Bad Wilsnack: Sanierung von Altlasten aus DDR-Zeit startet endlich
Bad Wilsnack: Sanierung von DDR-Altlasten beginnt (11.03.2026)

Jahrzehntealte Umweltlast: Sanierung in Bad Wilsnack nimmt Fahrt auf

In der idyllischen Mühlenstraße von Bad Wilsnack klafft seit Jahren eine Baulücke zwischen den Hausnummern 14 und 16. Was auf den ersten Blick wie ein ruhiges, naturumgebenes Grundstück erscheint, verbirgt eine dunkle Vergangenheit aus DDR-Zeiten. Nun endlich, nach langen Jahren des Stillstands, wird sich auf dem Areal etwas bewegen: Eine umfangreiche Sanierung von kontaminiertem Boden und verschmutztem Grundwasser steht unmittelbar bevor.

Chemische Reinigung hinterließ giftiges Erbe

Wer seit drei Jahrzehnten in Bad Wilsnack lebt, erinnert sich noch gut an die ehemalige chemische Reinigung, die hier von den 1960er-Jahren bis kurz nach der Wiedervereinigung durch den VEB Dienstleistungskombinat betrieben wurde. Bis 1998 wurden zwar die Lösemittelreste aus verbliebenen Tanks entsorgt und die Gebäude bis auf die Bodenplatten zurückgebaut, doch das giftige Erbe blieb im Untergrund zurück.

Seit 1995 führte der Landkreis Prignitz erste Altlastenuntersuchungen durch, die seit 2019 durch den Grundstückseigentümer, die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altlasten (GESA) mbH, vertieft wurden. In intensiven Untersuchungen von 2019 bis 2023 wurden zahlreiche Boden-, Bodenluft- und Grundwasserproben analysiert. Das Ergebnis war eindeutig: Ein konkreter Bereich weist sanierungsbedürftige Schadstoffgehalte im Boden auf und gibt kontinuierlich Giftstoffe an das Grundwasser ab.

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Gefährliche Schadstoffe bedrohen Umwelt und Gesundheit

Während des Betriebs der chemischen Reinigung kam es durch vermutete Handhabungsverluste oder undichte Stellen zu schwerwiegenden Verunreinigungen. Die verwendeten Reinigungsmittel Tetrachlorethen und Trichlorethen sickerten in den Boden und kontaminierten das Grundwasser. Bei den nachgewiesenen Schadstoffen handelt es sich um das umwelt- und gesundheitsgefährdende Gemisch „leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)“. Diese Substanzen sind schwerer als Wasser und sinken mit dem Grundwasserstrom in immer tiefere Bereiche ab.

Bereits in den 1990er-Jahren wurden Anwohner der Mühlenstraße und Nutzer der angrenzenden Kleingartenanlage über die Grundwasserbelastung informiert. Es wurde strikt darauf hingewiesen, dass in bestimmten Belastungsbereichen keine Grundwasserentnahme erfolgen darf. Die Kleingartenanlage wurde aus diesem Grund an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen.

„Ich habe dort auch einen Kleingarten, wir durften kein Wasser entnehmen. Das Gleiche galt auch für die Kneipp-Anlage unseres Vereins“, erinnert sich Hans-Dieter Spielmann, ehemaliger Bürgermeister von Bad Wilsnack.

Umfassende Sanierungsmaßnahmen starten im März

In enger Abstimmung mit den zuständigen Ordnungs- und Umweltbehörden sowie den beteiligten Maßnahme- und Kostenträgern Bund und Land wurden nun konkrete Sanierungsmaßnahmen eingeleitet. Die Arbeiten umfassen zwei Hauptkomponenten:

  • Auf einer Fläche von etwa 120 Quadratmetern werden Großlochbohrungen bis zu viereinhalb Meter Tiefe vorgenommen
  • Der belastete Boden wird in luft- und wasserdichte Container überführt und fachgerecht entsorgt
  • Parallel dazu wird das kontaminierte Grundwasser in einer vor Ort installierten Grundwasserreinigungsanlage (GWRA) aufbereitet und gereinigt

Die gesamte Sanierung wird durch kontinuierliche Kontrollmessungen der umgebenden Luft und des Grundwassers begleitet, um mögliche Auswirkungen auf die Umwelt und Anwohner frühzeitig zu erkennen.

Modernste Technik soll Beeinträchtigungen minimieren

Der Zeitplan sieht vor, dass im März die Baustelle eingerichtet und die Grundwasserreinigungsanlage installiert wird. Ende des Monats sind der Abbruch der alten Bodenplatten und die Inbetriebnahme der Reinigungsanlage geplant. Im April folgen dann die Großlochbohrungen und der Austausch des kontaminierten Bodens. Von Mai bis August ist schließlich die Räumung der Baustelle und der Rückbau der GWRA vorgesehen.

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Der Grundstückseigentümer weist die Anwohner darauf hin, dass während der Sanierungsarbeiten mit erhöhtem Baustellenlärm und möglichen Erschütterungen zu rechnen ist. Gleichzeitig betont man jedoch, durch den Einsatz modernster Technik die Auswirkungen auf die Anlieger so gering wie möglich zu halten. Eine Beeinträchtigung der Anwohner durch Schadstoffaustritte soll durch die fortschrittlichen Verfahren ausgeschlossen werden.

Nach jahrzehntelanger Belastung und langwierigen Untersuchungen bedeutet der Start der Sanierungsarbeiten einen wichtigen Schritt für Bad Wilsnack. Die idyllische Lage des Grundstücks an der Karthane mit den angrenzenden Kleingärten könnte nach Abschluss der Maßnahmen endlich ihr volles Potenzial entfalten – frei von den giftigen Hinterlassenschaften der DDR-Industrie.