Balkonbepflanzung: Experte verrät Tipps für eine grüne Oase ohne grünen Daumen
Balkonbepflanzung: Experten-Tipps für grüne Oase

Balkonbepflanzung leicht gemacht: So wird der Balkon zur grünen Oase

Die ersten Tulpen leuchten in kräftigem Rot, Kirschblüten zieren ganze Straßenzüge und an den Bäumen treiben hellgrüne Blätter aus den Ästen. Der Frühling ist da und mit ihm die perfekte Zeit für alle Hobbygärtner, etwas Grün auf den eigenen Balkon zu holen. Doch wie pflanzt man einen Blumenkasten richtig und welche Pflanzen eignen sich überhaupt für den Balkon?

Die richtige Pflanzenauswahl: Himmelsrichtung entscheidet

Oliver Hauck, Garten- und Landschaftsgärtner bei Pflanzen Kölle in Unterhaching, kennt die Herausforderungen der Balkonbepflanzung aus eigener Erfahrung. "Als junger Mann habe ich im Lehel gewohnt. Einmal habe ich schon im Februar alles auf dem Balkon eingepflanzt und mich gewundert, warum schließlich alles eingegangen ist", erinnert er sich. Heute weiß der 54-Jährige, dass seine Pflanzen damals erfroren sind.

Eine der wichtigsten Fragen bei der Balkonbepflanzung ist die Himmelsrichtung. Auf einem Nordbalkon bekommen Pflanzen wenig bis kaum Sonne. "Mit mediterranen Pflanzen wird man dort kein Glück haben", so Hauck. Im Süden dagegen sind Farne, die es feucht und schattig mögen, nicht gut aufgehoben. Westbalkone sind eher Wind, Regen oder Hagel ausgesetzt, während Ostseiten traditionell mit Pelargonien bepflanzt werden.

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Stimmung und Zweck: Was soll der Balkon sein?

Neben der Ausrichtung spielen auch Stimmung und Zweck eine entscheidende Rolle. "Ich muss mir überlegen: Welche Stimmung möchte ich auf meinen Balkon bringen? Soll es ein Naschgarten sein, kinderfreundlich, ein Bauerngarten oder eine Oase der Ruhe", erklärt der Experte. Die Farbgebung kann dabei helfen – Stichwort Farbpsychologie. Wer kühlere Farben mag, ist mit Eukalyptus gut beraten.

Auch der praktische Zweck muss bedacht werden: "Soll es schick sein, einen Sichtschutz bieten oder wenig Arbeit machen? Wer beispielsweise seine Nachbarn ärgern will, holt sich einen Bambus. Der verliert ganz viele Blätter", scherzt Hauck. Wichtig ist, dem eigenen Gefühl zu folgen.

Einkauf und Erde: Qualität statt Quantität

Wer diese Fragen geklärt hat, kann sich ans Einkaufen machen. Neben passenden Kästen und sicherer Aufhängung empfiehlt Hauck, Pflanzen immer beim Fachhandel zu kaufen. "Nicht alles im Internet ist Mist. Aber viel. Der Fachhandel lohnt sich. Dort werden die Pflanzen richtig gepflegt, und es gibt eine Fachberatung".

Besonders wichtig ist die richtige Erde. Im Pflanzenfachmarkt reicht das Angebot von Tomaten- über Kräuter- bis hin zu Zitruspflanzenerde. "Wenn mir 40 Liter Erde für einen Euro verkauft werden, kommt die Erde wahrscheinlich aus einer Bleifabrik. Im Ernst: Das kann dann keine gute Erde sein. Lieber weniger, dafür gescheite Erde und keinen Ramsch kaufen", warnt Hauck.

Immer mehr in den Fokus rückt torffreie Erde. Torf stammt oft aus Hochmooren, die durch den Abbau zerstört werden. Deshalb empfiehlt beispielsweise auch das Umweltbundesamt torffreie Pflanzenerde.

Pflanzenpflege: Die häufigsten Fehler vermeiden

Ein häufiger Fehler bei der Balkonbepflanzung ist falsches Gießen. "In den meisten Fällen wird zu viel statt zu wenig gegossen. Das Problem ist, dass auch wenn die Pflanze zu nass ist, sie die Blätter hängen lässt. Oft wird dann noch mehr gegossen – und die Pflanze erstickt am Ende", erklärt Hauck.

Für die richtige Wassermenge rät der Experte, sich das natürliche Habitat der Pflanze klar zu machen. "Ein Farn hat ganz andere Bedürfnisse als ein Lavendel. Die hatte ich mal zusammen im Topf und habe mich gewundert, warum das nix geworden ist".

Hauck empfiehlt außerdem:

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  • Tongranulat als Drainage unter der Erde zu verwenden, um Staunässe zu verhindern
  • Organischen Dünger zu nutzen, mit dem man nicht überdüngen kann
  • Bei Topfpflanzen den Rundwuchs der Wurzeln zu durchbrechen, damit sie sich im Kasten besser ausbreiten können

Trends: Naschkästen und heimische Wildstauden

Besonders im Trend liegen laut Hauck Naschkästen. "Alles, was mit Essen zu tun hat", so der Experte. Für Gemüse gibt es extra Balkonzüchtungen. "Eine Fleischtomate kann in einem Blumenkasten nicht gedeihen, allein weil sie viel zu schwer wird. Aber es gibt wunderbare Naschtomaten, die bestens geeignet sind".

Snacktomaten passen beispielsweise wunderbar mit Oregano und Baby-Leaf-Salat. Paprika lassen sich mit Erdbeeren und Thymian kombinieren. "Wer gerne Äpfel isst, braucht auf einem Balkon nicht darauf zu verzichten. Es gibt tolle Obstbäume im Kübel".

Neben Obst und Gemüse werden heimische Wildstauden immer beliebter. "Akelei – die frisst keine Schnecke – und ist bienenfreundlich, Schafgarbe gibt es in allen Farben und Löwenzahn ist einfach der Hammer: Heimische Wildstauden sind robust und vertragen unsere Kälte gut".

Rechtliche Rahmenbedingungen

Wer einen Balkon hat, kann sich glücklich schätzen, aber nicht alles ist erlaubt. Grenzen ergeben sich dort, wo sich andere Hausbewohner gestört fühlen könnten oder der Gesamteindruck des Hauses leidet. Mieter dürfen grundsätzlich frei entscheiden, wie sie ihren Balkon gestalten, solange das Eigentum des Vermieters nicht beschädigt wird und auf Nachbarn Rücksicht genommen wird.

Blumenkästen dürfen in der Regel außen angebracht werden, solange sie sicher befestigt sind. Ein Blick in den jeweiligen Mietvertrag schadet aber in keinem Fall.

Für Oliver Hauck ist das Wichtigste bei der Balkonbepflanzung die Freude daran. "Hauptsache, man hat Freude daran!" Mit ein paar grundlegenden Tipps und der richtigen Pflanzenauswahl gelingt auch weniger begabten Gärtnern ein blühender Mini-Garten auf dem Balkon.