In Waren (Müritz) hat ein neues Einkaufskonzept Einzug gehalten: der sogenannte Smartstore. Der Laden mit dem Namen „Friedas Konsum“ in der Springerstraße 27 ist rund um die Uhr geöffnet und kommt fast ohne Personal aus. Betreiber Frank Meißler aus Rostock von der Firma F. M. Retail testet damit in der Region ein zukunftsweisendes Modell, das bald häufiger in Mecklenburg-Vorpommern zu finden sein soll.
Digitaler Zutritt und bargeldloses Bezahlen
Der Zutritt zum Geschäft erfolgt hauptsächlich digital. Kunden benötigen einen QR-Code auf dem Handy oder einer Kundenkarte. Innerhalb von weniger als 60 Sekunden können sie sich an der Tür registrieren und jederzeit eintreten. Bezahlt wird bargeldlos mit EC-Karte, Kreditkarte oder per PayPal. Das Sortiment umfasst Lebensmittel des täglichen Bedarfs, darunter Produkte regionaler Hersteller wie Möwe-Nudeln oder Rostocker Wurst sowie Waren größerer Marken.
Wer kein Handy nutzen möchte, bleibt allerdings außen vor. „Wer das nicht möchte, der wird sicherlich woanders auch einkaufen können“, stellt Meißler klar. In den ersten Wochen nach der Eröffnung ist er noch häufig vor Ort, um bei der Anmeldung zu helfen. Mit der Zeit und weiteren Standorten werde dies jedoch weniger.
Reaktionen aus der Bevölkerung
Während eines Besuchs des Nordkurier betrat eine ältere Dame den Laden und äußerte Bedenken: In der Westsiedlung von Waren lebten viele ältere Menschen, die digitalem Bezahlen skeptisch gegenüberstünden. Nachdem sie erfuhr, dass auch die EC-Karte akzeptiert wird und lediglich Telefonnummer und E-Mail-Adresse nötig sind, zeigte sie sich zufrieden.
Ziel: Versorgung auf dem Land sichern
Frank Meißler verfolgt mit dem Smartstore das Ziel, die Grundversorgung in dünn besiedelten Regionen Mecklenburg-Vorpommerns zu sichern. „Das ist hier die Blaupause. Wenn hier alles genauso läuft, wie ich mir das vorstelle, kann ich genau das mit all diesen Vorgängen und Prozessen eins zu eins kopieren und auf die weiteren Stores übertragen, die kommen“, erklärt er. Derzeit führt er Gespräche mit der Gemeinde Jördenstorf über einen weiteren Standort.
Das Konzept solle jedoch keine großen Supermärkte in Städten ersetzen, betont Meißler. Auf dem Land sieht er klare Vorteile: geringere Fixkosten und weniger Personaldruck. „Da gibt es Gemeinden und Dörfer, die haben in einem Radius von acht Kilometern vom Dorfmittelpunkt keine Einkaufsmöglichkeit. Nicht mal irgendwo eine Tankstelle, bei der man auch mal ein Bier kaufen kann – nichts“, sagt Meißler. Kaum ein größerer Supermarkt würde sich noch in diese Gegenden wagen.
Startprobleme und Kundenfeedback
Der Betreiber geht offen mit Startproblemen um: „Die Warenbeschaffungswege sind unterschiedlich und da klappt es nicht immer gleich beim ersten Mal so, wie man sich das vorstellt. Als Beispiel habe ich zurzeit Zahnpasta, aber noch keine Zahnbürste im Angebot. Auch mit der Tiefkühlware zieht sich das noch ein bisschen hin.“ Er rechnet damit, das Sortiment in den nächsten Wochen zu stabilisieren. Gleichzeitig setzt er auf Rückmeldungen der Kunden: „Die Kunden mögen mir bitte sagen, was sie noch wollen, was ihnen fehlt, was sie brauchen. Und dann werde ich gucken, ob das hier Sinn macht und ob ich es beziehen kann.“
KI-Überwachung und Betriebsgeheimnisse
Zur Funktionsweise der KI-gestützten Videoüberwachung hält sich Meißler bedeckt: „Das ist ein Betriebsgeheimnis.“ Klar sei jedoch: „Sowohl Betrug als auch Diebstahl kann man erkennen und man kann dann diesen Dingen nachgehen.“ Zum Spannungsfeld von Vertrauen und Überwachung sagt er: „Ich vertraue meinen Laden und meine Waren meinen Kunden an. Das ist eine Art Vertrauensvorschuss. Wenn man damit nicht pfleglich umgeht, finde ich es nur normal, dass ich der Sache nachgehe.“
Wirtschaftlichkeit und Zukunftspläne
Zahlen zur Wirtschaftlichkeit nennt der Gründer nicht. Auch dies sei ein Betriebsgeheimnis. Er sei sich „sehr sicher, dass es funktioniert. Die anderen Stores sind bereits in Vorbereitung, sobald die Baugenehmigung da ist, geht es los.“ Momentan möchte er sich auf sein Heimatland Mecklenburg-Vorpommern beschränken.
Ganz ohne Menschen wird es wohl nicht gehen
Der Betreiber ist selbstständiger Berater für Handel und Industrie und führt „Friedas Konsum“ aktuell alleine. „Die Idee meines Konzepts ist absichtlich mitarbeiterlos, weil Mitarbeiter, so schön sie sind, auch einen Kostenblock darstellen und man muss auch erst einmal welche finden“, begründet er die Entscheidung. Zuvor hat er lange den Globus in Roggentin bei Rostock geführt, ein Unternehmen mit zehntausenden Produkten und hunderten Mitarbeitern.
Ganz ohne Menschen wird es laut Meißler künftig dennoch nicht gehen: „Irgendwann wird es auch Personal brauchen, weil ich nicht mehr überall alleine sein kann“, räumt er ein. Schließlich müsse auch jemand die Waren in die Regale legen oder etwa das Wasser des Putzroboters wechseln.



