Historischer Moment: Artemis-2-Crew nähert sich dem Mond
Mehr als fünf Jahrzehnte nach der legendären Apollo-Ära erleben Menschen wieder einen spektakulären Annäherungsflug zum Mond. Die vierköpfige Besatzung der Artemis-2-Mission – bestehend aus Jeremy Hansen, Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover – absolvierte am sechsten Flugtag ein atemberaubendes Manöver, das Raumfahrtgeschichte schreibt.
Eintritt in die Mondumlaufbahn und Rekordentfernung
Bereits am Morgen um 6.41 Uhr deutscher Zeit trat die Orion-Raumkapsel in die Einflusssphäre des Mondes ein, wo dessen Schwerkraft zur dominierenden Kraft wurde. Das Raumfahrzeug befindet sich auf einer sogenannten Free-Return-Bahn, die automatisch zur Erde zurückführt – ein Sicherheitsmechanismus, der den Weg um den Mond und zurück gewährleistet.
Am Abend begann die große Live-Übertragung der NASA ab 19.00 Uhr, bei der Zuschauer weltweit verfolgen konnten, wie sich die Kapsel dem Erdtrabanten näherte. Nur 56 Minuten später, um 19.56 Uhr, durchbrach die Crew einen historischen Rekord: Sie übertraf die maximale Entfernung zur Erde, die Apollo 13 im Jahr 1970 mit etwa 400.171 Kilometern erreicht hatte. In den folgenden Stunden vergrößerte sich diese Distanz sogar noch weiter.
Der kritische Moment: 40 Minuten totale Funkstille
Nach ersten Kommentaren der Astronauten um 20.10 Uhr begann die heiße Phase der Mission. Um 20.15 Uhr wurde die Orion-Kabine für den Vorbeiflug vorbereitet, und ab 20.45 Uhr startete die gezielte Beobachtung der Mondoberfläche. Der Mond wuchs dramatisch in den Fenstern der Kapsel – Krater, Gebirge und Schattenzonen rückten immer näher.
Der kritischste Moment folgte in der Nacht: Um 0.44 Uhr deutscher Zeit am 7. April verschwand Orion hinter dem Mond. Die Verbindung zur Erde brach vollständig ab, und für etwa 40 Minuten herrschte totale Funkstille. Während dieser Phase waren die Astronauten völlig auf sich allein gestellt, während sie über die Rückseite des Mondes flogen – kein Kontakt, kein Eingreifen von der Erde möglich.
Höhepunkt der Mission und emotionaler Wendepunkt
Während dieser Funkstille erreichte die Mission ihren Höhepunkt: Um 1.02 Uhr passierte Orion den Mond in nächster Nähe – nur etwa 6.550 Kilometer über der Mondoberfläche. Wenige Minuten später, um 1.07 Uhr, erreichte die Crew ihre maximale Distanz zur Erde: mehr als 406.000 Kilometer. Dieser Moment war entscheidend, um zu testen, ob alle Systeme unter realen Bedingungen funktionieren.
Dann folgte der emotionale Wendepunkt: Um 1.25 Uhr erschien laut Prognose der NASA die Erde für die Besatzung wieder am Horizont des Mondes – ein sogenannter Erdaufgang. Kurz darauf kehrte das Funksignal zurück, und die Crew konnte sich wieder bei der Erde melden.
Weitere spektakuläre Ereignisse und Missionstest
Doch selbst dann war das Abenteuer nicht vorbei. Zwischen 2.35 und 3.32 Uhr erlebte die Crew eine Sonnenfinsternis aus dem All: Die Sonne verschwand aus ihrer Perspektive hinter dem Mond.
All diese Manöver sind kein Selbstzweck. Artemis 2 dient als Generalprobe für die Rückkehr zum Mond. Navigation, Kommunikation und Lebenserhaltungssysteme wurden unter Extrembedingungen getestet. Mit diesem historischen Tag steht fest: Menschen wollen wieder auf dem Mond landen. Diesmal soll es nicht bei einem kurzen Besuch bleiben, sondern den Beginn einer neuen Ära der Raumfahrt markieren.



