Fastnacht ohne Farbenspiel: Tuttlingen verbietet Konfetti bei Straßenumzug
Tuttlingen verbietet Konfetti bei Fastnacht-Umzug

Fastnacht ohne Farbenspiel: Tuttlingen verbietet Konfetti bei Straßenumzug

Ein striktes Konfetti-Verbot sorgt in Tuttlingen nördlich des Bodensees für kontroverse Diskussionen. Die Stadtverwaltung hat erstmals den Einsatz der bunten Papierschnipsel beim jährlichen Straßenumzug untersagt und damit eine hitzige Debatte über Tradition, Sauberkeit und Umweltschutz entfacht.

Reinigungsaufwand als Hauptgrund für das Verbot

„Das Verbot wurde erlassen, weil es Jahr für Jahr Ärger mit immer größer werdenden Konfettimengen gab“, erklärt ein Stadtsprecher deutlich. „Wenn es matschig-nass ist, kann es sein, dass das Zeug wochenlang in jeder Fuge klebt.“ Der Bauhof sei im Winter ohnehin schon stark eingespannt und müsse zusätzlich mit den enormen Müllmengen kämpfen.

Besonders problematisch seien die wachsenden Mengen an Konfetti, die nach den Umzügen die Straßen bedecken. Die Reinigung gestalte sich bei nassem Wetter extrem aufwändig, da die bunten Schnipsel dann förmlich an jeder Oberfläche haften bleiben. „Wir dachten, das ist kein großes Ding“, hieß es aus dem Rathaus, da Konfetti kein traditioneller Bestandteil der schwäbisch-alemannischen Fasnet sei.

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Geteilte Reaktionen in der Bevölkerung

Während in sozialen Netzwerken teils negative Kommentare zu lesen sind, berichtet die Stadtverwaltung von überwiegend positiven Rückmeldungen. „Direkte Kritik erreicht uns so gut wie keine - stattdessen bekamen wir eher Lob von Umzugsbesuchern, die sich darauf freuen, dass sie in diesem Jahr nicht noch wochenlang Konfetti aus ihren Mänteln, Kapuzen oder auch Autos und Wohnungen friemeln müssen“, so der Sprecher weiter.

Die örtlichen Narren zeigen sich dagegen wenig begeistert von der neuen Regelung. „Saubere Straßen wird es bei Umzügen nicht geben“, sagte die Präsidentin der Tuttlinger Narrenzunft Honberger, Sonja Vogler, der „Schwäbischen Zeitung“. Für den Umzug am kommenden Samstag seien alle teilnehmenden Vereine bereits über das Verbot informiert worden.

Umweltschützer begrüßen die Maßnahme

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) befürwortet das Konfetti-Verbot ausdrücklich. Für die Organisation stellt Konfetti „ein ernstzunehmendes Umweltproblem“ dar. Besonders problematisch seien Varianten aus Plastik oder mit Glitzer, die als absolutes No-Go gelten, weil sie als Mikroplastik lange in der Umwelt blieben, in Gewässer gelangten und damit letztlich auch in die Nahrungskette.

Aber auch Papierkonfetti könne durch Farbstoffe und schiere Masse problematisch sein. Die Umweltschützer fordern einen umweltschonenden Karneval, der ohne Konfetti auskommt. Dies gelte selbstverständlich auch für die Fastnacht im schwäbisch-alemannischen Raum.

Andere Kommunen als Vorbild

Tuttlingen folgt mit dem Verbot einem Trend, der sich bereits in anderen Kommunen etabliert hat. Dort gebe es solche Regelungen schon seit längerer Zeit. Die Stadtverwaltung betont, dass es sich bei der Maßnahme nicht um eine Einschränkung der Fastnachtstradition handle, sondern um eine pragmatische Lösung für ein praktisches Problem.

Die Diskussion zeigt deutlich den Konflikt zwischen Brauchtumspflege und modernen Anforderungen an Sauberkeit und Umweltschutz. Während die einen das Ende einer liebgewonnenen Tradition befürchten, sehen andere darin einen notwendigen Schritt zu einer nachhaltigeren Feierkultur.

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