Müll macht mobil: Tüftler baut Elektroauto-Akku aus 500 alten E-Zigaretten
Der britische YouTuber Chris Doel (29) hat mit einem außergewöhnlichen Bastelprojekt bewiesen, dass unser Müll noch immer wertvolle Ressourcen birgt. Aus weggeworfenen Einweg-E-Zigaretten konstruierte der Tüftler einen voll funktionsfähigen Akku für ein Elektroauto – inklusive erfolgreicher Probefahrt.
Monatelange Sammlung und sorgfältige Prüfung
Über mehrere Monate hinweg sammelte Doel entsorgte E-Zigaretten aus Recyclingbehältern. Jede einzelne Lithium-Ionen-Zelle wurde von ihm penibel zerlegt, auf ihre Restkapazität überprüft und anschließend zu einem großen Batteriepaket zusammengelötet. Insgesamt benötigte er 500 gebrauchte Einweg-E-Zigaretten für sein ambitioniertes Vorhaben.
Indisches Basisfahrzeug mit neuer Energie
Als Basisfahrzeug diente ein Reva, auch bekannt als „G-Wiz“. Dieses elektrische Kleinstfahrzeug wurde zwischen 2001 und 2012 in Indien produziert und war auch in Großbritannien erhältlich. Ursprünglich mit schweren Blei-Akkus ausgestattet, die eine Reichweite von etwa 60 Kilometern ermöglichten, waren diese längst nicht mehr funktionsfähig. Der selbstgebaute Akku aus den alten E-Zigaretten liefert nun den notwendigen Strom für die Fahrt.
Technische Details und Kosteneffizienz
Der Vape-Akku erreicht eine theoretische Kapazität von rund 2,5 Kilowattstunden und wird über ein herkömmliches USB-C-Ladegerät aufgeladen. Bemerkenswert ist die Kosteneffizienz des Projekts: Ohne die Arbeitszeit zu berücksichtigen, beliefen sich die Materialkosten laut Doel auf lediglich 130 Euro. Zum Schutz vor Vibrationen versiegelte er die einzelnen Zellen mit Silikon und verbaute das Akkupaket in einem stabilen Aluminiumgehäuse.
Sicherheitssysteme und erfolgreiche Testfahrt
Ein spezielles Batteriemanagementsystem überwacht kontinuierlich Temperatur und Spannungen im Akku und schützt so vor Überladung. Zusätzlich installierte Doel einen manuellen Not-Aus-Schalter im Fahrzeug, falls etwas Unvorhergesehenes passieren sollte. Doch alles verlief planmäßig: Bei der Probefahrt erreichte das umgebaute Elektroauto eine Höchstgeschwindigkeit von 55 km/h und bewies dabei durch Fahrten durch den Drive-in einer bekannten Fastfood-Kette und zum örtlichen Baumarkt seine Alltagstauglichkeit.
Reichweite und praktische Grenzen
Nach 29 Kilometern beendete das Batteriemanagement die Testfahrt automatisch, als eine der Zigaretten-Zellen unter die festgelegte Mindestspannung fiel. Diese Reichweite ist zwar begrenzt, aber angesichts der minimalen Akkukapazität von nur 2,5 kWh durchaus beeindruckend.
Recycling-Appell und zukunftsweisende Botschaft
„Wir alle sollten ausgiebig darüber nachdenken, was wir als Müll definieren“, appelliert Doel am Ende seines YouTube-Videos. Zwar werden unsere Autos auch in Zukunft nicht mit Akkus aus E-Zigaretten fahren und der Reva ist technisch längst überholt, doch das Projekt verdeutlicht, wie viele wertvolle Ressourcen täglich vergeudet werden. Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen wird das Thema Recycling von Gebraucht-Akkus – auch aus größeren Fahrzeugen – immer bedeutender.



