegenwärtigen Navigationssysteme kaum denkbar.



