Artemis-Mission: Deutsche Astronauten könnten Geschichte auf dem Mond schreiben
Mehr als ein halbes Jahrhundert nach der letzten bemannten Mondlandung bereitet sich die Menschheit auf eine spektakuläre Rückkehr zum Erdtrabanten vor. Bei der ambitionierten Artemis-Mission der NASA könnten zwei deutsche ESA-Astronauten eine historische Rolle spielen. Alexander Gerst und Matthias Maurer verfolgen mit Spannung die Vorbereitungen für die kommenden Mondmissionen.
Neue Ära der Mondforschung
„Artemis ist keine nostalgische Wiederholung der Apollo-Missionen, sondern etwas ganz Neues“, betont Alexander Gerst im Gespräch. Der Geophysiker, der bereits zweimal auf der Internationalen Raumstation ISS gearbeitet hat, sieht in Artemis den Beginn einer zweiten Welle der Weltraumforschung. „Damals wollte man zeigen, dass man landen kann. Heute sind die Ziele langfristiger“, erklärt Gerst.
Die Missionen zielen auf Regionen des Mondes ab, die während der Apollo-Ära unerreichbar waren, insbesondere den Südpol, wo Wissenschaftler Wassereis vermuten. Diese Ressource könnte für künftige Missionen von entscheidender Bedeutung sein.
Internationale Zusammenarbeit im Fokus
Astronaut Matthias Maurer, der 2021/22 als zwölfter Deutscher im All war, unterstreicht den entscheidenden Unterschied zu den historischen Apollo-Missionen: „Dieses Mal ist es ein internationales Vorhaben“. Er bedauert, dass Europas Beitrag oft unterschätzt werde. „Ohne die amerikanische Rakete und die Orion-Kapsel geht es nicht – aber ohne das europäische Service-Modul eben auch nicht“, so Maurer.
Für die Raumfahrtbranche gilt Artemis als kosmisches Reifezeugnis für Europa. Sobald ein europäischer Astronaut den Mond betritt, werde die Bedeutung der internationalen Zusammenarbeit deutlich werden.
Konkrete Missionspläne
Die Artemis-Missionen folgen einem klaren Zeitplan:
- Artemis 2: Vier Raumfahrer sollen möglicherweise im März den Mond umrunden
- Artemis 3: Frühestens 2027 soll erstmals eine Frau und eine nicht-weiße Person auf dem Mond landen
- Artemis 4: Bei dieser Mission könnte entweder Alexander Gerst (49) oder Matthias Maurer (55) als erster Europäer den Mond betreten
Die letzte bemannte Mondlandung fand 1972 mit Apollo 17 statt. Seither hat sich die Raumfahrttechnologie dramatisch weiterentwickelt.
Technische Herausforderungen und Sicherheit
Ursprünglich hätte Artemis 2 bereits starten sollen, doch technische Probleme verzögerten die Mission. Bei Tests traten Lecks und Ausfälle am etwa 100 Meter hohen System auf, das aus der Rakete Space Launch System und der Orion-Kapsel besteht.
Beide deutschen Astronauten zeigen sich jedoch zuversichtlich. „Zusätzliche Tests sind kein schlechtes Zeichen, sondern Ausdruck von Professionalität“, erklärt Gerst. Maurer ergänzt: „Lieber schauen wir zwei Tage länger hin, als etwas zu überstürzen. Ein Fehlschlag würde das Programm um Jahre zurückwerfen.“
Wissenschaftliche Bedeutung und Zukunftsperspektiven
Die Frage, warum angesichts irdischer Krisen Ressourcen für Mondmissionen eingesetzt werden, beantwortet Maurer mit Verweis auf die internationale Kooperation: „Die ISS zeigt, was möglich ist, wenn Länder gemeinsam arbeiten“. Raumfahrt sende eine Botschaft, die über Technik hinausgehe und zeige, dass Kooperation funktioniere.
Für Gerst ist der Mond kein bloßer Zwischenstopp auf dem Weg zum Mars, sondern ein eigenständiges Forschungsziel: „Dort können wir erforschen, wie wir die Menschheit vor katastrophalen Meteoriteneinschlägen oder Sonnenstürmen schützen können. Dieses Wissen wird womöglich einmal überlebenswichtig für die Menschheit sein.“
Persönliche Verbindungen und historische Momente
Alexander Gerst verbindet mit Artemis 2 eine persönliche Geschichte. Mit Crew-Commander Reid Wiseman flog er 2014 zur ISS, wo er seinem US-Kollegen als Folge einer Wette eine Glatze rasierte – Bilder, die um die Welt gingen. „Ich freue mich riesig für ihn“, sagt Gerst über Wiseman, der nun um den Mond fliegen soll. „Er ist ein exzellenter Commander und hat sich das absolut verdient.“
Für Europas früheren Raumfahrtchef Jan Wörner ist Artemis kein „back to the moon“, sondern ein „forward to the moon“. Er sieht die Mission als Schritt in Richtung einer Mondstation, die ähnlich zur ISS zur internationalen Zusammenarbeit führen könnte.
Die Entscheidung, welcher der beiden deutschen Astronauten bei Artemis 4 zum Mond fliegen wird, hängt von den Ergebnissen der vorangehenden Missionen ab. „Vieles hängt davon ab, was Artemis 2 an Daten liefert und wie Artemis 3 aussieht“, sagt Gerst. Beide Astronauten betonen, dass alles andere Spekulation wäre.



