Deutsche Astronauten blicken sehnsüchtig zum Mond
Erstmals seit mehr als fünf Jahrzehnten sind wieder Menschen auf dem Weg zum Erdtrabanten. Während die internationale Crew der "Artemis 2"-Mission ihre historische Reise antritt, müssen die deutschen Astronauten Alexander Gerst (49) und Matthias Maurer (56) vorerst am Boden bleiben - doch ihre Herzen schlagen für den Mond.
„In der Toilette ist doch noch Platz“
Matthias Maurer verriet der Deutschen Presse-Agentur in Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida mit einem Augenzwinkern: „Ich habe schon zwischenzeitlich kurz überlegt: In der Toilette ist doch noch Platz, komme ich dann irgendwie rein?“ Der deutsche Astronaut hat sich zwar seinen Kindheitstraum vom Astronautendasein erfüllt und auch einen Weltraum-Außeneinsatz absolviert, doch der größte Wunsch bleibt unerfüllt. „Der dritte, der ganz, ganz große Traum, der noch aussteht, ist der Flug zum Mond.“
Gerst wünscht sich Platz neben US-Kollegen
Alexander Gerst, der bereits zwei Langzeitaufenthalte auf der Internationalen Raumstation ISS absolvierte, tauschte vor dem historischen Start noch Nachrichten mit US-Astronaut Reid Wiseman aus. „Ich habe ihm geschrieben, dass er auf sich aufpassen soll und dass ich ihm ganz viel Glück wünsche, dass er eine sichere Rückkehr hat. Und dass ich gerne neben ihm sitzen würde.“ Gerst betonte zwar, dass die Crew die Mission auch ohne ihn meistern werde, doch gestand er: „Aber mein Herz sagt mir, ich wäre da jetzt gern mit dabei.“
ESA sucht neue Wege zum Mond
Die europäische Weltraumagentur ESA ist am ambitionierten "Artemis"-Mondprogramm beteiligt. ESA-Chef Josef Aschbacher hatte bereits verkündet, dass Deutschland als erstes Land an der Reihe sei, wenn es um ESA-Astronauten für künftige Mond-Missionen gehe. Doch die Pläne haben sich jüngst grundlegend geändert: NASA-Chef Jared Isaacman hat das gesamte "Artemis"-Programm umstrukturiert und dabei unter anderem die Pläne für die um den Mond kreisende Raumstation "Gateway" vorerst eingestampft.
Die ESA reagiert darauf mit neuen Strategien. „Wir werden zusätzliche Meetings einberufen“, sagte Aschbacher bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. Man wolle „sehr schnell“ sein und plane weitere Diskussionen mit NASA-Chef Isaacman. Dabei soll es auch konkret darum gehen, wann und wohin ESA-Astronauten künftig fliegen könnten - möglicherweise sogar direkt auf die Oberfläche des Mondes.
Historische Mission mit internationaler Besatzung
Die "Artemis 2"-Mission markiert einen historischen Meilenstein in der Raumfahrtgeschichte. An Bord befinden sich die US-Astronauten Christina Koch, Victor Glover und Reid Wiseman sowie ihr kanadischer Kollege Jeremy Hansen. Sie sollen den Mond umkreisen und damit den Weg für künftige Landungen bereiten. Für die deutschen Raumfahrer bleibt die Mission vorerst ein Fernziel, doch die Hoffnung auf eine eigene Mondreise ist lebendiger denn je.



