Bad Wilsnack: Sanierung von Altlasten aus DDR-Zeit beginnt nach jahrelanger Vorbereitung
Bad Wilsnack: Sanierung von DDR-Altlasten beginnt

Bad Wilsnack: Endlich Bewegung auf verseuchtem Grundstück

In der Mühlenstraße von Bad Wilsnack wird sich nach Jahren der Stille endlich etwas bewegen. Auf dem Grundstück zwischen den Hausnummern 14 und 16, das bisher als Baulücke auffiel, entsteht demnächst eine Baustelle besonderer Art. Hier soll der jahrzehntelang verseuchte Boden saniert und das kontaminierte Grundwasser gereinigt werden.

DDR-Erbe: Chemische Reinigung hinterließ giftige Spuren

Das Grundstück in der Mühlenstraße 15 birgt ein dunkles Erbe aus DDR-Zeiten. Von den 1960er-Jahren bis kurz nach der Wiedervereinigung betrieb hier das VEB Dienstleistungskombinat eine chemische Reinigung. Bis 1998 wurden zwar die Lösemittelreste entsorgt und die Gebäude zurückgebaut, doch die Umweltbelastung blieb. Seit 1995 untersuchte der Landkreis Prignitz die Altlasten, vertiefende Analysen folgten ab 2019 durch den Grundstückseigentümer, die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altlasten (GESA) mbH.

Von 2019 bis 2023 führte die GESA mbH zahlreiche Boden-, Bodenluft- und Grundwasseruntersuchungen durch. Das Ergebnis war eindeutig: Ein konkreter Bereich weist sanierungsbedürftige Schadstoffgehalte im Boden auf und gibt kontinuierlich Giftstoffe an das Grundwasser ab. Dies teilte das Unternehmen Ende Januar in einem Informationsschreiben an die Anwohner mit.

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Gefährliche Schadstoffe bedrohen Boden und Grundwasser

Während des Betriebs der chemischen Reinigung kam es durch vermutete Handhabungsverluste oder Leckagen zu schwerwiegenden Verunreinigungen. Die Reinigungsmittel Tetrachlorethen und Trichlorethen verseuchten nachhaltig Boden und Grundwasser. Bei den nachgewiesenen Schadstoffen handelt es sich um das umwelt- und gesundheitsgefährdende Gemisch „leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)“. Diese Substanzen sind schwerer als Wasser und sinken mit dem Grundwasserstrom in tiefere Bereiche ab, wie der Landkreis Prignitz erläuterte.

Bereits in den 1990er-Jahren wurden Anwohner der Mühlenstraße und Nutzer der benachbarten Kleingartenanlage über die Grundwasserbelastung informiert. Es wurde strikt darauf hingewiesen, dass in bestimmten Belastungsbereichen keine Grundwasserentnahme erfolgen darf. Die Kleingartenanlage ist deshalb an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen.

„Ich habe dort auch einen Kleingarten, wir durften kein Wasser entnehmen. Das Gleiche galt auch für die Kneipp-Anlage unseres Vereins“, erinnert sich Hans-Dieter Spielmann, ehemaliger Bürgermeister von Bad Wilsnack.

Umfassende Sanierungsmaßnahmen starten im März

In Abstimmung mit den zuständigen Ordnungs- und Umweltbehörden sowie den beteiligten Maßnahme- und Kostenträgern Bund und Land wurden nun konkrete Sanierungsmaßnahmen eingeleitet:

  • Bodensanierung: Auf etwa 120 Quadratmetern werden Großlochbohrungen bis zu viereinhalb Meter Tiefe vorgenommen
  • Entsorgung: Der belastete Boden wird in luft- und wasserdichte Container überführt und ordnungsgemäß entsorgt
  • Grundwasserreinigung: Parallel wird das kontaminierte Grundwasser in einer vor Ort installierten Grundwasserreinigungsanlage (GWRA) aufbereitet
  • Kontrollen: Die Maßnahmen werden durch regelmäßige Kontrollmessungen der umgebenden Luft und des Grundwassers begleitet

Modernste Technik soll Anwohner schonen

Der Zeitplan für die Sanierung steht bereits fest:

  1. März: Einrichtung der Baustelle und Installation der Grundwasserreinigungsanlage
  2. Ende März: Abbruch der Bodenplatten und Inbetriebnahme der Reinigungsanlage
  3. April: Durchführung der Großlochbohrungen und Bodenaustausch
  4. Mai bis August: Baustellenräumung und Rückbau der GWRA

Der Grundstückseigentümer weist die Anwohner darauf hin, dass während der Sanierung mit erhöhtem Baustellenlärm und möglichen Erschütterungen zu rechnen ist. Doch durch den Einsatz modernster Technik sollen die Auswirkungen auf die Anwohner minimiert werden. Eine Beeinträchtigung der Anlieger oder Schadstoffaustritte seien bei fachgerechter Durchführung nicht zu erwarten.

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Nach jahrzehntelanger Belastung und jahrelanger Vorbereitung beginnt damit endlich die umfassende Sanierung eines Umweltproblems, das seine Wurzeln in der industriellen Vergangenheit der DDR hat. Für die Bewohner von Bad Wilsnack bedeutet dies einen wichtigen Schritt zur Wiederherstellung einer gesunden Umwelt in ihrer Stadt.