Historiker Rainer Zitelmann will den Mars an die Börse bringen
Während die NASA im März ihre nächste Mondmission startet, denkt der deutsche Historiker und Buchautor Rainer Zitelmann bereits viel weiter. Der 68-Jährige hat eine visionäre Idee entwickelt, die er als „Weltraumkapitalismus“ bezeichnet. Sein Plan: Grundstücke auf dem Mars sollen wie Aktien handelbar werden und so private Investitionen in die Raumfahrt ermöglichen.
Privateigentum im All als Schlüssel zum Erfolg
Zitelmann argumentiert mit ökonomischer Logik: „Auf der Erde funktioniert kein Wirtschaftssystem richtig ohne Privateigentum, auch ohne privates Eigentum an Grund und Boden. Und im Weltraum gelten natürlich die ökonomischen Gesetze auch.“ Für ihn steht fest, dass Staaten allein die enormen Kosten der Raumfahrt nicht stemmen können. Stattdessen müsse die wirtschaftliche Nutzung des Weltraums im Vordergrund stehen.
Seine konkrete Vision: Grundstücke auf dem Roten Planeten, die nach dem Prinzip „Wer zuerst kommt, dem gehört das Land“ verteilt und anschließend an der Börse gehandelt werden. „Dass man das entwickeln kann, dass man das auch an die Börse bringen und damit alles das refinanzieren kann. Da entsteht dann ein Grundstückshandel“, erklärt Zitelmann. Langfristig geht es ihm um Bergbau auf Himmelskörpern und die Erschließung des Weltraums als Wirtschaftsraum.
Elon Musk als Vorreiter der neuen Raumfahrt-Ära
Zitelmann verweist auf die bereits heute beeindruckenden Zahlen der privaten Raumfahrt. Im letzten Jahr gab es weltweit 324 Raketenstarts, davon 165 allein durch Elon Musks Unternehmen SpaceX. Zwei Drittel der etwa 14.000 aktiven Satelliten im Orbit stammen ebenfalls von Musk. Der Historiker bewertet Musks Ansatz als revolutionär: „Wenn man das Space Shuttle als Grundlage nimmt – dann ist Elon Musk heute 95 Prozent billiger.“
Für Zitelmann ist klar, wer das Rennen im All machen wird: „Nach heutigem Stand würde ich vermuten, das läuft zwischen Elon Musk und China.“ Die Europäer spielen seiner Einschätzung nach keine Rolle. Auch Musks umstrittenes Verhalten auf Twitter/X hält ihn nicht davon ab, ihn als „den genialsten Unternehmer in diesem Jahrhundert“ zu bezeichnen.
Kapitalismus statt staatlicher Kontrolle
Was treibt Zitelmann an? Die Angst davor, die Raumfahrt allein Politikern und Regierungen zu überlassen. „Was auf der Erde in den letzten 100 Jahren nirgendwo funktioniert hat, der Sozialismus – warum soll das auf einmal im Weltraum funktionieren?“, fragt er provokant. Für ihn ist der Weltraumkapitalismus die logische Konsequenz aus den Erfahrungen terrestrischer Wirtschaftssysteme.
Und würde er selbst in Mars-Grundstücke investieren? „Ja, ich denke schon. Ich würde selbst dann kaufen, wenn alle sagen, dass es verrückt ist“, antwortet Zitelmann ohne Zögern. Sein Buch „Weltraumkapitalismus“ erscheint im März beim Langen Müller Verlag und wird diese kontroverse These ausführlich darlegen.



