Bad Wilsnack: Nach Jahrzehnten startet Sanierung von DDR-Altlasten in der Mühlenstraße
Bad Wilsnack: Sanierung von DDR-Altlasten startet endlich

Jahrzehntealte Umweltlast: Bad Wilsnack startet umfangreiche Sanierungsmaßnahmen

In der idyllischen Mühlenstraße von Bad Wilsnack, wo die Karthane ruhig vorbeifließt und Kleingärten zum Verweilen einladen, klafft seit Jahren eine Baulücke zwischen den Hausnummern 14 und 16. Was auf den ersten Blick wie ein ungenutztes Grundstück erscheint, verbirgt ein dunkles Erbe aus DDR-Zeiten. Nach mehr als drei Jahrzehnten des Stillstands soll sich hier nun endlich etwas bewegen: Eine umfassende Sanierung von Boden und Grundwasser beginnt.

Das toxische Vermächtnis der DDR-Industrie

Wer seit den 1990er-Jahren in Bad Wilsnack lebt, erinnert sich noch an den Betrieb, der hier von den 1960er-Jahren bis kurz nach der Wiedervereinigung aktiv war: Das VEB Dienstleistungskombinat betrieb eine chemische Reinigung, die ihre Spuren hinterließ. Bis 1998 wurden zwar die Lösemittelreste aus verbliebenen Tanks entsorgt und die Gebäude bis auf die Bodenplatten zurückgebaut, doch das wahre Problem lag tiefer – im Erdreich selbst.

Seit 1995 führte der Landkreis Prignitz erste Altlastenuntersuchungen durch. Vertiefende Analysen folgten ab 2019 durch den Grundstückseigentümer, die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altlasten (GESA) mbH. Von 2019 bis 2023 wurden zahlreiche Boden-, Bodenluft- und Grundwasseruntersuchungen durchgeführt, die ein klares Bild zeichneten: Ein konkreter Bereich weist sanierungsbedürftige Schadstoffgehalte im Boden auf und gibt kontinuierlich Giftstoffe an das Grundwasser ab.

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Gefährliche Chemikalien im Untergrund

Während des Betriebs der chemischen Reinigung kam es durch vermutete Handhabungsverluste oder Leckagen zu schwerwiegenden Verunreinigungen. Tetrachlorethen und Trichlorethen, die damals verwendeten Reinigungsmittel, sickerten in den Boden und kontaminierten das Grundwasser. Bei den Schadstoffen handelt es sich um das umwelt- und gesundheitsgefährdende Gemisch „leichtflüchtige chlorierte Kohlenwasserstoffe (LCKW)“. Diese Substanzen sind schwerer als Wasser und sinken mit dem Grundwasserstrom in tiefere Bereiche ab, was die Sanierung besonders komplex macht.

Bereits in den 1990er-Jahren wurden Anwohner der Mühlenstraße und Nutzer der benachbarten Kleingartenanlage über die Grundwasserbelastung informiert. Eine Entnahme von Grundwasser in bestimmten Belastungsbereichen wurde strikt untersagt. Die Kleingartenanlage wurde aus diesem Grund an das öffentliche Versorgungsnetz angeschlossen. „Ich habe dort auch einen Kleingarten, wir durften kein Wasser entnehmen. Das Gleiche galt auch für die Kneipp-Anlage unseres Vereins“, erinnert sich Hans-Dieter Spielmann, ehemaliger Bürgermeister von Bad Wilsnack.

Modernste Technik für eine saubere Zukunft

Die nun geplanten Sanierungsmaßnahmen sind sowohl umfangreich als auch technisch anspruchsvoll:

  • Auf einer Fläche von etwa 120 Quadratmetern werden Großlochbohrungen bis zu viereinhalb Meter Tiefe vorgenommen
  • Der belastete Boden wird in luft- und wasserdichte Container überführt und ordnungsgemäß entsorgt
  • Parallel dazu wird das kontaminierte Grundwasser in einer vor Ort installierten Grundwasserreinigungsanlage (GWRA) aufbereitet
  • Kontrollmessungen der umgebenden Luft und des Grundwassers begleiten die gesamte Sanierung

Der Zeitplan sieht vor, dass im März die Baustelle eingerichtet und die GWRA installiert wird. Ende des Monats sind der Abbruch der Bodenplatten und die Inbetriebnahme der Reinigungsanlage geplant. Im April folgen die Großlochbohrungen und der Bodenaustausch. Von Mai bis August ist dann die Baustellenräumung und der Rückbau der GWRA vorgesehen.

Minimale Beeinträchtigungen für Anwohner

Der Grundstückseigentümer weist die Anwohner darauf hin, dass während der Sanierung mit erhöhtem Baustellenlärm und möglichen Erschütterungen zu rechnen ist. Gleichzeitig betont man, durch technische Maßnahmen die Auswirkungen auf die Anwohner so gering wie möglich zu halten. Moderne Technologien sollen sicherstellen, dass es zu keiner Beeinträchtigung der Anlieger oder zu Schadstoffausträgen kommt.

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Diese Sanierung markiert nicht nur das Ende einer jahrzehntealten Umweltbelastung, sondern auch einen wichtigen Schritt für die Zukunft des Grundstücks und der gesamten Umgebung. Nach Abschluss der Arbeiten könnte die Idylle an der Karthane endlich wieder ungetrübt genossen werden.