Rostock zieht Bilanz nach einem Jahrzehnt Elektromobilitätsstrategie
Die Hansestadt Rostock hat eine umfassende Zwischenbilanz ihrer Elektromobilitätsbemühungen vorgelegt, zehn Jahre nachdem der Stadtrat im Jahr 2015 einen ambitionierten Aktionsplan beschlossen hatte. Dieser Plan sah vor, die Elektromobilität bis 2030 stärker in das Gesamtverkehrssystem der Stadt zu integrieren. Die nun vorliegende Evaluation zeigt ein gemischtes Bild: Während in einigen Bereichen deutliche Fortschritte erzielt wurden, gibt es an anderen Stellen erheblichen Nachholbedarf.
Erfolge bei Ladeinfrastruktur und öffentlichem Nahverkehr
Besonders positiv entwickelt hat sich die Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in der mecklenburg-vorpommerschen Metropole. Mit Stand Oktober 2025 verfügt Rostock über 144 Ladeeinrichtungen mit insgesamt 283 Ladepunkten – eine beachtliche Steigerung gegenüber den Anfangsjahren der Elektromobilitätsinitiative. Auch im öffentlichen Personennahverkehr sind konkrete Erfolge zu verzeichnen: Sowohl die Fähre zwischen Kabutzenhof und Gehlsdorf als auch mehrere Buslinien fahren mittlerweile mit elektrischem Antrieb.
Die Stadt hat zudem sogenannte Mobilitätspunkte eingerichtet, an denen verschiedene umweltfreundliche Verkehrsmittel gebündelt werden. An diesen Knotenpunkten können Bürgerinnen und Bürger problemlos von Bus und Bahn auf Leihfahrräder oder E-Scooter umsteigen, was die intermodale Mobilität deutlich verbessert.
Kommunaler Fuhrpark bleibt hinter Zielen zurück
Weniger erfreulich stellt sich die Situation beim städtischen Fuhrpark dar. Laut dem aktuellen Umsetzungsbericht verfügt die Stadtverwaltung lediglich über 13 reine Elektrofahrzeuge, 4 Hybridfahrzeuge, 8 Pedelecs und ein elektrisch betriebenes Lastenfahrrad. Damit erreicht die Kommune mit etwa 13 Prozent emissionsarmer Fahrzeuge deutlich nicht die gesetzlich geforderte Marke von 38,5 Prozent gemäß dem Saubere-Fahrzeuge-Beschaffungs-Gesetz für öffentliche Auftraggeber.
Ein weiterer Rückschlag ergab sich durch den Rückzug des Carsharing-Anbieters Greenwheels aus Rostock. Dadurch wurde das Vorhaben, vermehrt auf E-Carsharing statt auf neue Dienstwagen zu setzen, erheblich beeinträchtigt. „In diesem Punkt sind wir fast wieder am Anfang“, konstatiert der Bericht nüchtern.
Zukünftige Schwerpunkte und Herausforderungen
Für die kommenden Jahre benennt Ute Fischer-Gäde, Senatorin für Stadtplanung, Bau, Klimaschutz und Mobilität, klare Prioritäten: „Der Ausbau und die bessere Vernetzung geteilter, umweltfreundlicher Mobilitätsangebote sowie ein schneller weiterer Aufbau der Ladeinfrastruktur stehen im Mittelpunkt unserer Bemühungen.“
Weitere wichtige Themenfelder bleiben der Tourismussektor und die Wirtschaftsverkehre. Hier geht es insbesondere darum, nachhaltige Mobilitätsangebote für Touristen zu schaffen – etwa durch E-Bike-Verleihsysteme, entsprechende Lade- und Abstellmöglichkeiten für Elektrofahrräder sowie die Gewinnung von Unternehmen für alternative Transportlösungen wie Lastenräder.
„Wir wollen diese Vorhaben gemeinsam mit den Vertreterinnen und Vertretern aus Wirtschaft, Tourismus und dem Dienstleistungssektor voranbringen“, betont Fischer-Gäde. Die Senatorin macht deutlich, dass die Elektromobilitätswende in Rostock zwar Fortschritte gemacht hat, aber weiterhin gemeinsame Anstrengungen aller Beteiligten erfordert, um die gesetzten Ziele bis 2030 tatsächlich zu erreichen.



